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Verbraucherschützer greifen Prokon an: Druck auf Anleger ausgeübt

Einstweilige Verfügung gefordert  

Verbraucherschützer greifen Prokon an

16.01.2014, 18:57 Uhr | rtr, AFP, t-online.de

Verbraucherschützer greifen Prokon an: Druck auf Anleger ausgeübt. Das Unternehmen hat mit Insolvenz gedroht: Die Prokon-Anleger müssen um ihr Geld fürchten (Quelle: dpa)

Das Unternehmen hat mit Insolvenz gedroht: Die Prokon-Anleger müssen um ihr Geld fürchten (Quelle: dpa)

Der Windparkfinanzierer Prokon hat seine 75.000 Geldgeber massiv unter Druck gesetzt. Das ging dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) deutlich zu weit. Die Verbraucherschützer gehen jetzt gerichtlich gegen das nach eigenen Angaben von der Insolvenz bedrohten Unternehmen vor.

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Einweilige Verfügung gegen Druck auf Anleger

Prokon solle per einstweiliger Verfügung untersagt werden, auf Genussscheininhaber "in unangemessener Weise" Druck auszuüben, teilte der vzbv in Berlin mit. Die Experten beziehen sich auf ein Schreiben vom 10. Januar, in dem Prokon Besitzer von Genussrechten vor einer drohenden Pleite warnt, sollten sie ihre Anteile kündigen. Der Brief enthält zudem ein bereits vorformuliertes Antwortschreiben, in dem Anleger durch einfaches Ankreuzen einwilligen können, ihre Genussrechte beizubehalten oder ihre Anteile sogar zu erhöhen.

"Wir sehen in diesem Verhalten einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und lassen daher die Rechtmäßigkeit gerichtlich prüfen", erklärte Lars Gatschke, Referent im Team Finanzen beim vzbv. Es dürfe nicht unnötig mit der Angst der Verbraucher gespielt werden, die bei Prokon investiert haben. Auf sie werde durch die gesamte Aufmachung des Schreibens und die Gestaltung der Rückantwort in unzulässiger Weise Druck ausgeübt.

Warnung vor Genussrechten

Das Unternehmen hat etwa 1,4 Milliarden Euro von seinen Investoren eingesammelt. Sie müssen nun um ihr Geld bangen. Anlegerschützer warnen schon seit Längerem vor Genussrechten, weil Investoren im Fall einer Insolvenz meistens nur nachrangig ausgezahlt werden und ihr Kapital daher in der Regel verlieren. Der Fall Prokon hat deshalb auch eine neuerliche Debatte über einen besseren Schutz von Anlegern auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt ausgelöst.

Der vzbv forderte Prokon nach eigenen Angaben am Dienstag auf, sein Schreiben zu berichtigen. Außerdem sollte das Unternehmen eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgeben. Weil es nicht reagiert habe, sei beim zuständigen Landgericht in Itzehoe nun eine einstweilige Verfügung beantragt worden, erklärte der vzbv.

Investoren ziehen Geld ab

Mit der umstrittenen Aktion kann der in Schieflage geratene Windparkbetreiber den Kapitalabfluss offenbar aber nicht stoppen. Am Donnerstag hatten Anleger bereits Genussrechte in Höhe von rund 216 Millionen Millionen Euro gekündigt, knapp 30 Millionen Euro mehr als noch vor zwei Tagen, wie die Firma aus Itzehoe auf ihrer Internetseite mitteilte.

Damit summieren sich die Kündigungen auf rund 14 Prozent des Genussrechtskapitals. Firmengründer Carsten Rodbertus hatte in dem Schreiben betont, wenn nicht mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals von rund 1,4 Milliarden Euro bis Ende Oktober 2014 im Unternehmen blieben, drohe die Insolvenz.

Mit Insolvenz gedroht

"Sollte es uns gemeinsam mit Ihnen, unseren Anlegern, nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten."

Zuletzt häuften sich jedoch die Kündigungen. Im Jahr 2013 habe Prokon schon 130 Millionen Euro ausgezahlt. "Es ist absehbar, dass wir die Zahlungen in dieser Höhe nicht fristgerecht leisten können", schrieb Rodbertus. Aus einer "Zwischenbilanz" per Ende Oktober geht hervor, dass bei Prokon insgesamt Verluste in Höhe von 210 Millionen Euro aufgelaufen sind, während an die Anleger 330 Millionen Euro Zinsen gezahlt wurden - im Schnitt acht Prozent pro Jahr.

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