Sie sind hier: Home > Finanzen > Geld & Vorsorge > Geldanlage >

Das müssen Anleger nach der Prokon-Pleite wissen - Genussrechte am Pranger

Genussrechte am Pranger  

Was Anleger nach der Prokon-Pleite wissen müssen

23.01.2014, 19:44 Uhr | AFP, dpa-AFX, rtr, t-online.de

Das müssen Anleger nach der Prokon-Pleite wissen  - Genussrechte am Pranger. Prokon hat einen Insolvenzantrag gestellt. Nun haben Anleger viele Fragen  (Quelle: dpa)

Die insolvente Prokon könnte bald den Besitzer wechseln. (Quelle: dpa)

Nach der Prokon-Insolvenz bangen die Anleger des Windkraft-Finanzierers um insgesamt 1,4 Milliarden Euro. So viel haben sie investiert, im Glauben an Öko-Energie als Zukunftsmodell und natürlich an die versprochene Traum-Rendite von sechs Prozent. Der Ratgeber von t-online.de zeigt, was Betroffene jetzt tun sollten - und welche Lehren jeder andere Anleger aus der Pleite ziehen muss.

Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Stellenangebote

Wählen Sie die gewünschte Branche aus:


Bedeutet die Insolvenzanmeldung das Ende von Prokon?

Nein, nicht zwangsläufig. Mit dem Gang zum Gericht ist zunächst das vorläufige Insolvenzverfahren angelaufen. Die Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters Dietmar Penzlin ist es, das Unternehmen zu sanieren. So soll das für die Gläubiger beste Ergebnis erzielt werden. Penzlin zeigte sich guten Mutes, dass genug Liquidität vorhanden sei, um das Unternehmen vorerst weiterzubetreiben. Eine Fortführung des Kerngeschäfts in der Windenergie hält er für möglich. Das "stehe außer Frage".

Was ist dran an Berichten, Prokon sei gar nicht insolvent?

Der Fall Prokon mit seinen rund 75.000 Anlegern ist in der Tat ein besonderer. Es müssen noch fundamentale juristische Fragen geklärt werden. Drei Rechtsprofessoren seien mit Gutachten beauftragt, sagte Insolvenzverwalter Penzlin. Die Experten sollen klären, ob gekündigte Genussrechtsanteile von Anlegern offene Forderungen gegen das Unternehmen im Sinne des Insolvenzrechts seien. Nur dann sei Prokon überschuldet und das Amtsgericht könne das Insolvenzverfahren eröffnen. Andernfalls liege keine Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit vor, weil es keine weiteren nennenswerten offenen Forderungen gebe. Die Gutachten sollen in zwei bis drei Monaten vorliegen.

Ist mein Geld, das ich bei Prokon investiert habe, verloren?

Nicht unbedingt. Prokon gibt zwar an, derzeit zahlungsunfähig zu sein, besitzt aber mit den Windparks auch große Sachwerte. Wie Prokon auf einer Pressekonferenz am Donnerstag ankündigte, sollen einzelne Windparks verkauft werden. Wie viel Geld die Genussrechteinhaber am Ende erwarten können, ist jedoch völlig unklar. Bedeutsam ist dabei, dass Genussrechte nur nachrangig gegenüber anderen Forderungen sind. Das heißt: Bevor die Inhaber von Genussrechten aus der Insolvenzmasse ausgezahlt werden, müssen andere Forderungen wie ausstehende Mitarbeitergehälter oder Mietzahlungen abgegolten sein.

Ich habe früh gekündigt. Bekomme ich mein Geld noch?

Wer in den vergangenen Tagen seine Investitionen gekündigt hat, ist dadurch nicht im Vorteil. Das Unternehmen wird die gekündigten Genussrechte zunächst nicht auszahlen. Laut Prokon werden diese gleichrangig zu den nicht gekündigten Genussrechten im Falle der Insolvenz behandelt. Somit werden die Anleger nicht früher aus der Insolvenzmasse bedient, nur weil sie gekündigt haben. Verbraucherschützer sehen dies genauso.

Ich habe meine Genussrechte behalten. Was muss ich jetzt tun?

Eine Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt dürfte keine Auswirkungen mehr haben. Vorerst brauchen Anleger ihre Forderungen noch nicht anzumelden. Dies wäre unwirksam. Erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Forderungen angemeldet werden. Das dürfte in ein bis zwei Monaten der Fall sein, schätzt der Verbraucheranwalt Marc Gericke.

Der Insolvenzverwalter hat angekündigt, die Genussrechteinhaber über das weitere Vorgehen zu informieren. Betroffene sollten jedoch selbst alle Informationen über den Fall genau verfolgen, rät die Stiftung Warentest. Denn die Daten des Insolvenzverwalters können lückenhaft sein. Anleger, die vergessen wurden, können sich dann selbst beim Insolvenzverwalter melden.

Kann ich mich juristisch wehren?

Mahnbescheide oder eine per Klage erwirkte Zwangsvollstreckung sind fast aussichtslos. Der Insolvenzverwalter hat das Recht, solche Zwangsvollstreckungen größtenteils zu untersagen.

Eine Möglichkeit, sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen, ist eine Klage zur Beseitigung des Nachrangs der Genussrechte. Im Erfolgsfall würde der Kläger vor den anderen Genussrechteinhabern und gleichrangig mit anderen Gläubigern entschädigt. Die Erfolgsaussichten sind laut Verbraucherschützern aber unsicher. Bei einer Niederlage müsste der Kläger dann auch noch Anwalts- und Gerichtskosten tragen.

Wann kann ich damit rechnen, mein Geld zurück zu bekommen?

Durch das vorläufige Insolvenzverfahren genießt das insolvente Unternehmen besonderen rechtlichen Schutz. Sollte es zum eigentlichen Insolvenzverfahren kommen, kann es Jahre dauern. Bis die Gläubiger Geld sehen, müssen sie also wahrscheinlich lange warten.

Kann ich Prokon mit mehr Geld helfen?

Nein, der Insolvenzverwalter hat klar gemacht, dass derzeit keine neuen Genussrechte gezeichnet werden können. Er bat darum, keine Zahlungen mehr auf Prokon-Konten vorzunehmen.

Sollte ich von Genussrechten grundsätzlich die Finger lassen?

Genussscheine oder geschlossene Fonds bieten Anlegern oft hohe Renditen. Allerdings sind solche Investments auch mit einem höheren Risiko verbunden. Denn bei einer Insolvenz des Unternehmens kann das Geld komplett verloren gehen.

Solche Papiere werden oft zum grauen Kapitalmarkt gezählt, in dem es Regulierungslücken gibt und oft, wie eben bei Genussrechten, keine Einlagensicherung. Umgekehrt steht aber längst nicht jeder Anbieter unter Betrugsverdacht. Junge Firmen können sich dadurch ohne hohe Hürden Startkapital verschaffen.

Die Pflicht der Anleger ist es immer, die Marktchancen des jeweiligen Anbieters gründlich zu prüfen. Die Zeitschrift "Finanztest" setzte Prokon-Papiere schon im Jahr 2010 auf die Warnliste. Unabhängig vom Einzelfall ist eines klar: Wer angesichts historisch niedriger Zinsen an eine sichere Rendite von sechs Prozent glaubt, ist naiv.

Wird der Staat die Anleger künftig besser schützen?

Einen besseren Schutz haben Politiker zumindest versprochen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte am Donnerstag an, dass Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) entsprechende Vorschläge machen werden. Im Gespräch sind unter anderem Vertriebsbeschränkungen, etwa Grenzen für den Verkauf von Genussrechten an Kleinanleger oder für Nachrangdarlehen.

Bekomme ich weiterhin Strom von Prokon?

Die Stromkunden haben wenig zu befürchten. Der Insolvenzverwalter hat mitgeteilt, dass der Geschäftsbetrieb von Prokon vollständig fortgeführt wird. Zudem würden Kunden in die sogenannte Ersatzversorgung fallen, wenn Prokon keinen Strom mehr liefern könnte. Dann würde der örtliche Stromerzeuger die Versorgung übernehmen. Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, könnten Kunden dann zu viel gezahlte Monatsabschläge anmelden und würden aus der Insolvenzmasse, soweit möglich, entschädigt.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal