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Moody's warnt vor Zusammenbruch deutscher Lebensversicherer

Niedrige Zinsen  

Moody's warnt vor Zusammenbruch deutscher Lebensversicherer

04.02.2015, 15:23 Uhr | rtr, dpa-AFX

Moody's warnt vor Zusammenbruch deutscher Lebensversicherer. Zentrale der Ratingagentur Moody's in New York (Quelle: imago/ geisser)

Zentrale der Ratingagentur Moody's in New York (Quelle: imago/ geisser)

Kleinere deutsche Lebensversicherungen bekommen nach Ansicht der Ratingagentur Moody's Probleme. Die dauerhaft niedrigen Zinsen und schärfere Regeln der Regulierer seien gefährlich für die Gesellschaften. Vor allem die neuen Richtlinien, die unter dem Namen Solvency II bekannt sind, bereiten manchen Unternehmen Kopfschmerzen, erklärte die Ratingagentur. "Einige kleinere Gesellschaften weisen aktuell eine zu geringe Kapitalausstattung auf, um die Anforderungen zu erfüllen".

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Die Versicherer beziehungsweise die Aufsichtsbehörden müssten diesen Zustand noch vor Inkrafttreten der neuen Regeln 2016 beheben, forderte Moody's. "Ein Zusammenbruch eines oder mehrerer Akteure auf dem deutschen Markt könnte einen Reputationsschaden für die gesamte Branche bedeuten."

Negativer Ausblick für die ganze Branche

Das kürzlich angekündigte Anleihen-Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) wird den Druck auf die Versicherungen laut Moody's erhöhen. Viele Staatanleihen werfen wegen des Programms kaum noch etwas ab. Für die Assekuranz wird es deshalb immer schwieriger, die versprochenen Erträge für ihre Kunden zu erwirtschaften.

Viele Lebensversicherer würden bei neuen Verträgen die Garantiezinsen senken, um ihre Finanzkraft zu bewahren, sagte Moody's-Analyst Benjamin Serra. "Die Wirksamkeit dieser Maßnahme schwindet jedoch, da die Gesellschaften in zunehmendem Maße durch die hohe Garantieverzinsung, mit der sie ihre Policen in der Vergangenheit verkauft haben, in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt sind." Moody's behält deshalb den negativen Ausblick für die Lebensversicherungsbranche bei.

2015 ist ein wichtiges Jahr für Lebensversicherungen

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr ein Maßnahmenpaket verabschiedet, mit dem sie unter Druck geratenen Anbietern entgegenkommt und zugleich den Kunden langfristig ein größeres Stück vom Kuchen sichert. 2015 werde deshalb ein entscheidendes Jahr für Lebensversicherungen, erklärte Analyst Serra. "Zwar wird sich die Reform unter Bonitätsaspekten letztlich positiv auf die Branche auswirken. Anfänglich werden Umsätze und Gewinne jedoch zurückgehen."

Zinstief kostet Kunden noch mehr Rendite

Die anhaltenden Niedrigzinsen kommen auch die Kunden der deutschen Lebensversicherungen - mit rund 88 Millionen Verträgen immer noch einer der Hauptpfeiler der privaten Altersvorsorge - immer teurer zu stehen. Im laufenden Jahr sinkt die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung von durchschnittlich 3,5 Prozent im Vorjahr auf nur noch 3,3 Prozent, wie aus einer Ende Januar veröffentlichten Studie der Ratingagentur Assekurata hervorgeht. Für die nächsten Jahre rechnet Assekurata-Chef Reiner Will mit einer Fortsetzung des Abwärtstrends.

Die Versicherer müssen derweil weitere Milliarden für Altverträge beiseitelegen. Denn viele Kunden haben noch Anspruch auf Zinsgarantien von bis zu vier Prozent. Für Verträge, die seit Anfang 2015 abgeschlossen werden, gilt hingegen ein erneut gesenkter Garantiezins von 1,25 Prozent.

Derzeit erwirtschaften die Versicherer mit dem Geld ihrer Kunden noch mehr als drei Prozent Rendite pro Jahr. Um auch die Zinsgarantien aus den Altverträgen abzudecken, mussten die Unternehmen laut Assekurata im vergangenen Jahr acht Milliarden Euro in die sogenannte Zinszusatzreserve einbuchen.

Private Rentenversicherung wirft nur noch gut drei Prozent ab

Seit dem Jahr 2011 ist der Posten damit auf gut 20 Milliarden Euro angeschwollen. Im laufenden Jahr dürften weitere neun Milliarden hinzukommen, sagte Assekurata-Analyst Lars Heermann. "Das wäre ein neuer Rekord."

Die Zinszusatzreserve geht zulasten der Kunden mit neueren Verträgen, die geringere Garantieansprüche haben. So werfen Neuverträge in der privaten Rentenversicherung laut Assekurata 2015 im Schnitt nur noch eine laufende Verzinsung von 3,2 Prozent ab. Gut drei Prozent erscheinen allerdings im Vergleich zu anderen Zinsanlagen aktuell gar nicht schlecht.

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