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Reklamation der Reise: So machen Sie Reisemängel geltend

Ärger im Urlaub  

Reisemängel richtig reklamieren

23.08.2015, 11:13 Uhr | finanztip.de

Reklamation der Reise: So machen Sie Reisemängel geltend . Ob ein verdreckter Strand als Mangel zählt, hängt davon ab, ob er öffentlich ist oder zum Hotel gehört. Auf jeden Fall sollten Mängel mit Fotos dokumentiert werden.  (Quelle: dpa)

Ob ein verdreckter Strand als Mangel zählt, hängt davon ab, ob er öffentlich ist oder zum Hotel gehört. Auf jeden Fall sollten Mängel mit Fotos dokumentiert werden. (Quelle: dpa)

Das Hotel entspricht nicht den Standards, der versprochene Meerblick fehlt, das Gepäck ist nicht aufzutreiben oder der Flug war verspätet: Wenn Ihre Reise nicht verläuft wie geplant, können Sie den Preis mindern. Doch eine einfache Beschwerde reicht nicht aus.

Reiseveranstalter weisen die Ansprüche der Kunden meist zurück. Und vor Gericht bekommen die Unternehmen bisweilen Recht, weil Urlauber eine Frist nicht eingehalten haben, Formfehler gemacht haben oder mit ihren Forderungen zu weit gegangen sind.

Damit Sie überhaupt Reisemängel geltend machen können, müssen Sie eine Pauschalreise gebucht haben. Damit ist ein Reiseangebot mit mindestens zwei Leistungen gemeint, also zum Beispiel Flug und Hotel oder Flug und Mietwagen. Falls Sie nur eine Ferienwohnung von einem Privatanbieter mieten, können Sie allenfalls die Miete mindern, sofern etwas nicht passt.

Melden Sie Mängel direkt vor Ort

Die richtige Reklamation ist Grundlage für Ihren Anspruch auf Erstattung. Sie müssen den Reisemangel unverzüglich dem Reiseleiter vor Ort melden und Abhilfe verlangen (§ 651c BGB). Der Veranstalter muss die Möglichkeit haben, die Mängel innerhalb einer angemessenen Frist zu beseitigen. Den Reiseleiter erreichen Sie am besten über die Hotelrezeption - er muss für Sie immer ansprechbar sein. Wenn Ihre Unzufriedenheit das Hotel betrifft, können Sie auch erst einmal dort um Abhilfe bitten. Vielleicht hilft es ja schon, das Zimmer zu wechseln.

Viele Veranstalter bieten Ihnen vor Ort ein Formular für Ihre Beschwerden an. Das sollten Sie unbedingt nutzen, damit Sie auch einen Nachweis für spätere Ansprüche in den Händen halten. Gibt es kein Formular vor Ort, erstellen Sie selbst eine Mängelanzeige. Hier finden Sie ein Musterschreiben. Lassen Sie sich von Ihrem Reiseleiter bestätigen, dass Sie sich beschwert haben.

Sammeln Sie Beweise

Als Reisender müssen Sie mögliche Mängel nachweisen. Listen Sie sie dazu auf und beschreiben Sie sie nachvollziehbar. Dabei können Zeugen oder Fotos mit Datum sehr wichtig sein. Bei unzumutbarem Lärm sollten Sie ein Lärmprotokoll erstellen. Lassen Sie sich vom Reiseleiter zudem bestätigen, dass er Ihre Beschwerde erhalten hat. Notfalls können Sie ihm vom Hotel aus ein Fax senden, worüber Sie sich ein Protokoll ausdrucken lassen. Wenn Sie eine E-Mail schreiben, setzen Sie Ihre eigene Adresse ins Cc-Feld, damit Sie eine Kopie der Nachricht haben.

Stellen Sie Ihre Ansprüche direkt nach dem Urlaub

Wurden die Mängel nach Ihrer Anzeige nicht behoben, müssen Sie nach der Rückkehr innerhalb eines Monats Ihre Ansprüche beim Reiseveranstalter geltend machen (§ 651g Abs. 1 BGB). Wir empfehlen Ihnen, das schriftlich zu tun. Eine E-Mail reicht aus. Auch dabei gilt: Die Mängel sind genau aufzulisten und zu beschreiben. Außerdem ist der Anspruch klar zu formulieren, etwa, indem Sie die Summe beziffern, die Sie von Ihrem Reiseveranstalter als Ersatz verlangen. Das gilt selbst dann, wenn der Reiseleiter die Beschwerde schon an den Veranstalter weitergeleitet hat. Wer sich nur beim Reiseleiter beschwert, hat keinen Anspruch auf eine Reisepreisminderung oder Schadensersatz wegen Reisemängeln. Sie können für Ihr Schreiben an den Reiseveranstalter hier einen Musterbrief herunterladen.

Entschädigungshöhe

Reiseveranstalter gewähren kleine Entschädigungen bei Urlaubsmängeln häufig aus Kulanz. Ein Gericht sollte daher nur im Ausnahmefall angerufen werden. Nutzen Sie die sogenannte Frankfurter Tabelle als Orientierungshilfe für die Höhe der Entschädigung oder die Minderung des Reisepreises, die Sie geltend machen wollen.

Auch die Kemptener Tabelle oder die Mängelliste des ADAC sind hilfreich.

Entschädigung

Eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit kommt nach überwiegender Rechtsprechung erst ab einer Minderungsquote von 50 Prozent in Betracht (OLG Frankfurt, Urteil vom 23. Oktober 2003, Az. 16 U 72/03; OLG Düsseldorf, Urteil vom 28. Mai 2002, Az. 20 U 30/02).

Schadensminderungspflicht

Der Urlauber hat die Pflicht, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Ein Beispiel: Der Reiseveranstalter bietet ein Hotel der gleichen Kategorie als Ersatzleistung an. Nimmt der Urlauber dieses Hotelangebot nicht an, kann ihm das als Verstoß gegen seine Schadensminderungspflicht entgegengehalten werden. Zu dieser Pflicht gehört auch, dass Sie bei unstreitigen Reisemängeln keinen Anwalt einschalten. Ansonsten könnten Sie auf den Anwaltskosten sitzen bleiben, wie das Amtsgericht München entschieden hat (Urteil vom 10. April 2014, Az. 261 C 2135/14). Schicken Sie daher besser zunächst selbst ein Schreiben mit Ihren Forderungen an den Veranstalter.

Verjährung

Sie haben zwei Jahre Zeit, Ihre Ansprüche gegen den Reiseveranstalter im Klageweg geltend zu machen, da sie danach verjähren (§ 651g Abs. 2 BGB). Die Frist beginnt spätestens mit dem Tag, an dem der Reiseveranstalter die geltend gemachten Mängel zurückweist. Ansonsten beginnt sie mit dem Ende der Reise. Achtung: Der Reiseveranstalter hat aber die Möglichkeit, die Verjährungsfrist auf ein Jahr zu verkürzen (§ 651m BGB). Dann müssen Sie sich schneller entscheiden, ob Sie klagen wollen oder nicht. Ob für Ihr Reiseunternehmen die kurze Verjährungsfrist gilt, können Sie in dessen Allgemeinen Geschäftsbedingungen nachschauen.

Weitere Informationen zum Thema Reisemängel richtig reklamieren finden Sie bei finanztip.de.

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