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Reiche zahlen auch viel Steuern

Steueraufkommen  

Reiche zahlen auch viel Steuern

16.05.2008, 13:16 Uhr | dpa / T-Online, t-online.de

Steuerzahler (Symbolbild - Foto: Archiv)Steuerzahler (Symbolbild - Foto: Archiv) Die "Reichen" in Deutschland zahlen in erheblichem Umfang Einkommensteuer und tragen auch den Löwenanteil bei der Umverteilung von "oben nach unten". Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Danach entfällt auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher mehr als die Hälfte (55 Prozent) des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (22,2) des Steueraufkommens gehe auf die ein Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahle die untere Hälfte der Steuerpflichtigen nur fünf Prozent des Aufkommens.

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Effektive Belastung bei 34 Prozent
Auch rechnen sich die Spitzenverdiener vor dem Fiskus weniger arm als angenommen, so die DIW-Studie. Im Verhältnis zum Bruttoeinkommen ergibt sich demnach, dass die effektiven Steuerbelastungen mit zunehmendem Einkommen tatsächlich steigen. Sie sind aber deutlich geringer als die Steuersätze. Bei Top-Verdienern betrage der effektive Einkommensteuersatz – also der Satz, den die Haushalte bezogen auf ihr Bruttoeinkommen wirklich zahlen – im Schnitt rund 34 Prozent.

 

"Hardcore-Steuerhinterzieher" nicht zu bremsen
Wie viele Einkünfte vor der Steuer versteckt werden, ist aus der DIW-Statistik für den Zeitraum 1999 bis 2002 nicht zu ermitteln. Nach Angaben des "Handelsblatt" gibt es nur eine Minderheit von "Hardcore- Steuerhinterziehern", die alles daran setzten, Kapitalerträge vor der Steuer zu verstecken. Nicht einmal ein Niedrigsteuersatz von zehn oder 15 Prozent würde daran etwas ändern, argumentierten Steuerberater. Eine Abgeltungsteuer, die direkt von der Bank einbehalten wird, sei das einzige Mittel für den Staat, zuzugreifen. Eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent wird Anfang 2009 eingeführt.

Ab 75.000 Euro in der Oberliga
Zu den obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher gehörten im Jahr 2002 laut DIW Menschen mit Jahreseinkünften von rund 75.000 Euro an – das Durchschnittseinkommen in dieser Gruppe liegt bei jährlich etwa 120.000 Euro. Das eine Prozent der Einkommenreichsten betrifft Steuerpflichtige mit einem Jahreseinkommen von 156.300 Euro an beziehungsweise eine Gruppe mit einem Durchschnittseinkommen von jährlich 328.000 Euro. Zu den 450 Top-Verdienern gehörten Deutsche mit einem Jahreseinkommen von rund 9,74 Millionen Euro. Im Schnitt sind es hier etwa 23,1 Millionen Euro. Zur unteren Hälfte gehörten Steuerpflichtige mit einem Einkommen von etwa 27.000 Euro jährlich.

Belastung deutlich unter Spitzensteuersatz
Im Jahr 2002 zahlten die 450 Deutschen mit dem höchsten Einkommen laut DIW im Schnitt 34 Prozent Einkommensteuer und damit deutlich weniger als den damaligen Spitzensteuersatz von 48,5 Prozent. Er sank inzwischen auf 42 Prozent. Spitzenverdiener müssen seit 2007 aber eine "Reichensteuer" von 45 Prozent zahlen. Die Lücke zwischen Brutto- und zu versteuerndem Einkommen entsteht durch Steuerbefreiungen, Freibeträge, Abzugsbeträge oder andere Steuervergünstigungen.

Progression bleibt erhalten
"Trotz dieser beträchtlichen Gestaltungs- und Steuervermeidungsmöglichkeiten und der (...) Senkung des Spitzensteuersatzes ist die Einkommensbesteuerung in ihrer Wirkung progressiv geblieben", erklärte DIW-Experte Stefan Bach. Die Besteuerung trage wesentlich zur Reduzierung der Einkommensungleichheit bei, wobei laut DIW die Spitzenverdiener den Löwenanteil dieser Umverteilung tragen.

Effektive Belastung für Reiche gesunken
Auch im Verhältnis zu den Bruttoeinkommen zahlten die "Reichen" deutlich mehr Steuern als die "Armen". Die untere Hälfte zahle durchschnittlich nur vier Prozent Einkommensteuer. Bei den obersten zehn Prozent seien es schon 22 Prozent, bei den obersten ein Prozent 32,4 Prozent und bei den reichsten 450 Steuerpflichtigen 34,3 Prozent. Allerdings sei die effektive Steuerbelastung der Spitzenverdiener in den Jahren 1992 bis 2002 um zehn Prozentpunkte gesunken. Für den Durchschnittsbürger sei sie unverändert geblieben.

Reiche immer reicher
Im vergangenen Jahrzehnt sind die Reichen immer reicher geworden, während das Bruttoeinkommen der anderen Bevölkerungsschichten nicht angestiegen ist. Der Trend hat sich seit 2001 noch verstärkt. Zu diesem Ergebnis kam das DIW in einer im vergangenen Jahr vorgelegten Studie. Demnach konnten die zehn Prozent der Bevölkerung mit den höchsten Einkommen ihren Anteil am Gesamteinkommen in den Jahren 1992 bis 2001 um gut sieben Prozent steigern. Das durchschnittliche reale Markteinkommen sei dagegen insgesamt konstant geblieben.


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