Bei der Anwendung des Arzneimittelrechts will sich Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) einem Pressebericht zufolge nicht mehr von Vertretern der Industrie beraten lassen. Das künftige Expertengremium für Arzneimittel solle "ohne Beteiligung der Wirtschaftskreise" auskommen, berichtet das "Handelsblatt" und beruft sich dabei auf ein ihm vorliegendes Papier zur nächsten Arzneimittelreform.
Pharmabranche fühlt sich düpiert
Koalitionskreisen zufolge sei über Bahrs Plan das letzte Wort noch nicht gesprochen. Vor allem in der Union gebe es Unbehagen, so das Blatt. Auch die Pharmabranche fühle sich von der FDP düpiert. "Hier soll eine über drei Jahrzehnte gut funktionierende sinnvolle Kooperation einfach aufgekündigt werden," zitierte die Zeitung Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH).
- Kassensturz: Etliche Krankenkassen mit zu niedrigen Finanzreserven
- Gesundheitsreform: Wo die Milliarden der Versicherten landen
- Ratgeber Krankenkasse: Richtig kündigen
- Traumhaus finden: Immobilien ganz nach Ihrem Wunsch
Industrie berät seit 1978
Vertreter verschiedener Verbände der Arzneimittelindustrie sitzen bereits seit 1978 in fünf Expertenkommissionen. An der Seite von Pharmakologen, Ärzten und Krankenkassenvertretern beraten sie den jeweiligen Minister - etwa wenn es um die Frage geht, ob ein Medikament nur in der Apotheke verkauft werden darf oder sogar nur gegen Rezept eines Arztes zu haben ist. Auch bei der Zulassung von Medikamenten besonderer Therapierichtungen wie pflanzliche Arzneimittel oder homöopathische Medikamente darf die Industrie beraten.
