Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Versicherungen >

Bundesversicherungsamt: Wie die Krankenkassen Geld verschleudern


Wie die Krankenkassen Geld verschleudern

14.08.2012, 13:51 Uhr | dpa, dpa-AFX, t-online.de

Bundesversicherungsamt: Wie die Krankenkassen Geld verschleudern. Mit den Beiträgen der Versicherten gehen die Kassen nicht zimperlich um (Quelle: dpa)

Die Krankenkassen sitzen auf einem Berg von Überschüssen (Quelle: dpa)

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) werfen das Geld ihrer Versicherten offensichtlich zum Fenster hinaus. So haben Prüfer im vergangenen Jahr mehrere Fälle von Verschwendung, ungeschickter Geldanlage oder Unterschlagung angemahnt. Teuer wurde beispielsweise der Einsatz von Detektiven für die unrentable Jagd auf Blaumacher.

Gegen vermeintlich Kranke ermittelt

Das Bundesversicherungsamt hat diese Missstände in seinem jüngsten Tätigkeitsbericht aufgedeckt. Demnach setzte eine Krankenkasse zum Beispiel Ermittler ein, um möglichen Missbrauch beim Krankengeld aufzuspüren. Die Kasse zahlte für die fünftägige Bespitzelung einer krankgeschriebenen Arbeitnehmerin insgesamt 10.720 Euro Honorar.

"Die Kasse versuchte mithin, einen 'Krankengeldschaden' von täglich 14,96 Euro zu vermeiden", heißt es im Bericht des Amts. Dies sei als grob unwirtschaftlich und grob fahrlässig einzustufen. Die den Ermittlern gezahlte Summe entspräche einer ununterbrochenen Krankengeldzahlung für rund 717 Tagen, Aufwand und Ziel stünden dabei in einem krassen Missverhältnis, kritisierte das Amt.

Gebäude für Hauptverwaltung steht zum Großteil leer

In einem weiteren Fall mietete eine Kasse mehr als 4150 Quadratmeter Bürofläche für ihre Hauptverwaltung an - für rund 96.000 Euro im Monat über zehn Jahre. Vor Ort wurde nach den Angaben festgestellt, dass der
überwiegende Teil des Gebäudes leer steht. Von den eingerichteten 117 Arbeitsplätzen wurden demnach nur etwa 40 genutzt.

Eine nachträglich angemietete, 633 Quadratmeter große Etage stehe im Rohbau leer. Außerdem waren demnach für eine Sonderausstattung einmalig knapp 50.400 Euro zu zahlen, die Einrichtung der neuen Büroräume ließ sich die Kasse etwa 47.500 Euro kosten.

Teure Betriebsfeste finanziert

Ein anderer Versicherer spendierte seinen Mitarbeitern laut dem Bericht regelmäßig kostspielige Betriebsfeste und Personalversammlungen, "teilweise mit Unterhaltungsprogramm". Das verstößt der Behörde zufolge ebenfalls "gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit". Das Bundesversicherungsamt prüft jetzt, ob die Vorstände der Kasse für die Kosten der Feste aufkommen müssen.

Hunderttausende Euro veruntreut

In einem Fall stieß eine Kasse infolge der Untersuchung darauf, dass eine Mitarbeiterin über acht Jahre hinweg 213 unrechtmäßige Überweisungen auf zehn Bankkonten mit einer Summe von 459.000 Euro verantwortete. Das Amt rät den Versicherungen zu mehr Vorsorge gegen Unterschlagung.

Angesichts der guten Finanzlage der Kassen rückte für die Prüfer auch verstärkt die Frage ins Zentrum, wie die Kassenmanager überschüssiges Geld anlegen. Kritik habe es an einigen Kassen gegeben, die dabei auf eine ausreichende Streuung und verschiedene Anlageformen verzichteten - und damit vermeidbare Risiken eingingen. Die Kassen nahmen vergangenes Jahr rund 184 Milliarden Euro ein und gaben etwa 180 Milliarden aus.

Fragwürdige Zuordnung von Krankheiten beanstandet

In einem besonderen Bereich drohte das Amt damit, Schritte hin zu strafrechtlichen Ermittlungen einzuleiten. Dabei ging es um die Zuordnung von einzelnen Versicherten zu einer bestimmten Krankheit aus einer Liste vorgegebener Diagnosen. Der Hintergrund: Wenn ein Patient eine von 80 bestimmten Krankheiten hat, erhält die Kasse per Gesetz Zuschläge aus dem Gesundheitsfonds. Der Finanzausgleich soll eine gerechtere Geldverteilung zwischen den Kassen ermöglichen.

Doch Probleme gibt es immer wieder. Eine Kasse ließ beispielsweise die Daten regelmäßig per Computer durchforsten - und forderte von Krankenhäusern Korrekturen bei bereits gemeldeten Diagnosen, so dass mehr Zuschläge ausgelöst werden. "Gegen derartige Rechtsverstöße wird weiterhin konsequent vorgegangen", kündigte das Bundesversicherungsamt an. Insgesamt führte der Prüfdienst Krankenversicherung des Amts im vergangenen Jahr 236 Prüfungen durch.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Rohstoffe und Währungen

Madeleinetchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deKlingel

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: