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Raubzug per Lastschrift: "Panorama"-Test entlarvt Sicherheitslücken

Zahlungsverkehr  

Raubzug per Lastschrift

29.08.2008, 17:51 Uhr | mash, dpa

Beratungsgespräch bei einer Bank (Foto: Imago)Beratungsgespräch bei einer Bank (Foto: Imago) Banken als versehentliche Gehilfen bei betrügerischen Abbuchungen per Lastschriftverfahren - dass das nicht bloße Panikmache ist, zeigte ein Praxistest des ARD-Magazins "Panorama". Die getesteten Institute überprüften teilweise weder Bonität noch fragten sie nach Einzugsermächtigungen. #

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Betrügen leicht gemacht

"So einfach geht das" stand im Betreff der Abbuchungen - und tatsächlich: Getarnt als "Verein für vergleichende Folkloristik e.V." zeigten die Reporter von "Panorama", wie leicht Betrüger per Lastschriftverfahren an Geld kommen. Bei der Hamburger Volksbank und der Hamburger Sparkasse wurden Konten für den Tarnverein eröffnet. Die Banken nahmen keine Bonitätsprüfung vor. Diese gilt als Voraussetzung für die Genehmigung des Lastschriftverfahrens.

Einzugsermächtigung - Überprüfung nicht nötig

Ganz unbürokratisch luden die Institute sogleich zum Lastschriftverfahren ein. Sobald die Kundendaten vorlägen, könnten die Abbuchungen vorgenommen werden, sagte der Berater der Kreissparkasse. Eine vorherige Überprüfung der für das Verfahren notwendigen Einzugsermächtigungen - Fehlanzeige.

Neue Mitglieder per Datenhändler

Die noch fehlenden Mitglieder des Vereins waren ebenfalls schnell gefunden. Das Magazin stellte relativ problemlos den Kontakt mit einem Datenhändler her und dieser lieferte rund 60.000 Datensätze: Namen, Adresse, Telefonnummern und Bankverbindungen.

Kritik an Nachlässigkeit der Banken

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar warnte bereits seit längerem vor der Sorglosigkeit der Banken beim Lastschriftverfahren. "Die Kreditwirtschaft muss gründlicher prüfen und nachhaken als bisher. Viel zu selten wird die Plausibilität einer Abbuchung überprüft", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Außerdem müssten Banken überprüfen, ob es sich bei der Zulassung zum Lastschriftverfahren um einen seriösen Geschäftspartner handele.

Banken haben sich abgesichert

Die Geldhäuser haben sich abgesichert: Wenn ein Unternehmen Geld vom Konto seiner Kunden einziehen will, muss es einen Vertrag mit der Bank schließen. In dem ist festgelegt, dass die Firma nur dann Geld abbuchen darf, wenn der Kunde der Firma eine Einzugsermächtigung erteilt hat. Ob die jedoch vorliegt oder nicht, muss die Bank nicht überprüfen, das ist mit dem Vertrag abgegolten.

7 Milliarden Transaktionen im Jahr 2006

Ob Lastschrift oder Überweisung: Allein die schiere Menge der jährlichen Transaktionen macht eine gründliche Überprüfung der Abbuchungen schwierig. 2006 verzeichneten die Institute mehr als sieben Milliarden Transaktionen. "Die Banken können nicht jede Buchung kontrollieren", sagt Tanja Beller, Sprecherin des Bankenverbands.

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Nur Kontrolle schützt vor Missbrauch

Wie so oft hilft gegen den Missbrauch nur eines - vorbeugen. Dazu gehört die stete Kontrolle der Kontoauszüge. Kommt es zu Abbuchungen, für die der Kontoinhaber keine Einzugsermächtigung erteilt hat, sollte er umgehend bei seiner Bank Widerspruch einlegen. "Dazu haben die Betreffenden mindestens sechs Wochen Zeit - bei unberechtigten Abbuchungen sogar länger", sagt eine Sprecherin des Sparkassenverbands. Im Regelfall schreiben die Institute den Betrag wieder gut. Bei Online-Konten können die Beträge auch selbst zurückgeholt werden.

Unbedingt Reklamationsfrist berücksichtigen

Lässt sich der Kunde allerdings zu viel Zeit mit einer Reklamation, können die Institute dem Verbraucher durchaus ein Mitverschulden vorwerfen. "Nahezu alle Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Banken fordern den Verbraucher dazu auf, seine Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen sehr zeitnah zu prüfen," sagte Peter Lassek. Die Konsequenz: Im schlimmsten Fall bleibt der Kunde auf dem Schaden sitzen.

Politikerrunde zum Thema Datenschutz einberufen

Angesichts von gehäuften Fällen des illegalen Handels mit persönlichen Daten hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) Vertreter von Bund und Ländern für den 4. September zu Gesprächen über Verbesserungen beim Datenschutz nach Berlin eingeladen.

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