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Geldanlage: Finanzkrise sorgt für Schub bei Honorarberatung

Finanzen  

Honorarberatung dank Finanzkrise im Aufwind

18.02.2010, 12:42 Uhr | AFP, AFP, t-online.de

Honorarberatung im Aufwind (Foto: Archiv) (Quelle: t-online.de)Honorarberater sind nicht billig, rechnen sich jedoch in vielen Fällen (Quelle: t-online.de) Das Vertrauen in Bankberater ist schwer angekratzt. In der Finanzkrise verloren allein durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers zehntausende deutsche Anleger viel Geld. Auf deutsche Geldhäuser fiel ein schlechtes Licht, weil sie teils offensiv Lehman-Wertpapiere verkauft hatten und dafür attraktive Provisionen erhielten. Der Fall machte Sparern besonders deutlich, dass Banken nicht immer objektiv beraten und Risiken teils unklar bleiben. Unabhängige Honorarberater, die ohne Provisionen arbeiten, spüren deswegen derzeit deutlichen Aufwind - und auch Banken erproben immer öfter die Honorarberatung. Doch noch scheuen viele Anleger die Kosten.

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Zahl der Berater wächst

Wie die Akzeptanz der Anlageberatung gegen Bezahlung erhöht werden kann, berät die Branche diese Woche in Frankfurt am Main, wenn sie zum diesjährigen Honorarberater-Kongress zusammenkommt. "Unabhängige Honorarberatung steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen", sagt Banken-Experte Marc Ahlers von der Wiesbadener Unternehmensberatung MC4MS. Dennoch gebe es bereits in vielen Städten und Regionen Experten und Finanzdienstleister, die gegen Gebühr Anlagestrategien entwickelten und dabei Finanzprodukte unabhängig vom Anbieter und nur aufgrund deren Eignung für Anleger auswählen.



Unterm Strich oft billiger

Honorarberatung belaste zwar auf den ersten Blick die Geldbörse, sagt Ahlers. Jedoch sei die Beratungsleistung der Hausbank auch nur oberflächlich betrachtet gratis. Denn Banken finanzierten Beratung durch den Verkauf von Anlageprodukten mittels Provisionen oder sogenannter Ausgabeaufschläge. Diese Kosten könnten die Beratungsgebühren je nach Produkt deutlich übersteigen, sagt Ahlers, der momentan mit der Universität Mainz in einer Anlegerumfrage die Erfolgsaussichten von Honorarberatung erforscht. Nach Angaben von "Finanztest" verlangen Honorarberater momentan Stundensätze zwischen 100 und 300 Euro. Das mag zunächst happig klingen, kann sich der Zeitschrift zufolge aber bezahlt machen.

Portfolio, das passt

Kaufe ein Sparer etwa Anteile eines Investmentfonds für 50.000 Euro bei einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent, fielen für den Anleger 2500 Euro Kosten an, rechnet "Finanztest" vor. Ein Honorarberater beziffert in dem Magazin die Zeit, die er für die Einrichtung eines Depots braucht, auf vier oder fünf Stunden bei Beratungskosten von knapp 1200 Euro. Die Fondsanteile kaufe er jedoch an der Börse oder über Direktbanken gegen geringe Gebühren. Danach habe der Kunde ein Portfolio, das wirklich zu ihm passe.



Banken starten Feldversuche

Die Bereitschaft zu unabhängiger Anlageberatung gegen Bezahlung ist dennoch gering. Laut einer repräsentativen Umfrage der DZ Bank sind derzeit nur 20 Prozent der Deutschen bereit dazu. Davon würden die meisten (knapp 40 Prozent) zu einem freien Honorarberater gehen und nur um die 20 Prozent zur Bank oder Sparkasse. Dennoch liebäugelt eine ganze Reihe von Geldhäusern mit dem Modell Honorarberatung. Einer Studie der Unternehmensberatung Steria Mummert zufolge plant jedes dritte Institut den Einstieg. Die Berliner Quirin Bank bietet ihren Kunden den Service schon seit einigen Jahren an - mittlerweile sogar auch Nicht-Kunden. Die Direktbanken Comdirect - eine Commerzbank-Tochter - und Cortal Consors erproben Honorarberatung derzeit mit einer begrenzten Kundenzahl.

Verbraucherzentralen als Alternative

Eine Alternative zu Banken und Honorarberatern sind Verbraucherzentralen. Diese berechnen für Finanzberatungsgespräche Stundensätze von meist bis zu 100 Euro. Branchenexperten empfehlen den Rat der Verbraucherschützer vor allem bei allgemeinen Fragen oder Standardprodukten wie Riestersparplänen. Bei spezielleren Themen hätten Banken oder Honorarberater häufig einen breiteren Überblick. Ob sich das Modell durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Banken-Experte Ahlers sieht die Honorarberatung jedenfalls im Vorteil. Durch die Finanzkrise sei für die Honorarberatung "ein Schub zu erwarten", sagt er.

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