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Wie Europas Banken ihre Kunden abkassieren

Girokonto-Vergleich  

Wie Europas Banken ihre Kunden abkassieren

21.09.2010, 20:28 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Wie Europas Banken ihre Kunden abkassieren. Banken kassieren beim Dispozins kräftig ab (Foto: imago)

Banken kassieren beim Dispozins kräftig ab (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Überhöhte Dispozinsen, teure Gebühren fürs Geldabheben, Abkassieren für einfachsten Service: Girokonten sind oft teurer, als sie auf den ersten Blick aussehen. Jetzt rüffelt EU-Binnenkommissar Barnier die Banken.

Wenn sich Deutschlands Verbraucherschützer mit den Banken beharken, geht es oft um recht sperrig klingende Angelegenheiten - die aber ziemlich teuer werden können. Beispiel gefällig? Nehmen wir das "Entgelt für die Unterrichtung über eine berechtigte Ablehnung im Einzugsermächtigungs- und Abbuchungsverfahren". Dahinter steckt Folgendes: Wenn etwa die Stromrechnung, für die es eine Einzugsermächtigung gibt, von einem überzogenen Konto nicht abgebucht werden kann, muss der Kontoinhaber informiert werden. Das allerdings kostet Geld. So manche Sparkasse stellt mit einem schlichten Schreiben eine satte Gebühr von fünf Euro oder mehr in Rechnung.

Teure Gebühren im Visier der Verbraucherzentralen

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hält das nicht nur für zu teuer, sondern auch für gesetzwidrig. Gegen eine Sparkasse geht die Organisation deswegen gerichtlich vor. Und diese Gebühr sei nur eines von vielen Beispielen für die Abzocke von Girokonto-Inhabern, sagt Fank-Christian Pauli, Bankenexperte der Verbraucherzentralen. "Es gibt jede Menge versteckte Gebühren, die man als Verbraucher nicht sieht", sagt er. Dabei scheint die Situation in Deutschland auf den ersten Blick traumhaft. Banken wie die Commerzbank bieten nicht nur kostenlose Girokonten an, sondern schenken Neukunden bei der Eröffnung sogar noch Geld. Im besten Fall sogar 50 Euro und mehr.

Doch je nachdem, welches Zahlungsverhalten ein Kontoinhaber an den Tag legt, muss sich ein solcher Günstig-Account nicht unbedingt lohnen, wie etwa der Kontenrechner auf der Website der Finanzberatung FMH zeigt. Denn woanders langen die Banken dann umso kräftiger zu. Für Telefon-Banking, Kreditkartennutzung oder Transaktionen am Bankschalter werden zuweilen saftige Gebühren fällig. Besonders teuer wird es, wenn ein Kunde oft im Dispo lebt oder hier und da an fremden Automaten Geld abhebt. "Da kommen dann schon richtige Kosten zusammen", sagt FMH-Chef Max Herbst.

Girokonten im Vergleich

Bank (Konto)

Bonus für Neukunden

monatliche Gebühren

Guthaben-zinsen

Dispo-zinsen

Gesamtsumme pro Monat

ING-DiBa

75,00

0,00

0,00

0,44

0,44

Wüstenrot (Top Giro)

33,00

0,00

0,11

0,58

0,48

Volkswagen Bank direkt

25,00

1,67

0,16

0,49

2,00

Sparda-Bank Hessen (Sparda Giro)

0,00

3,72

0,00

0,52

4,24

HypoVereinsbank (WillkommensKonto)

0,00

4,75

0,22

0,57

5,09

DAB Bank

0,00

4,83

0,03

0,34

5,14

comdirekt bank

50,00

4,90

0,00

0,48

5,38

Targobank (Best-Konto)

0,00

7,45

0,00

0,47

7,92

Postbank (Giro Plus)

0,00

7,82

0,00

0,64

8,46

Commerzbank (Kostenloses Konto)

50,00

8,47

0,00

0,64

9,12

Santander Consumer Bank

0,00

10,90

0,00

0,44

11,34

Deutsche Bank (AktivKonto)

0,00

12,98

0,00

0,62

13,60

Preise in Euro für einen Kunden mit monatlichem Geldeingang von 2000 Euro, der u.a. im Schnitt sieben Tage des Monats mit rund 250 Euro im Dispo ist, rund 1200 Euro im Jahr über seine Kreditkarte bezahlt und einmal im Monat Geld an einem fremden Automaten abhebt; Quelle: FMH Finanzberatung

Ärger wegen teurer Abhebegebühren

Viel Ärger gab es zuletzt etwa um die Gebühren fürs Geldabheben an fremden Bankautomaten. Der Kunde sieht die Kosten erst beim späteren Blick auf den Kontoauszug. Und dabei ist der Schreck zumeist programmiert. Denn für das Fremdgehen werden schnell Preise von sieben oder auch mal zehn Euro fällig. Die Kosten für die Banken liegen jedoch laut Bundeskartellamt nur im zweistelligen Centbereich.

Nachdem die Marktwächter wegen dieses krassen Missverhältnisses laut protestiert haben, sollen die Kunden künftig wenigstens gewarnt werden. Nach einer zähen Auseinandersetzung hat sich die Branche darauf geeinigt, dass der genaue Preis für das Fremdabheben ab Mitte Januar direkt vor der Transaktion angezeigt wird. Die Privatbanken wollen künftig außerdem nur noch höchstens 1,95 Euro für den Service verlangen.

16,99 Prozent Dispozins

Solche Zugeständnisse sind aber wohl weniger Zeichen der Einsicht als eine Reaktion auf stärker werdenden Druck. Denn an anderen Stellen wird weiter kräftig abkassiert. Laut Stiftung Warentest verlangt etwa ein Großteil der deutschen Banken echte Unsummen für die Inanspruchnahme des Dispokredits. Zinsen im zweistelligen Prozentbereich scheinen durchaus üblich. Bei bestimmten Kontomodellen der Targobank werden sogar 16,99 Prozent fällig, erklärte die Stiftung. Häufig sei es für die Kunden zudem schwierig, Informationen über die geltenden Sätze zu bekommen, moniert die Stiftung weiter. Auch auf die Anfrage der Tester hätten viele Banken nicht reagiert. Manche löschten den Angaben zufolge sogar zuvor im Internet frei zugängliche Informationen.

Ähnliche Erfahrungen hat die EU-Kommission gemacht. Sie versuchte vor etwa einem Jahr, sich einen Überblick über die Kostenstrukturen für Konten in den Ländern der Gemeinschaft zu verschaffen. Das ernüchternde Ergebnis: Zwei Drittel der angefragten Banken stellten zunächst nur vollkommen ungenügende Informationen zur Verfügung. In Brüssel bemüht man sich seit geraumer Zeit, den europäischen Binnenmarkt auch endlich beim Zahlungsverkehr Wirklichkeit werden zu lassen. Unter dem Stichwort SEPA (Single European Payments Area) wird etwa an allgemeingültigen Standards für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in den EU-Staaten und in der Schweiz, Island, Liechtenstein, Monaco und Norwegen gearbeitet. Doch die Umstellung auf die 22-stelligen Kontonummern und elfstelligen Bankleitzahlen verläuft holprig.

"Nicht zu unterschätzender Einfallsreichtum"

So bieten Banken etwa bereits seit Februar 2008 SEPA-Überweisungen an. Eigentlich sollten diese nicht teurer sein als Inlandstransaktionen. Trotzdem berichten Kunden immer wieder von horrenden Gebühren, wenn sie Geld auf Konten im Ausland schicken. Einer Zeitung etwa schrieb ein Leser, dass er 36,55 Euro für eine 470-Euro-Überweisung in die Schweiz zahlen musste. 25 Euro seien als "fremde Gebühren" aufgeführt worden. Eigentlich dürfte es solche Vorkommnisse in der schönen neuen SEPA-Welt gar nicht geben.

Die oft reichlich undurchsichtigen Geschäftspraktiken vieler Banken haben auch zu starken nationalen Unterschieden geführt, wie die Gebührenstudie der EU-Kommission zeigt. Demnach zahlt ein Bankkunde in Italien oder Spanien je nach Verhaltensweise dreimal so viel für sein Konto wie einer in Deutschland. Wirklich nachvollziehen lassen sich solche Differenzen nicht, finden Verbraucherschützer. Die Banken hat die EU-Studie allerdings nicht allzu sehr beeindruckt. "Seit damals hat die Industrie nichts getan", moniert Farid Alyev von der europäischen Verbraucherschutzorganisation BEUC. Binnenmarktkommissar Michel Barnier will die undurchschaubaren Kostenstrukturen nun nicht weiter hinnehmen. Er schrieb Anfang September einen geharnischten Brief an den europäischen Bankenverband EBIC. "Wir glauben, dass diese Situation sofortige Abhilfe verlangt", heißt es darin.

Der Bankenverband müsse Standards erarbeiten, nach denen Banken ihre Gebühren in ganz Europa offenlegen sollen, fordert Barnier, damit endlich echte Vergleiche möglich sind. Sollte die Branche dieser Aufforderung nicht in einer "angemessenen Zeit" nachkommen, sollen "alternative Möglichkeiten" geprüft werden, warnt der Kommissar. Im Notfall will er auch über neue Richtlinien nachdenken. Bei der BEUC glaubt man, dass neue Gesetze die einzige Möglichkeit sind, die Probleme in der Branche zu lösen. Selbstregulierungsversuche hätten schon in der Vergangenheit nicht viel gebracht, sagt Alyev. Er sei deshalb "skeptisch", dass Barniers jüngster Aufruf das Verhalten ändert. Deutsche Verbraucherschützer dürften das ähnlich sehen. Bankenexperte Pauli etwa bescheinigt den Geldinstituten zumindest einen "nicht zu unterschätzenden Einfallsreichtum ", wenn es darum geht, ihre Gebühren zu verschleiern.

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