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Historisches Zinstief enteignet die Sparer

Historisches Zinstief - Keine Entwarnung für Sparer

29.04.2013, 14:21 Uhr | Frank Lansky mit dapd und dpa

Historisches Zinstief enteignet die Sparer. Harte Zeiten für die deutschen Kleinsparer (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Harte Zeiten für die deutschen Kleinsparer (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Enteignung der deutschen Kleinsparer durch den Niedrigzins hat eine neue Stufe erreicht: Gerade sind die Renditen für Tagesgeld und Festgeld auf einen historischen Tiefstand gerutscht. Noch schlimmer: Die Sparer dürfen nach Ansicht von Experten nicht auf eine Entwarnung hoffen.

Sparen lohnt nicht mehr

Bei Sparkassen und Volksbanken lohne sich eine Anlage überhaupt nicht mehr, auch einige Geschäftsbanken böten zurzeit nur einen Tagesgeld-Zins von 0,4 Prozent an, sagte Sigrid Herbst, Mitinhaberin der FMH Finanzberatung in Frankfurt, im Gespräch mit t-online.de.

Bei Banken mit europäischer Einlagensicherung bringe Festgeld immerhin bis zu 1,75 Prozent – "und das ist immer noch besser als Nichtstun, oder das Geld zuhause liegen zu lassen."

Tiefstände bei Tagesgeld und Festgeld

"Derzeit gibt es leider wenige Alternativen für Sparer – wir haben bei Festgeld und Tagesgeld historische Tiefstände erreicht. Beim Tagesgeld werden unseren Berechnungen zufolge zurzeit 0,87 Prozent bezahlt, das ist ein Mittelwert aus den Angeboten von 35 Banken – das ist der tiefste von FMH ermittelte Wert seit Mai 1995 – damals wurden noch 3,45 Prozent gezahlt."

Laut Herbst sieht es beim Festgeld auf zwölf Monate auch nicht anders aus: Hier registrierte der Finanzdienstleister mit 0,79 Prozent den tiefsten Wert seit Januar 1994 – damals waren noch 4,61 Prozent gezahlt worden.

Minizins überall

Ähnliches berichtet die Online-Ausgabe der Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf das Finanzportal Biallo.de: Am Freitag hatte der Tagesgeld-Index im Durchschnitt nur noch einen Zins von 0,73 Prozent angezeigt. Das bedeutet: Eine Anlagesumme von 20.000 Euro bringt in zwölf Monaten nicht mal 150 Euro Zinsen.

Bei Festgeld bieten laut "Welt" derzeit die AutoBank und die DenizBank die besten Zinsen. Beide Institute unterliegen der österreichischen Einlagensicherung und bieten knapp unter zwei Prozent Rendite per annum.

Mit am besten verzinst sind laut "Welt" die Tagesgeldkonten der RaboDirect, der Renault Bank Direkt und der Ikano Bank. Die RaboDirect unterliegt der niederländischen Einlagensicherung, die Renault Bank Direkt der französischen. Die Ikano Bank ist der deutschen Einlagensicherung angeschlossen.

In der Höhe unterscheiden sich demnach die gesetzlichen Garantien nicht, in allen Fällen sind 100.000 Euro pro Sparer geschützt. Gehe jedoch ein Institut mit ausländischer Einlagensicherung in die Insolvenz, müssen sich die betroffenen Kunden an die Behörden zum Beispiel in den Niederlanden oder Frankreich wenden, um ihre Ansprüche geltend zu machen.

Kalte Enteignung der Sparer

Angesichts der fast doppelt so hohen Inflationsrate werden Sparer also kalt enteignet. Im Fachjargon heißt das, die Realrendite – also der gezahlte Zins minus der Inflationsrate – ist negativ. Im März hatte die Inflation in Deutschland bei 1,4 Prozent gelegen. Im April sieht die Sache kaum besser aus: Die Jahresteuerung ging auf 1,2 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Schätzungen berichtete.

Andere Alternativen mit einem gewissen Sicherheitsfaktor für Sparer sind rar: Die Umlaufrendite liegt zurzeit gerade bei 1,01 Prozent, das ist die durchschnittliche Rendite aller inländischen Anleihen erster Bonität, also vor allem Staatsanleihen.

Zu anderen spekulativen Investments wie Geschlossenen Fonds wollte sich Herbst auf Anfrage von t-online.de nicht äußern. Bei Fonds müssten die Anleger ansonsten immer schauen, dass die Ausgabe-Aufschläge nicht anfallen, da diese die Rendite schmälern – Herbst empfahl daher den Blick auf die Palette von Direkt-Anbieter und Online-Plattformen.

Pech für die Sparer: Der Trend zum Minizins dürfte sich noch verschärfen. Denn die Notenbank will die Anleger dazu zwingen, Geld zu investieren. Zudem sollen die Kreditkosten für die schwächelnden Schuldenstaaten Europas gesenkt werden.

Die EZB flutet den Markt mit frischem Geld

Gut möglich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins von 0,75 auf 0,5 Prozent senken wird – daran orientieren sich die Banken bei ihren eigenen Guthaben-Zinsen. Oder aber die Notenbank flutet mit anderen Instrumenten den Markt mit neuem Geld, was die Zinsen ebenfalls unter Druck setzt.

Torsten Gellert, Geschäftsführer des Devisen-Brokers Forex Capital Markets (FXCM), kommentierte, er erwarte, dass die EZB am Donnerstag trotz der vermeintlichen Wirkungslosigkeit einer weiteren Zinssenkung an dieser Schraube drehen werde.

Und weiter: "Begleitet wird dieser Schritt zudem von einer weiteren Lockerung der Sicherheitsstandards bei der Vergabe von Unternehmenskrediten, um die Chancen auf eine tatsächliche Geldschöpfung zu erhöhen. Mit diesen Schritten holen die Frankfurter Notenbanker nur den längst überfälligen nächsten Schritt im Wettlauf um die schwächste Währung nach, in dem ihnen ihre Kollegen gerade in New York und Tokio schon einige Schritte voraus sind."

In die gleiche Richtung gehen Vermutungen von Analysten, die sich im Gespräch mit dem Pressedienst der Deutschen Börse AG äußerten: "Eine weitere Zinssenkung bringt wenig", kommentierte etwa Claudia Windt von der Helaba. Der Instrumentenkasten "moderner" Notenbanken halte jedoch noch einiges an außergewöhnlichen Maßnahmen bereit.

Der Minizins bleibt uns erhalten

Auch für Michael Schubert von der Commerzbank verfügt die EZB noch über einige Optionen. "Das Grundproblem bleibt aber, dass die Notenbank mit ihren Maßnahmen nur Zeit schafft, die Ursachen der Probleme aber nicht beseitigen kann."

Die kalte Enteignung der Sparer ist durchaus gewollt: "Zinsen unter Inflationsniveau ermöglichen den Staaten eine reale Reduzierung ihrer Verschuldung", kommentierte Thomas Buckard, Vermögensverwalter bei Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen in Wuppertal, im Gespräch mit "Welt Online". Und weiter: "Anleger werden sich an den Minizins gewöhnen müssen."

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