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Leitzinsen auf Rekordtief - Sparzinsen auf Null?

Zinsen  

Leitzinsen auf Rekordtief gesenkt - Sparzinsen nun auf Null?

02.05.2013, 16:14 Uhr | AFP , dpa-AFX , t-online.de , mmr

Leitzinsen auf Rekordtief - Sparzinsen auf Null? . Leitzinsen auf historisches Tief gesenkt (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Leitzinsen auf historischem Tief (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen für den Euroraum auf ein neues Rekord-Tief gesenkt. Am Donnerstag wurde der entsprechende Zinssatz von 0,75 Prozent auf nun 0,5 Prozent gesenkt. Der Zins ist für Geschäftsbanken wichtig, die sich so bei der Notenbank refinanzieren können. Als Folge könnten jedoch Sparer betroffen sein: Die ohnehin auf Rekordtief liegenden Zinsen für Spargelder dürften demnächst auf nahezu Null sinken.

Zunächst positive Reaktion an den Börsen

Eine Mehrheit von Bankvolkswirten und Analysten hatte den Zinsschritt zwar erwartet. Allerdings gab es auch eine Reihe von Ökonomen, die konstante Zinsen prognostiziert hatten. Viele Experten, wie auch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, zweifeln an der Wirksamkeit einer Zinssenkung. Der DAX reagierte kurz nach der Eilmeldung nur mit kleinen Gewinnen, am Nachmittag erreichte er dann kurz die 8000er-Marke. Im weiteren Verlauf schmolzen die Gewinne wieder. Der Euro legte zeitweise auf gut 1,32 Dollar zu, rutschte später unter die 1,31er-Marke ab. Auch das Anleihen-Barometer Bund-Future bewegte sich: Erst wurde ein Tagestief markiert, danach kletterte der Kontrakt erstmals über 147 Punkte.

Die Aussicht auf sinkende Leitzinsen im Euroraum hatte die Renditen an den Anleihemärkten des Währungsraums zuletzt bereits kräftig sinken lassen. Der Bund-Future hatte gleichzeitig neue Höhen erreicht und die zehnjährige Staatsanleihen-Rendite war in Richtung Rekordtief gefallen.

Negativer Einlagensatz möglich

Ihren Einlagensatz, den sie den Geschäftsbanken für überschüssige Mittel zahlt, beließ die Notenbank bei null Prozent. Ein negativer Einlagensatz ist zwar grundsätzlich möglich, gilt im EZB-Rat aber als mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Der Spitzenrefinanzierungssatz wurde um 0,5 Punkte auf 1,0 Prozent reduziert.

EZB senkt Leitzins auf Rekordtief - zum Vergrößern klicken  (Quelle: dpa)EZB senkt Leitzins auf Rekordtief (Quelle: dpa) Die Europäische Zentralbank (EZB) ist künftig sogar dazu bereit, auch mit negativen Einlage-Zinsen zu arbeiten. Die Notenbank sei "unvoreingenommen", die Verzinsung von Liquidität, die Banken bei ihr parken, auch unter die derzeitige Marke von null Prozent zu senken, sagte EZB-Chef Mario Draghi im slowakischen Bratislava. Auch technisch sei die EZB darauf vorbereitet. Allerdings bekräftigte Draghi die Position der Notenbank, dass negative Einlagenzinsen auch unbeabsichtigte Nebenwirkungen entfachen könnten. Im Blick Die Sitzungen der EZB finden zwei Mal im Jahr außerhalb Frankfurts in einem Mitgliedsland der Eurozone statt.

Spareinlagen bald zu Nullzinsen?

Für Spargelder könnte der Zinsschritt eine weitere Abwärtsbewegung bedeuten. Das Zinsniveau bei Banken und Sparkassen habe sich "dem Niveau des EZB-Leitzinses angepasst", sagte Marcus Preu vom Finanzportal Biallo. Nach der neuen Zinssenkung werde nun "eine weitere Angleichung stattfinden". Die neue Zinssenkung sei "kein gutes Signal für Sparer", sagte Preu. Das durchschnittliche Zinsniveau beim Tagesgeld betrage derzeit 0,73 Prozent, einige Spitzenanbieter zahlten jedoch mehr.

Geld auf Sparbüchern ist Kapitalverzehr

Preu wollte nicht ausschließen, dass die Mager-Verzinsung von Sparbücher mit gesetzlicher Kündigungsfrist noch weiter sinkt. Im Gespräch mit t-online.de verwies er darauf, dass manche Banken und Sparkassen bereits jetzt nur noch 0,15 Prozent pro Jahr zahlen. Er bezweifelt allerdings, dass sich ein Anbieter trauen werde, die Sparzinsen auf Null zu senken.

Davon abgesehen sei es "nicht zu empfehlen, Geld auf einem Sparbuch" zu halten. Praktisch bedeuten die Mini-Zinsen der meisten Sparbücher sowie einiger Tagesgeld-Konten bereits jetzt Kapitalvernichtung.

Kalte Enteignung der Sparer

Angesichts der etwa doppelt so hohen Inflationsrate werden Sparer nämlich kalt enteignet. Die Realrendite – also der gezahlte Zins minus der Inflationsrate – ist negativ. Denn die Inflation in Deutschland lag im April bei 1,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Die Rate der Geldentwertung liegt also höher als die von Sparbüchern und Tagesgeldern.

Die kalte Enteignung der Sparer ist durchaus gewollt: "Zinsen unter Inflationsniveau ermöglichen den Staaten eine reale Reduzierung ihrer Verschuldung", kommentierte Thomas Buckard, Vermögensverwalter bei Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen, im Gespräch mit "Welt Online". Und weiter: "Anleger werden sich an den Minizins gewöhnen müssen."

Kredite günstig wie nie

Freuen können sich hingegen Kreditnehmer. Bei Ratenkrediten mit drei Jahren Laufzeit liege das Durchschnittsniveau derzeit unter sechs Prozent, sagte Zinsexperte Preu. Vor fünf Jahren sei der Durchschnittswert noch über neun Prozent gewesen. Und Baugeld sei derzeit "so billig wie nie", so Preu. Allerdings: Mit einem weiteren Absinken der Hypothekenzinsen sei nicht zu rechnen. Leitzinsänderungen haben auf langfristige Immobilienkredite in der Regel keinen unmittelbaren Einfluss.

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