Sie sind hier: Home > Finanzen > Geld > Geldanlage >

Zinsen nahe Null - Experten geben Rat

Anlagenotstand im Niedrigzins – Experten geben Rat

08.05.2013, 15:25 Uhr | Frank Lansky - t-online.de mit dpa-AFX

Zinsen nahe Null - Experten geben Rat. Aktien, Immobilien, Gold - das sind die möglichen Anlage-Alternativen zu Festgeld oder Tagesgeld (Quelle: dpa,thinkstock - Montage: t-online.de)

Aktien, Immobilien, Gold - das sind die möglichen Anlage-Alternativen zu Festgeld oder Tagesgeld (Quelle: dpa,thinkstock - Montage: t-online.de)

Ungebremster Abwärtstrend bei den Zinsen: Zurzeit bietet die Gallinat-Bank 0,2 Prozent bei Tagesgeld. Und die Postbank offeriert in ihren Filialen seit geraumer Zeit einen Zins von 0,1 Prozent für Festgeld auf zwölf und 24 Monate, wie die FMH-Finanzberatung mitteilte. Die Anleger in Deutschland fragen sich, wie sie angesichts dieser Größen für die Rente sparen sollen und wo sie überhaupt noch eine Rendite erzielen. t-online.de hat Experten um Rat gefragt und die Chancen für Investments wie Aktien, Immobilien, Gold und Anleihen eruiert.

Die Zinsen werden wohl weiter sinken

Zunächst die schlechte Nachricht für alle Sparer: Die Zinsen befinden sich zwar schon auf einem Allzeittief – doch sie werden wohl auf breiter Front noch weiter sinken. "Tagesgeld hat traditionell unter dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) notiert, Festgeld lag in etwa auf dessen Höhe. Daher wäre es nicht ungewöhnlich, wenn die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld unter 0,5 Prozent fallen würden", sagte Max Herbst, Chef der FMH Finanzberatung im Gespräch mit t-online.de. Bei einer Inflationsrate von 1,2 Prozent werden die Anleger also kalt enteignet – sie müssen handeln.

Zum Zinsmarkt gebe es jedoch nur riskante Alternativen – bei Aktien oder Fonds könnten die Anleger eben auch verlieren. Herbst rät den Anlegern, sich im Zinsmarkt umzuschauen und zu wechseln. So bietet derzeit laut FMH die Ikano Bank einen überdurchschnittlichen Zins von 1,66 Prozent beim Tagesgeld und NIBC Direct auf ein Jahr 1,8 Prozent für das Festgeld.

Experten raten trotz Hausse zu Aktien

Derweil setzen andere Experten weiter auf Aktien - und das ungeachtet der Rekordjagd an der Börse. "Der DAX ist keineswegs irrational hoch bewertet – wir sehen in diesem Jahr ein Kursziel von 8400 bis 9000 Punkten," sagt Christoph Ohme, Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft DWS, im Gespräch mit t-online.de.

Aktuell liege das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Sicht von zwölf Monaten im DAX bei zwölf. Zum Vergleich: Vor dem Gipfel des DAX im Jahr 2000 hatte das KGV 26,3 Prozent betragen, vor 2007 waren es 12,8 gewesen. Allerdings hätten 2007 Anleihen als Gegenspieler viel höher rentiert, auch sei die Verschuldung der Firmen höher gewesen.

Anleihen überzeugen zurzeit nicht

Die Alternativen zu Aktien sind laut Ohme deutlich weniger attraktiv als in der Vergangenheit. So liege die Anleihen-Rendite in Deutschland für zehnjährige Staatsanleihen bei rund 1,3 Prozent, bei vielen Unternehmensanleihen von Blue Chips sei sie auf unter vier Prozent im Zeitraum von zehn Jahren zurückgekommen.

Auch der als "Crash-Prophet" bekanntgewordene Ökonom Max Otte beurteilt Anleihen derzeit als weitestgehend unattraktiv - Liquidität sollte lieber auf dem Festgeldkonto geparkt werden. Der Professor aus Worms empfiehlt den Anlegern generell Sachwerte, wozu auch Aktien gehören. Auch Otte hält den DAX noch nicht für zu teuer, viele europäische Aktien seien zudem extrem billig.

Und weiter: "Es ist klar, dass bei der planmäßig durchgeführten schleichenden Enteignung der deutschen Sparerinnen und Sparer Sachwerte dem Geldvermögen vorzuziehen sind. Spareinlagen, Anleihen und Lebensversicherungen schmelzen," urteilt er auf Anfrage von t-online.de.

Selbst Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon riet den Sparern in Deutschland angesichts der schrumpfenden Zinsen jüngst zu mehr Geldanlagen in Aktien: "Es hat schon seine Richtigkeit, wenn die Anleger in Deutschland auch an den deutschen Aktiengesellschaften Anteile haben", sagte Fahrenschon im Club der Wirtschaftspresse München.

Geteilte Meinung zu Immobilien

Fahrenschon empfahl auch Betongold: Mit einer Wohneigentumsquote von 44 Prozent hinke Deutschland im europäischen Vergleich weit hinterher. Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass der Immobilienboom die ganze Bevölkerung erfasst habe.

Und weiter: "Die breite Mittelschicht tut sich nach wie vor schwer damit." Er sprach sich für die Wiedereinführung der Eigenheimzulage aus, um auch Haushalten mit geringeren Einkommen den Immobilienkauf zu ermöglichen und damit die Altersvorsorge zu verbessern.

Beim Thema Immobilien als Wertanlage gibt sich FMH-Chef Herbst skeptisch: "Investoren müssen zunächst rund zehn Prozent Kaufnebenkosten zahlen, die erst erwirtschaftet werden müssen." Wegen möglicher Mietausfälle sei Betongold nichts für Kleinanleger, zudem seien die besten Immobilien-Objekte schon weg.

Otte zeigte sich ebenfalls vorsichtig: Der Markt in Deutschland teile sich zunehmend, weil die Mittelschicht schrumpfe. "Daher werden mittlere und schlechtere Lagen nicht die Renditen und den Werterhalt bringen, die sich die Käufer vielleicht erwarten. Anders sieht es bei begehrten Regionen und Immobilien für gehobene Ansprüche aus. Die Zahl der Vermögenden in Deutschland steigt. Dieses Immobiliensegment hat gute Perspektiven."

Auch Gold bleibt interessant

Otte macht sich außerdem zu Edelmetall stark: "Gold ist die Basisversicherung gegen Krisen. Der Goldpreis hat bis in die Nähe der Erschließungskosten für neue Vorkommen korrigiert. Dies ist ein idealer Zeitpunkt, um Gold aufzustocken."

Ins gleiche Horn stieß jüngst die Commerzbank, ihre Analysten verwiesen auf die Geldpolitik: Nach dem Zinsschritt der EZB auf das Rekordtief von 0,5 Prozent habe gerade die australische Zentralbank den Leitzins auf ein Rekordtief von 2,75 Prozent gesenkt.

Dieser Schritt habe zwar keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Goldpreis gehabt, er habe aber gezeigt, dass die Geldpolitik von immer mehr Zentralbanken sehr locker ausgerichtet wird oder bleibe. Gold solle daher als Alternativwährung vor dem Hintergrund eines möglichen Abwertungswettlaufs der Währungen nachgefragt bleiben.

Fazit: Experten halten trotz der Hausse Aktien zurzeit für alternativlos. Sie glauben an Gold, sehen wenige Chancen bei Anleihen und sind vorsichtig bei Immobilien. Fest steht: Wer sein Geld vermehren will, muss sich von sicheren Anlagen wie Tagesgeld oder Festgeld verabschieden, Risiken eingehen und investieren. Neben der Stütze der kriselnden Südländer ist genau dies das Ziel der EZB und ihrer Niedrigzins-Strategie.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
AnzeigeREIFENKONFIGURATOR

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal