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Dispozinsen: So gierig sind die Banken

Dispozinsen: So gierig sind die Banken

12.07.2013, 10:32 Uhr | t-online.de - sia, mit dpa und dpa-tmn

Dispozinsen: So gierig sind die Banken. Kontoüberzieher müssen oft einen überhöhten Zinssatz zahlen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kontoüberzieher müssen oft einen überhöhten Zinssatz zahlen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für die Eurozone im Mai auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gedrückt - viele Banken in Deutschland fordern aber weiter hohe Dispozinsen von ihren Kunden. Eine Umfrage der "Zeit" hat jetzt ergeben, dass einige Geldhäuser bei Kontoüberziehungen drei Mal so viel verlangen wie Banken mit einem fairen Angebot. Demnach kassieren vor allem kleine Institute am meisten ab.

Dispozinsen über neun Prozent sind sittenwidrig

Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Sittenwidrigkeit von Darlehen sei auch auf Dispokredite übertragbar, schreiben die Experten des Portals "anwalt.de". Ein Kredit ist demnach sittenwidrig, wenn der Zinssatz 100 Prozent über dem von der Bundesbank veröffentlichten durchschnittlichen Zinssatz für Verbraucherkredite liegt. Der betrage derzeit 4,5 Prozent jährlich, so dass der Dispozins nicht über neun Prozent klettern dürfte.

Bankkunden in einer kurzzeitigen Finanzklemme machen oft eine andere Erfahrung. Laut "Zeit"-Umfrage liegt der Strafzins bei mehr als 300 überprüften Instituten durchschnittlich bei zwölf Prozent. Überdurchschnittlich hoch sei der Satz vor allem bei Volksbanken. In Sachsen-Anhalt beispielsweise betrage der Mittelwert schon 13,6 Prozent.

Sparkasse verlangt Spitzen-Zinssatz

Als einen der Spitzenreiter der Dispozinsen-Abkassierer hat die "Zeit" etwa die Sparkasse Attendorn ausgemacht - mit einem Zinssatz von 18,45 Prozent. Doch auch die "Großen" haben wenig Nachsicht mit Kunden, die in die Miesen geraten sind. Bei der Targobank etwa würden lediglich bei einem Minus von bis zu 100 Euro keine Zinsen fällig.

Darüber hinaus berechne die Bank für ihr "Komfort-Konto" aber 13,99 Prozent sowie eine zusätzliche Monatgebühr von 4,95 Euro. Nicht viel großzügiger würden Kontoüberziehungen bei der Deutschen Bank (12,25 Prozent plus Strafgebühr von 6,90 Euro) oder der Postbank (12,3 Prozent) abgerechnet, heißt es in dem Bericht.

Institute mit den niedrigsten Angeboten

Es geht aber auch anders. Der "Zeit"-Befragung zufolge erheben zehn Prozent der Banken einen Zinssatz von weniger als zehn Prozent. Die Evangelische Darlehensgenossenschaft etwa verlange nur 5,51 Prozent, bei der PSD Bank Berlin Brandenburg würden 6,99 Prozent fällig. Zu den Instituten mit den niedrigsten Dispozinsen gehört demnach auch die INGDiba (8,50 Prozent).

Die Umfrage bestätigt das Ergebnis eines Dispozinsvergleichs, beim dem "Finanztest" bereits Ende 2012 die Angebote von mehr als 1500 Banken und Sparkassen unter die Lupe nahm. Das Ergebnis war kein Grund zur Freude für die Kunden: Obwohl die Institute sich selbst für 0,75 Prozent Geld leihen konnten, verlangten sie im Durchschnitt 11,76 Prozent von ihrem Kunden.

Kreditkunden sollten verhandeln

Die 350 Kreditinstitute mit den höchsten Dispozinsen - 12,5 Prozent und mehr - wurden einige Wochen später nochmals überprüft. Von großen Veränderungen keine Spur: Die dabei festgestellten Senkungen lagen demnach meist unter einem Prozentpunkt.

Die gute Nachricht: Es kann sich für Verbraucher lohnen, mit der Bank über die Konditionen zu verhandeln. "Die meisten Verbraucher denken, dass solche Zinssätze bei den Banken festgeschrieben sind", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Doch das ist ein Irrtum: "Die meisten Zinsen sind verhandelbar." Besonders Filialbanken haben an dieser Stelle häufig viel Spielraum.

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