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Kredite aus dem Netz können sich lohnen

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Online-Hilfe bei Finanznot  

Kredite aus dem Netz können sich lohnen

04.10.2013, 19:32 Uhr | dpa-tmn, t-online.de

Kredite aus dem Netz können sich lohnen. Im Internet vermitteln spezielle Plattformen Bürgern in Finanznot willige Geldgeber (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Im Internet vermitteln spezielle Plattformen Bürgern in Finanznot willige Geldgeber (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es klingt so einfach: Mit ein paar Klicks sichern sich Verbraucher online das gewünschte Darlehen. Auf den entsprechenden Plattformen im Internet finden Kreditnehmer und Geldgeber zusammen. Laut Experten kann sich der private Geldverleih als Alternative zur Bank sogar lohnen.

Finanzhilfe aus dem Netz

Exakt 4050 Euro braucht "Lizzy88", um ihren Dispokredit auszugleichen und offene Rechnungen zu bezahlen. Dazu erhofft sich die Studentin Hilfe im Netz von anderen Privatleuten, die ihr Geld leihen wollen - gegen einen Zinssatz von 10,55 Prozent. "Crowdlending" oder "P2P-Lending" nennt sich diese Form der privaten Darlehens-Vermittlung mittels spezieller Plattformen wie Auxmoney und Smava, die es seit rund sechs Jahren in Deutschland gibt.

"Das ist immer noch eine Randerscheinung", sagt Dorothea Schäfer, Forschungsdirektorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin über die schwarmfinanzierten Kredite. "Aber sie gewinnen deutlich an Gewicht." Vor drei Jahren lag das Gesamtvolumen der durch Smava und Auxmoney vermittelten Privat-Kredite laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bei knapp 33 Millionen Euro. Aktuell sind es bereits knapp 61 Millionen Euro allein bei Auxmoney.

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Plattformen sind "einen Versuch wert"

Die Stiftung Warentest kam jüngst zu dem Schluss, dass Smava und Auxmoney "einen Versuch wert" seien. Für Menschen, deren Bonität nicht die beste ist, könne der Kredit sogar günstiger sein als bei der Bank. Risikofreudige Geldgeber hingegen könnten gute Renditen erzielen, lautete das Urteil in der Zeitschrift "Finanztest".

Das Prinzip der Plattformen ist einfach: Kreditsuchende stellen ihr Projekt gebührenfrei vor und legen fest, welche Summe sie benötigen, welche Laufzeit und welchen Zinssatz sie möchten. Anleger bestimmen dagegen frei das Projekt und die Summe, mit der sie es unterstützen wollen.

Provision und Ratenzahlungen werden fällig

Finden sich genügend Geldgeber, kommt Vertrag über den Kredit zustande. Dafür verlangen die Vermittler dann eine Provision. Die jeweilige Partnerbank des Portals zahlt das Darlehen aus und wickelt die monatlichen Ratenzahlungen ab. Geldgeber und Geldnehmer lernen sich dabei nicht kennen.

Im Unterschied zu Auxmoney aus Düsseldorf bietet Smava seit 2011 neben "Smava-Privat" auch einen Kreditvergleich von Banken an. Deren Angebote werden automatisch mit angezeigt. "Der Kunde erhält einen individuellen Marktüberblick aus bereits vorgeprüften Kreditangeboten. Danach kann er sich für die Bank seiner Wahl entscheiden oder auch gezielt für den Privatanleger-Kredit", sagt Alexander Artopé, Geschäftsführer von Smava in Berlin.

Kreditnehmer zahlt diverse Gebühren

Bei Auxmoney können Kreditnehmer maximal 20.000 Euro erhalten. Sie müssen 2,95 Prozent des Kreditbetrages an Vermittlungsgebühr zahlen, die mit den Monatsraten verrechnet wird. Zusätzlich verlangt die Partnerbank SKW monatlich 2,50 Euro Servicegebühr sowie jährlich 17,50 Euro für Kontoauszüge. Geldgeber zahlen für die Bearbeitung ein Prozent der Anlagesumme, mindestens aber einen Euro.

Bei "Smava-Privat" liegt die Obergrenze bei 50.000 Euro. Die Vermittlungsgebühr beträgt je nach Laufzeit zwischen 2,5 und drei Prozent der Kreditsumme. Investoren brauchen ein Konto beim Partner-Institut der Fidor Bank. Sie zahlen einmalig 1,35 Prozent der Anlagesumme und zusätzlich 0,50 Euro monatlich als Bearbeitungsgebühr.

Absicherung gegen geplatzte Kredite

Abgezogen wird außerdem der sogenannte Poolausgleich. Wie hoch dieser ist, kann Smava-Chef Artopé nicht sagen: "Ein Ausgleich für eine Pool-Absicherung findet immer nur dann statt, wenn Rückzahlungen von Kreditkunden nicht wie geplant eintreffen. Diese sind von Monat zu Monat unterschiedlich." Fällt in einem Pool von 100 Anlegern der Kredit eines Anlegers aus, gleichen die 99 anderen den Verlust anteilig aus.

Nach Abzug aller Kosten spricht Auxmoney von einer aktuellen Rendite zwischen fünf und sieben Prozent, Smava von 4,5 Prozent Durchschnittsrendite. Bei den Düsseldorfern platzen drei von 100 Krediten, bei den Berlinern wird man weniger konkret: Die Ausfallquote liege im einstelligen Bereich, teilt man mit.

Notgroschen "keinesfalls" verleihen

"Der Anleger geht das Risiko ein, dass er sein Geld nur teilweise oder gar nicht zurückbekommt", warnt Stiftung Warentest. Seine Notgroschen sollte man daher "keinesfalls" bei den Plattformen anlegen. Um die Ausfallquote so niedrig wie möglich und das Risiko für die Investoren transparent zu halten, prüfen die Plattformen Kreditnehmer und zeigen deren Bonität, die durch Schufa-Einträge, kontrollierte Identitäten und zusätzliche Zertifikate bestimmt wird.

"60 Prozent der Kreditanfragen schaffen es gar nicht auf unseren Marktplatz", sagt Auxmoney-Geschäftsführer Raffael Johnen. Ausschlusskriterien seien beispielsweise eine zu niedrige Bonität, deren Bewertung auf verschiedene Faktoren fußt, eine Insolvenz, ein Haftbefehl sowie keine deutsche Bankverbindung. Zudem müssen Kreditnehmer über 18 Jahre als sein.

Kontrolle erwünscht

"Wir würden es begrüßen, wenn diese hohen Standards in eine auf den P2P-Markt abgestimmte Regulierung fließen würden", meint Johnen. Sollte das Volumen weiter anwachsen, sei eine Kontrolle der Plattformen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dringend nötig, sagt Dorothea Schäfer vom DIW.

"Online-Kreditplattformen sind eine Art Bypass für die Kreditvergabe", sagt Falko Fecht, Professor für Finanzökonomie an der Frankfurt School of Finance & Management. "Banken schwimmen derzeit in Liquidität. Sie sind jedoch gleichzeitig personell spürbar ausgedünnt und insgesamt sehr restriktiv bei der Vergabe von Krediten." Das mache es nicht unbedingt leichter, als Verbraucher, Freiberufler oder Selbstständiger über den herkömmlichen Weg an geliehenes Geld zu kommen.

Kreditsuchende seien bei Banken einem einzelnen Menschen quasi ausgeliefert, der wiederum bestimmten Regeln und Zielen unterworfen sei, sagt Finanzmarkt-Expertin Schäfer. Das könne problematisch werden, vor allem wenn zu fehlender Sympathie noch eine schwächere Bonität komme. Das sei im Netz anders. "Die Weisheit des Schwarms ist manchmal höher als die eines einzelnen Sachbearbeiters."

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