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Zur Halbzeit des Börsenjahres: Lehren aus der Fußball-WM für das Depot

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Gastkolumne  

Lehren aus der Fußball-WM für eine optimierte Depotaufstellung

25.06.2014, 16:02 Uhr | Von Thomas Wüst für t-online.de

Zur Halbzeit des Börsenjahres: Lehren aus der Fußball-WM für das Depot. Der Fußball lehrt: Wan sollte man seiner Strategie treu bleiben und wann muss man einen Wechsel vornehmen (Quelle: dpa)

Der Fußball lehrt: Wan sollte man seiner Strategie treu bleiben und wann muss man einen Wechsel vornehmen (Quelle: dpa)

Zur Halbzeit des Börsenjahres 2014 ein paar Gedanken zu Fußball und Börse, die vordergründig wenig miteinander zu tun haben. Doch treffen an den Weltbörsen wie auch bei der Fußball-WM Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten, Emotionen und Strategien aufeinander. Das Zusammenspiel verschiedener Marktakteure wird durch psychologische Verhaltensmuster geprägt, die mittlerweile in der Verhaltensökonomie wissenschaftlich untersucht werden.

In Bezug auf die Finanzmärkte hat sich daraus mit der Behavioral Finance Theorie eine wissenschaftliche Disziplin etabliert. Deren Erkenntnisse können durchaus einen wichtigen Beitrag für ein erfolgreiches Portfolio-Management liefern. Zumal die Börsen und die Fußball-WM auf jeden Fall das Zeug dazu haben, Massen zu bewegen. 

Während der Fußball-WM werden Fußballweisheiten rege ausgetauscht. Nachdem der DAX kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft einen neuen Höchststand erzielt hat, hat das mediale Interesse in Deutschland an Aktien zugenommen und auch so manche Börsenweisheit macht die Runde. Interessanterweise finden sich hier immer wieder Parallelen:

Fußballweisheit: „Never change a winning team!“ (Sir Alfred Ernest Ramsey)
Börsenweisheit: „Let the profit run!“ (Unbekannter Verfasser)

Joachim Löw erinnert sich sicherlich nur ungern an das Halbfinal-Aus bei der EM 2012 gegen Italien, in dem er das bis dahin siegreiche DFB-Team auf mehreren Positionen umstellte. Dabei machte er den Fehler, seine Gewinnstrategie vielmehr auf den Gegner auszurichten, anstatt auf die Stärken seiner Mannschaft zu vertrauen. Aus der Behavioral Finance Theorie ist bekannt, dass Anleger bei ihrer persönlichen Depotaufstellung viel lieber Gewinne realisieren als Verluste, sich also auch von marktgetriebenen Ereignissen leiten lassen. Verhaltensökonomen sprechen hier von einer Verlustaversion.

Daraus resultiert die Gefahr, dass Anleger eine bislang erfolgreiche Depotaufstellung marktgetrieben verändern und sich dadurch in eine unvorteilhafte Position bringen. Genauso wie ein Fußballtrainer sollte ein Anleger eine erfolgreiche Strategie, die zu seiner individuellen Situation passt, nie aufgrund von Marktveränderungen grundsätzlich über den Haufen werfen.

Taktische Maßnahmen wie die Reduzierung oder Aufstockung einzelner Depotpositionen im Rahmen eines Rebalancing-Konzepts sind genauso wie die Auswechslung eines entkräfteten oder formschwachen Spielers während eines Fußballspiels natürlich sinnvoll. Dabei werden in einem Rebalancing-Konzept regelmäßig nur die Kursgewinne realisiert, die zu einer erhöhten Gewichtung einer Vermögensposition in einem Wertpapierportfolio geführt haben. Bei einer systematischen Umsetzung dieser Vorgehensweise stellt der Anleger zudem sicher, dass er sich antizyklisch verhält - wie ein Trainer, der im Falle einer Führung einen defensiveren Spieler für einen Stürmer einwechselt. Solche taktischen Sicherungen können Anleger in ihrem Portfolio auch umsetzen, ohne von ihrer ursprünglichen Strategie grundsätzlich abzuweichen.

Fußballweisheit: „Der nächste Gegner ist immer der schwerste.“ (Sepp Herberger)
Börsenweisheit: „Der Oktober ist ein besonders gefährlicher Monat für die Börse. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai,…“ (Mark Twain)

Viele Teilnehmer an WM-Tippspielen haben die Erfahrung gemacht, dass es auch bei der Fußball-WM so manche Überraschungen gibt. Wer hat vor der WM schon mit dem frühen Ausscheiden von Spanien oder Italien gerechnet? Fußballlehrer Sepp Herberger wusste, dass es in einem Fußballspiel immer zu unvorhersehbaren Ereignissen kommen kann: eine Verletzung, ein abgefälschter Schuss, der ins Tor geht, oder eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung. All diese Faktoren können dazu führen, dass auch Favoriten bei einer Fußball-WM scheitern.

Ähnlich verhält es sich mit den Prognosen an den Finanzmärkten. Unvorhersehbare Ereignisse können immer wieder zu einer Neubewertung führen, die eine ursprüngliche Prognose ad absurdum führen. Wer hat schon Anfang 2011 damit gerechnet, dass Deutschland nach dem verheerenden Tsunami in Japan den Ausstieg aus der Kernenergie beschließt?

Für einen Trainer ist es daher genauso wie für einen Anleger notwendig, sich bereits präventiv mit verschiedenen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Folglich ist es für einen Fußball-Coach wie auch für einen Investor sehr wichtig, sich bei der Ausrichtung der Strategie nicht auf Prognosen zu verlassen, sondern stets in Szenarien zu denken. Über eine Szenarioanalyse sollte ein Anleger regelmäßig überprüfen, welche Auswirkungen ein Ereignis wie ein Crash am Aktienmarkt oder ein Zinsanstieg am Rentenmarkt auf sein Portfolio haben würde. Um sich möglichst gut auf derartige Ereignisse vozubereiten, kann er daraus einen Maßnahmenplan erarbeiten, in dem er für sich bereits im Vorfeld definiert, wie er mit solchen Szenarien umgeht.

Erfolgreiche Fußballtrainer arbeiten hierfür mit einem Matchplan, in dem im Vorfeld einer Partie unterschiedliche Spielverläufe simuliert werden. Im Fußball wie an den Finanzmärkten gibt es jedoch keine Garantie, dass eine Anlagestrategie oder ein Matchplan kurzfristig aufgeht. Wer jedoch diszipliniert mit derartigen Instrumenten arbeitet, hat mittel- bis längerfristig deutlich bessere Erfolgsaussichten.

Fazit: Die Halbzeitpause im Fußball bietet dem Trainer nochmals die Gelegenheit, direkt auf seine Spieler einzuwirken. Diese Möglichkeit haben Anleger im Hinblick auf die Wertpapierpositionen ihres Portfolios üblicherweise nicht. Aber das Ende der ersten Jahreshälfte ist für Investoren eine gute Gelegenheit, eine Überprüfung der individuellen Depotausrichtung vorzunehmen. Durch die Veränderungen an den Finanzmärkten in der ersten Jahreshälfte, gibt es sicherlich Ansatzpunkte für die eine oder andere taktische Auswechslung, ohne dass man deswegen seine mittel- bis langfristige Anlagestrategie aufgeben sollte.

Für einen nachhaltigen Anlageerfolg ist zudem ein systematisches Risikocontrolling mittels Szenario-Analysen wichtig. Frei nach Franz Beckenbauer sollten Anleger im Hinblick auf den Umgang mit Finanzmarktprognosen immer daran denken: „Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage.“

Thomas Wüst, Geschäftsführer Valorvest Vermögensverwaltung (Quelle: Valorvest)Thomas Wüst (Quelle: Valorvest)

Der Autor, Thomas Wüst, ist Geschäftsführer der Valorvest Vermögensverwaltung in Stuttgart. Der Diplom-Betriebswirt beschäftigt sich seit 1992 intensiv mit modernen Ansätzen der Portfolio-Theorie und dem professionellen Wertpapiermanagement. Er war in verschiedenen Banken in der Finanzportfolioverwaltung und der Betreuung von vermögenden Privatkunden, Unternehmen und Stiftungen tätig. In 2010 gründete er gemeinsam mit seinen drei Partnern die Valorvest Vermögensverwaltung. .

Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de.

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