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Plädoyer für eine neue Sparkultur: Vermögen schaffen statt Geld horten

Gastkolumne  

Plädoyer für eine neue Sparkultur: Vermögen schaffen statt Geld horten

07.07.2014, 18:02 Uhr | Von Susanne Woda für t-online.de

Trotz der anhaltend niedrigen Zinsen sind deutsche Sparer nicht bereit, ihren sicheren Hafen zu verlassen. Im Drang ihr Vermögen zu sichern und zu erhalten, investieren die Deutschen trotz realer Kapitalverluste weiter in mickrig verzinste Bankeinlagen und Versicherungen. Diese Anlageformen machen nach wie vor über 70 Prozent des Geld-Vermögens deutscher Privatanleger aus – wider besseren Wissens. Nur etwa fünf Prozent sind in Produktivkapital wie Aktien investiert.

Um der schleichenden Enteignung beim langfristigen Vermögensaufbau und Kapitalerhalt zu entkommen, müssen Sparer umdenken und künftig Vermögenseigentum statt Geldwerte in den Vordergrund stellen.

Trügerische Sicherheit

Zwar steigt der Reichtum der Welt, doch diese Entwicklung ist trügerisch. Um 14,6 Prozent stieg das weltweite Privatvermögen im Jahr 2013 - eine logische Folge, wenn Zentralbanken sich im Gelddrucken gegenseitig übertreffen. Auch das Geldvermögen in Deutschland nimmt weiter zu, doch der reale Gegenwert nimmt kontinuierlich ab. Die finanzielle Repression, welche seit nunmehr drei Jahren um sich greift, sorgt für eine stetige Entwertung von Tages- und Festgeldern sowie Sparguthaben.

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Zwar lag die Inflation im letzten Jahr bei historisch niedrigen 1,5 Prozent, doch für einjährige Festgelder erhielten Sparer im Jahresdurchschnitt nur eine Verzinsung von knapp 0,7 Prozent. Obwohl das Guthaben nominell angestiegen ist, bleiben die Kontoinhaber unbemerkt auf einem Kapitalverlust von 0,8 Prozent sitzen. Nach 30 Jahren addieren sich diese dann auf über 20 Prozent Verlust. Wer langfristig spart muss sich also nach Möglichkeiten umsehen, der sicheren Kapitalvernichtung zu entgehen.

Neue Wege

In den letzten Jahrzehnten mussten sich die Deutschen um den Erhalt ihres Vermögens wenig Gedanken machen. Dank der starken deutschen Exportwirtschaft und einer klugen Geldpolitik seitens der Bundesbank wurden sie mit einer starken Währung und einem stabilem Geldwert verwöhnt. Nur damit ist es zu erklären, dass dem Geld heute eine eigentumsähnliche Bedeutung beigemessen wird.

An diesen erfreulichen Erfahrungen hält man sich nur zu gerne fest, doch Rahmenbedingungen verändern sich und es ist an der Zeit, sich der Gesetzmäßigkeiten unseres Geldsystems zu erinnern.

Banknoten sind Schuldscheine, ursprünglich geschaffen, um den Handel mit Waren und Dienstleistungen zu erleichtern. Ausgegeben von Banken sind sie technisch nicht mehr oder weniger, als das zukünftige Zahlungsversprechen einer Bank. Dass die Einlösungskonditionen vage sind, hat die Zwangsabgabe in Zypern gezeigt und Sparer unsanft aus ihren Träumen gerissen. Die Abkehr von Gold-Standard und Bretton-Woods-System im 20. Jahrhundert waren ohne Frage wirtschaftlich notwendig, und doch führen sie dazu, dass die Schaffung von Zentralbankgeld nicht mehr an Hinterlegung von Werten gebunden ist.

Das moderne Geldsystem geht sogar noch einen Schritt weiter. Will eine Bank heute Geld bei der Zentralbank leihen, können als Sicherheit Schulden statt Vermögen, zum Beispiel Staatsanleihen, hinterlegt werden. Der Werthaltigkeit des Geldes, egal ob Bargeld, Kontoguthaben oder Spareinlage, ist damit jede Grundlage entzogen worden, sie kann – auch ohne radikale Schuldenschnitte – jederzeit untergraben werden. Hinzu kommt, dass der Vermehrung des Geldes seit der Einführung von Buchgeld auch technisch kaum noch Grenzen gesetzt sind. Das Geldkarussell dreht sich immer schneller.

Werte schaffen

Vor diesem Hintergrund sollte für langfristig orientierte Sparer der Aufbau von werthaltigem Vermögen im Vordergrund stehen - Immobilien, Edelmetalle, aber auch Kunst, Oldtimer und andere Raritäten kommen da sofort in den Sinn. Angelsachsen und Amerikaner, übrigens Vorreiter der modernen Geldpolitik, haben dies längst erkannt. Sie ziehen insbesondere Aktien als eigentumsbasierte Vermögenswerte den reinen Geldwerten vor und pflegen seit jeher eine starke Aktienkultur.

Die Aktionärsquote in den USA und Großbritannien liegt wohl nicht ohne Grund bei über 20 Prozent, wohingegen immer weniger Deutsche, aktuell 7,1 Prozent, in Aktienanlagen investiert. Traurig ist vor allem der geringe Anteil an Aktionären in der jungen Bevölkerung hierzulande. Denn gerade sie sollte umdenken, um nicht die Zeche für die angehäuften Schuldenberge der vorherigen Generationen zahlen zu müssen.

Hohe Aktienrenditen - trotz Krisen

Es sind wohl die Schwankungen an der Börse, die den planungsbedürftigen und sicherheitsliebenden deutschen Anleger abschrecken. Dabei sind Aktien rational betrachtet als Unternehmensanteile und Beteiligung an der Produktivität einer Volkswirtschaft ebenfalls werthaltige Vermögensgegenstände. Sie sind zudem fungibel, in kleine Beträge teilbar, schütten Erträge in Form von Dividenden aus und bieten mit beschränkter Vermehrbarkeit und begrenztem Zugriffsmöglichkeiten durch Fremde einen Vermögensschutz.


Trotz heftiger Preisschwankungen, wie Sie in der jüngsten Vergangenheit durch "Dotcom- Blase" und Finanzkrise ausgelöst wurden, liegt die langfristige Wertentwicklung von Aktien bei durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr.

Den Löwenanteil zur Wertschöpfung trägt die nachhaltige Dividendenpolitik von Unternehmen bei, weswegen sie zentrales Qualitätsmerkmal sein sollte. Unternehmen wie ThyssenKrupp oder Siemens konnten Wirtschaftskrisen, politischen Umwälzungen, Kriegen und Währungsreformen in der Vergangenheit trotzen.

Um der Schieflage einzelner Unternehmen entgegenzutreten, war und ist eine Risikostreuung unumgänglich. Und ohne Frage mussten Aktionäre zwischenzeitlich herbe Einbußen verkraften, konnten ihr Vermögen jedoch besser vor dem Verfall bewahren als mit Geldwerten.

Viele Vorteile

Auch der modernen Form der Enteignung haben Aktien etwas entgegenzusetzen: Unternehmensanteile sind nur begrenzt verfügbar und vermehrbar, so werden Aktionäre gegen die Verwässerung ihrer Anteile geschützt. Sie können über die Ausgabe neuer Aktien mitentscheiden und ihren Anteil am Unternehmenserfolg über die Ausübung von Bezugsrechten erhalten. Dagegen wurde den Besitzern von Euro- oder Dollar-Noten bisher von den Zentralbanken kein Ausgleich für die exzessive Ausweitung der Geldmenge angeboten.

Deutschland braucht eine neue Sparkultur, die sich an Vermögen statt Geldwerten orientiert und die Bedeutung des Geldes für ein funktionierendes Wirtschaftssystem erkennt - gleichzeitig aber nicht die Werthaltigkeit gegenüber echtem Eigentum überschätzt.

Susanne Woda (Quelle: Privat)Susanne Woda (Quelle: Privat)

Susanne Woda ist Portfoliomanagerin bei der GVS Financial Solutions GmbH (früher Merito Asset Management) in Dreieich und verantwortet dort den Bereich Aktien und Anleihen. Zuvor arbeitete sie im Wealth Management der Commerzbank.

Die Meinung der Gastautoren kann von der Meinung der Redaktion abweichen.

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