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Trotz Krisen: Guten Chancen für Anleger in Nahost

Saudische Börse öffnet sich  

Guten Chancen für Anleger in Nahost

29.07.2014, 15:39 Uhr | von Uwe Zimmer für t-online.de

Trotz Krisen: Guten Chancen für Anleger in Nahost. Investments in Nahost, wie hier in Kuweit, können sich lohnen. (Quelle: imago images/Xihua)

Investments in Nahost, wie hier in Kuweit, können sich lohnen. (Quelle: Xihua/imago images)

Die politische Situation im Nahen Osten beunruhigt die Aktienmärkte. Allerdings nur auf den ersten Blick. Für Anleger tun sich grade jetzt Gelegenheiten auf.

Kennen Sie Tadawul? Nein, das ist keine Fantasiegestalt aus einem Roman von Tolkien. Tadawul nennt sich die Börse von Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Und dieser Aktienmarkt ist kein kleiner. Der Tadawul All Share Index ist mit einer Marktkapitalisierung von 531 Milliarden Dollar (393 Milliarden Euro) sogar ein echtes Schwergewicht. Zum Vergleich: der DAX mit den 30 deutschen Standardwerten bringt derzeit 965 Milliarden Euro auf die Börsenwaage. Dass der Ausdruck Tadawul dennoch nur wenigen Privatanlegern ein Begriff ist, ist zuallererst dem Umstand geschuldet, dass die Börse Saudi-Arabiens ausländischen Anlegern bislang verwehrt blieb.

Saudi-Arabiens Börse öffnet sich

Bislang wohlgemerkt. Denn nun sieht alles danach aus, dass sich die saudische Börse öffnet. So meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg jüngst, dass die saudische Kapitalmarktaufsicht bereits Pläne für eine Liberalisierung entwickelt, die in der ersten Jahreshälfte 2015 in Kraft treten sollen. Für Privatanleger ist das zwar nur bedingt ein Grund zur Freude. Denn der Zugang zur Tadawul soll vorerst nur institutionellen Anlegern möglich sein.

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Dennoch können Privatanleger über Zertifikate und Investmentfonds dort investieren. Im Fall eines eher unbekannten Marktes ist diese Variante sicher keine schlechte Wahl. Schließlich sucht dann ein Fondsmanager mit Expertise die Titel aus, die man im Depot haben sollte. 

Doch zurück zum Tadawul-Index. Die Öffnung Saudi-Arabiens hat auf den Index einen besonderen Effekt: Wenn er in den MSCI-Index für aufstrebende Märkte und einige seiner Sub-Indizes einfließen wird, wird das weitere Indexfonds dazu veranlassen, ihn beziehungsweise die in ihm enthaltenen Titel zu kaufen. Kurszuwächse auf breiter Front sind damit vorprogrammiert. Der Fokus vieler Investoren dürfte sich wieder verstärkt auf den Nahen Osten richten.

Lage an Börse passt nicht zur politischen Entwicklung

Überhaupt zeigt sich momentan an der Börse ein Bild, das so gar nicht zur politischen Entwicklung passen will: Trotz der schwelenden Krise mit gleich mehreren Brandherden im Irak, in Syrien, in Libyen und in Israel hat das Interesse internationaler Investoren am Nahen Osten in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Die Zuflüsse in einigen Fonds, die dort investieren, sind zuletzt förmlich in die Höhe geschossen. Und das ist nachvollziehbar.

Zwar ist die politische Situation nicht zu unterschätzen. Eine Häufung von Krisenherden, wie wir sie zurzeit sehen, ist selten. Allerdings muss man in Betracht ziehen, dass die Region seit Jahrzehnten von Konflikte geprägt ist und dass diese nie einen nachhaltigen Einfluss auf die Wirtschaft hatten. Mit den Augen eines Beobachters aus Westeuropa, wo es seit dem Zweiten Weltkrieg keine kriegerische Auseinandersetzung mehr gab (Großbritanniens Falklandkrieg ausgenommen), ist die arabische Welt zwar ein stetes Pulverfass. Von innen wird das allerdings ganz anders wahrgenommen.

Positive Entwicklung

Dort sehen viele Menschen eine positive Entwicklung. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben viele Länder der Region sich gegenüber den westlichen Industriestaaten geöffnet – wie jetzt Saudi-Arabien mit seiner Börse. Darüber hinaus haben sie international tätige Unternehmen gegründet und sind ihre Messen ziehen Besucher aus aller Welt an.

Zudem geht es nicht nur um subjektives Empfinden allein. Auch die Zahlen sind attraktiv und sprechen dafür, sich den Nahen Osten als Anlageziel einmal genauer anzuschauen. So ist die Bewertung in der Region – abgesehen vom verhältnismäßig teuren Dubai – durchaus günstig. Die  Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) bewegen sich in einer Bandbreite zwischen knapp 25 und 12,3 und entsprechen damit einem Niveau, welches uns von unseren europäischen oder amerikanischen Märkten bekannt ist. Allerdings sind die Bewertungen von Emerging Markets, also der aufstrebenden Märkte, meist wesentlich höher als die von entwickelten Märkten.

Börsen in arabischer Welt günstig bewertet

Daher sind die Börsen in der arabischen Welt relativ günstig bewertet. Die große Unsicherheit mag viele Investoren momentan noch davon abhalten im Nahen Osten aktiv tätig zu werden. Die Vergangenheit hat aber oft genug gezeigt, dass solche Situationen gute Gelegenheiten waren.

Und wer weiß, vielleicht lernen Privatanleger neben dem Index Tadawul demnächst noch ganz andere Namen besser kennen wie Emaar Properties aus Dubai, einem der größten Bauunternehmen der Welt (ISIN AEE000301011), Kingdom Holdings (ISIN KYG525741031), die Gesellschaft von Prinz Al Walid von Saudi Arabien, die einer der Hauptgesellschafter der Citigroup ist oder von Saudi Basic Industries (ISIN SA0007879121), dem mittlerweile größten petrochemischen Unternehmen der Welt.


Uwe Zimmmer, Vorstand bei niiio finance group (Quelle: niiio finance group)Uwe Zimmmer (Quelle: niiio finance group) Der Autor, Uwe Zimmer, ist Gründer und Vorstand der Meridio Vermögensverwaltung in Köln. Er verfügt über fast 30 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung - u.a. bei Prudential Securities, bei Hypo Capital Management und bei BB-PrivatFinanz-Service GmbH. 1998 gründete Uwe Zimmer via Management-Buyout die Meridio Vermögensverwaltung.

-- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --

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