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Neues Gesetz ab August: Kunde soll für Finanzberatung zahlen

Neues Gesetz ab August  

Kunde soll für Finanzberatung zahlen

30.07.2014, 12:26 Uhr | dpa

Neues Gesetz ab August: Kunde soll für Finanzberatung zahlen. Neue Regeln für Anlageberatung sollen für mehr Transparenz sorgen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Neue Regeln für Anlageberatung sollen für mehr Transparenz sorgen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Provisionen für die Beratung in Sachen Geldanlagen geben Verbraucherschützern seit langem Anlass zu harscher Kritik. Sie bemängeln, dass die Berater nicht unbedingt die passende Anlage verkaufen, sondern vor allem Finanzprodukte anpreisen, bei denen sie auf hohe Vermittlungsgebühren zählen können. Die Bundesregierung hat die Honorarberatung über Geldanlagen neu geregelt und verspricht mehr Transparenz für die Kunden.

Am 1. August tritt das neue Gesetz in Kraft. Umstritten ist, ob es wirklich eine deutliche Verbesserung bringt.

Was ist der Grund für das Gesetz?

"Provisionsbasierte Beratung kann Fehlanreize setzen", erläutert das Bundesfinanzministerium. Oft wurden Anleger schlecht beraten und teilweise die Risiken bestimmter Produkte verschleiert. Das Gesetz soll die unabhängige Honorarberatung stärken und für mehr Transparenz für den Verbraucher sorgen.

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Was sind die Kernpunkte?

Neben der Anlageberatung auf Provisionsbasis werden zwei geschützte Berufsbezeichnungen eingeführt: Der "Honorar-Anlageberater" im Wertpapierhandelsgesetz und der "Honorar-Finanzanlagenberater" in der Gewerbeordnung. Sie dürfen keine Provisionen von Produktanbietern oder anderen behalten, deren Finanzprodukte sie vermitteln. Banken und Sparkassen müssen die Beratungssysteme organisatorisch strikt trennen. Wer als Honorarberater tätig ist, wird in ein öffentliches Register eingetragen und darf nicht mehr auf Provisionsbasis arbeiten. Damit soll der Kunde besser unterscheiden können, ob die Beratung durch Provisionen des Produktanbieters oder allein durch sein Honorar bezahlt wird. Zur Durchsetzung dieser neuen Vorgaben werden zudem die Bußgeldvorschriften erweitert.

Was bemängeln Verbraucherschützer?

So weit, so gut. Aber das Gesetz gilt nicht für alle Finanzprodukte, sondern nur für Wertpapiere und Vermögensanlagen. Ausgenommen sind beispielsweise Kapitallebensversicherungen, Bausparpläne oder Spareinlagen. Eine verbraucherfreundliche Rundumberatung sei so nicht möglich, kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Die Beratung muss aus einem Guss sein. Deshalb muss ein Honorarberater zu allen Finanzprodukten provisionsfrei beraten", fordert vzvb-Finanzexpertin Dorothea Mohn.

Wie hoch ist das Honorar?

Es gibt keine Gebührenordnung. Häufig wird pro Stunde abgerechnet, der Branche zufolge sind es derzeit im Schnitt etwa 150 Euro.

Wie wird mit Provisionen umgegangen?

Anlageberater müssen Provisionen offenlegen. Nach der Erfahrung von Verbraucherschützern steckt der Teufel aber im Detail. "Teile der Provision sind nach wie vor für die Kunden nicht transparent", kritisiert Mohn. Sie fordert einen klaren Ausweis der Provisionen in Euro und Cent und in einer separaten Rechnung. Dazu passt das Urteil des Bundesgerichtshof, der kürzlich entschied, dass Bankkunden einen Anspruch darauf haben, von Anlageberatern auf versteckte Provisionen zugunsten der Bank hingewiesen zu werden.

Was sagen die Kreditinstitute?

Sie sehen die strikte Trennung von Honorarberatung und Beratung auf Provisionsbasis eher kritisch. Dies werde in der Praxis kleinere und mittlere Kreditinstitute aufgrund mangelnder Ressourcen zu einer Entscheidung "entweder - oder" zwingen, sagt die Deutsche Kreditwirtschaft voraus. "Wenn ich nur zwei Berater habe, ist das in der Praxis ein Problem, zum Beispiel bei Urlaub oder Krankheit", sagt Finanzmarktexperte Patrick Arora vom Bundesverband deutscher Banken (BdB).

Wie groß ist das Interesse der Verbraucher?

"Bisher ist es relativ gering", sagt Arora. In der Vergangenheit sei die Honorarberatung vor allem bei Anlagen mit einem größeren Volumen nachgefragt worden. "Massentauglich ist das Modell derzeit nicht. Zumal Kunden für die Beratung zahlen müssen, auch wenn sie ihr Geld gar nicht anlegen." Verbraucherschützerin Mohn hält dagegen: "Wenn Verbrauchern klar wäre, wie viel Provision sie für eine vermeintliche Beratung tatsächlich zahlen, würden sie feststellen, dass die Honorarberatung in den meisten Fällen günstiger ist. Damit würden viele Verbraucher sicher auf Honorarberatung umsteigen."

Wie groß ist das Interesse der Banken und Sparkassen?

Eher gering. Die Banken prüften die Honoraranlageberatung, derzeit scheine das Interesse aber nicht so groß zu sein, heißt es beim BdB. Für die Breite des Marktes werde die Vermittlung auf Provisionsbasis bevorzugt, erklärt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. In der genossenschaftlichen Bankengruppe seien gegenwärtig keine Tendenzen absehbar, die auf eine organisatorische Umstellung der Kundenberatung auf eine Honoraranlageberatung hindeuteten, erklärt auch der Bundesverband Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken. "Es bleibt abzuwarten, ob sich die Beratung gegen Honorar im deutschen Markt überhaupt etablieren wird".

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