Sie sind hier: Home > Finanzen > Geld > Geldanlage >

Fluch der sicheren Anlage: EZB-Krisenpolitik kostet Deutsche Milliarden

Fluch der sicheren Anlage  

EZB-Krisenpolitik kostet Deutsche Milliarden

23.09.2014, 18:15 Uhr | dpa

Fluch der sicheren Anlage: EZB-Krisenpolitik kostet Deutsche Milliarden. Neue EZB-Zentrale in Frankfurt: Die risikoscheuen Deutschen zahlen bei der Euro-Rettungspolitik drauf (Quelle: imago/Schick)

Neue EZB-Zentrale in Frankfurt: Die risikoscheuen Deutschen zahlen bei der Euro-Rettungspolitik drauf (Quelle: imago/Schick)

Für Kreditnehmer ein Segen, für Sparer ein Fluch: Die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft die Deutschen besonders hart. Denn sie nehmen nicht gerne Kredite auf und legen ihr Geld lieber sicher an - aber dafür zu mickrigen Zinsen. Das hat seit 2010 für Zinsverluste in Höhe von 23 Milliarden Euro gesorgt, wie die Allianz ausgerechnet hat.

Privathaushalte in Ländern wie Spanien, Griechenland oder Portugal hätten dagegen beträchtlich von der Krisenstrategie des billigen Geldes profitiert, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise bei der Vorlage des "Global Wealth Reports". Den Schuldnern haben damit niedrige Zinsen in die Karten gespielt, während die Gläubiger die Verlierer waren.

Allerdings sind die Deutschen aus Sicht der Experten an dieser Entwicklung auch selbst mit Schuld. Denn in den unsicheren Krisenjahren steckten die Europameister im Sparen immer mehr Geld in vermeintlich sicherere kurzfristige Bankeinlagen. Das warf kaum Renditen ab - abzüglich der Inflation blieb unterm Strich ein Verlust. Und: Während beispielsweise Spanier oder Griechen von günstigen Krediten profitierten, blieb und bleibt die Schuldenquote hierzulande niedrig.

Deutsche meiden Aktien

Zudem meiden Deutsche nach einer Reihe negativer Erfahrungen anders als etwa US-Amerikaner Aktien, obwohl die Kursfeuerwerke der vergangenen Jahre Haupttreiber für den Anstieg privater Geldvermögen in aller Welt waren. Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank hat sich der Wert deutscher Aktien gemessen am Leitindex DAX seit 1988 bis Ende August 2014 knapp verzehnfacht. Davon profitierten allerdings immer weniger Privathaushalte: Ende Mai hielten sie nur noch 11,8 Prozent der deutschen Aktien, 2011 waren es noch 13,1 Prozent gewesen.

AnzeigeTagesgeldvergleich
Konditionen vergleichen

Vergleichen Sie hier verschiedene Anbieter und finden so das beste Tagesgeld-Angebot für sich

Um die Wirkung der Zinspolitik zu beziffern, hat die Allianz die Zinssätze der letzten fünf Jahre mit den Durchschnittszinsen der Jahre 2003 bis 2008 verglichen. Die durch die gelockerte Geldpolitik "entgangenen" Zinsen auf der Einlagenseite stellte sie den Zinsgewinnen bei Krediten gegenüber. Das Ergebnis: Während die Menschen in Deutschland seit 2010 im Saldo 23 Milliarden Euro oder 281 Euro pro Kopf verloren, wurden die Bürger in den meisten anderen Euroländern entlastet.

Das gilt nach der Analyse vor allem für Finnland, Spanien, Irland, Griechenland und Portugal: In diesen Ländern liegen die Haushalte mit rund 1000 Euro pro Kopf oder mehr im Plus. Insgesamt addieren sich die Gewinne dort seit Krisenbeginn auf 97 Milliarden Euro. "Die Peripherie ist der große Profiteur der Niedrigzinspolitik", sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen.

Nebenwirkungen der Geldpolitik

Diese Wirkung der Geldpolitik ist für Heise zwar nicht überraschend. Schließlich sei die Entlastung der Schuldner gewollt: "Man sollte jedoch auch nicht die Augen davor verschließen, dass diese Politik erhebliche Nebenwirkungen hat, vor allem auf deutsche Anleger und ihre Altersvorsorge."

Während die Zinsgewinne deutscher Kreditnehmer in etwa dieselbe Größenordnung erreichen wie in anderen Euroländern, rächt sich die Vorliebe deutscher Sparer für besonders schwach verzinste Sichteinlagen wie Sparbuch oder Tagesgeldkonto, wie Heise betonte. Die Deutschen legten zwar mehr Geld auf die hohe Kante als andere: "Aber kaum jemand bringt auch so viel Geld zur Bank wie wir, obwohl die Bankzinsen deutlich niedriger sind als im Rest Europas."

Deutsche immer noch im Krisenmodus

Es scheine, als ob die deutschen Sparer immer noch im Krisenmodus verharrten und Anlageentscheidungen eher vermeiden wollten. Das sei ein Fehler, sagte der Experte: "Abwarten heißt Geld zu verschenken. Sechs Jahre nach Lehman ist es höchste Zeit, wieder langfristig zu denken und zu investieren."

Generell gilt: Eine hohe Rendite birgt erhebliches Risiko. So rät der Bankenverband zur "kalkulierten Risikobereitschaft". Wer in den vergangenen 30 Jahren monatlich 100 Euro in Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland angelegt habe, könne heute im Schnitt über etwa 121.000 Euro verfügen: "Das entspricht einer Rendite von rund sieben Prozent jährlich." Auf eine Zinswende können Europas Sparer jedenfalls vorerst nicht hoffen. Die EZB hat den Leitzins gerade erst auf das Allzeit-Tief von 0,05 Prozent gesenkt.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal