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Höhere Zinsen: Lohnt sich ein Sparbuch im Ausland

Höhere Zinsen  

Lohnt sich ein Sparbuch im Ausland?

03.04.2015, 12:37 Uhr | von Friederike Marx und Jörn Bender, dpa

Höhere Zinsen: Lohnt sich ein Sparbuch im Ausland. Die niedrigen Zinsen machen Anlegern zu schaffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die niedrigen Zinsen machen Anlegern zu schaffen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sparbuch und Co. sind bei Verbrauchern in Deutschland der Renner - trotz Minizinsen. Ein Blick über die Grenze kann sich lohnen. In manchen EU-Ländern gibt es mehr für den Spargroschen. Doch der Teufel steckt im Detail.

Minizinsen im Euroraum nagen an den Ersparnissen der Verbraucher. Sparbuch, Tagesgeld und Co. werfen kaum noch etwas ab. Dennoch steckt das Geld der Bundesbürger vor allem in Bankeinlagen. Von den 5,011 Billionen Euro Geldvermögen im dritten Quartal 2014 entfielen nach jüngsten Zahlen der Bundesbank fast 40 Prozent auf Bargeld und Spareinlagen. In manchen EU-Ländern gibt es allerdings mehr für den Spargroschen als in Deutschland.

Laut Europäischer Zentralbank (EZB) erhalten Sparer in Frankreich und den Niederlanden für Anlagen von bis zu einem Jahr derzeit im Schnitt 1,8 Prozent Zinsen, in Italien sind es immerhin noch 1,3 Prozent. In Deutschland gibt es gerade einmal 0,6 Prozent. Bankenexperten und Verbraucherschützer mahnen aber zur Vorsicht.

Schlechte Erfahrungen mit Kaupthing

"Die Höhe der Zinsen spiegelt auch das Risiko des jeweiligen Bankenmarktes wider", erklärt Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim. Wie schnell es schiefgehen kann, zeigt das Beispiel der isländischen Kaupthing Bank: 30.000 Sparer aus Deutschland ließen sich von den Isländern, die nicht in der EU sind, mit immens hohen Tagesgeldzinsen locken - und mussten nach der Pleite der Bank im Oktober 2008 monatelang um ihr Geld bangen.

Der Grund war, dass die deutsche Tochter der Kaupthing nicht der europäischen Einlagensicherung unterlag.

In der Europäischen Union sind seit 2010 zumindest die Guthaben von Kleinsparern in einer Höhe von bis zu 100.000 Euro komplett geschützt. In mehreren Ländern, darunter in Deutschland, gibt es zudem zusätzliche Sicherungssysteme der Finanzbranche für Kunden, die mehr Geld anlegen wollen.

Das Internet und auf Geldanlage spezialisierte Portale machen den Zinsvergleich leicht. Warum also nicht online ein Festgeldkonto bei einer bulgarischen Bank eröffnen, die 2,10 Prozent für ein Jahr bietet? Bis zu 100.000 Euro sind durch die EU-Richtlinie abgesichert. Doch was darüber hinaus geht, sollte gründlich geprüft werden.

Wie sicher ist das Ersparte?

"Einlagensicherung ist nicht gleich Einlagensicherung", warnt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Hat sie genug Geld, um auch mit der Pleite einer größeren Bank fertig zu werden?" Andernfalls müsse im Zweifelsfall der Staat und damit der Steuerzahler einspringen. "Die Frage ist, ob Steuerzahler eines Landes bereit sind, auch Gelder ausländischer Kunden zu retten." Wer seine Ersparnisse sicher anlegen wolle, komme kaum an der deutschen Einlagensicherung vorbei, befindet Nauhauser.

Auch in der Branche werden Lockvogelangebote kritisch gesehen. "Im Bewusstsein vieler Menschen hat sich inzwischen die Erwartungshaltung festgesetzt, dass Bankdienstleistungen nichts kosten dürfen", bilanzierte kürzlich der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. Im Gegenzug gerieten Banken und Sparkassen "immer stärker in Erklärungsnöte ..., wenn sie für ihre Leistungen noch eine Gegenleistung in Form von Zinsen und Gebühren nehmen" - oder eben weniger Sparzinsen anbieten als die Konkurrenz.

Sparer sollten zudem nicht nur auf die Höhe der Zinsen und die Einlagensicherung achten. Bankenexperte Burghof weist daraufhin, dass beispielsweise in Italien Bankgebühren tendenziell höher als in Deutschland sind. Das könne den Zinsvorteil auffressen. Dennoch kann ein Blick über die Ländergrenzen lohnen, wie das mit einem Prozent verzinste Volkssparbuch Livret A in Frankreich zeigt.

Viele Banken, insbesondere Zweigstellen ausländischer Banken, nutzen Tagesgeld-Angebote mit Top-Zinsen oder gar Boni, um Neukunden zu gewinnen. Doch so manche Top-Zinsen sind nur für wenige Monate oder nur bis zu einer bestimmten Geldsumme im Angebot. Burghof formuliert es so: "Die Idee, dass der Kapitalmarkt irgendetwas verschenkt, ist Wunschdenken."

Banken auf Kostenbremse

Die Niedrigzinsen machen auch den Geldhäusern zu schaffen. So steht die deutsche Bankenbranche einer Umfrage zufolge vor einer neuen Sparwelle. Fast jedes zweite Institut (46 Prozent) plant, im laufenden Jahr die Zahl seiner Mitarbeiter zu verringern. Mit Einschnitten ist nach der Studie des Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young) vor allem im Privat- und Firmenkundengeschäft zu rechnen. Dort ist der Wettbewerb besonders hart. Nur jede fünfte deutsche Bank (21 Prozent) will demnach in diesem Jahr zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

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