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Steuererklärung: Diese Frei- und Pauschbeträge zahlen sich aus

Steuererklärung  

Diese Frei- und Pauschbeträge zahlen sich aus

16.08.2015, 16:56 Uhr | von Andrea Wekenborg, Finanztip.de

Steuererklärung: Diese Frei- und Pauschbeträge zahlen sich aus. Den Grundfreibetrag oder die Werbekostenpauschale zieht das Finanzamt von selbst ab. Andere Frei- und Pauschbeträge kann man über die Steuererklärung geltend machen. (Quelle: dpa)

Den Grundfreibetrag oder die Werbekostenpauschale zieht das Finanzamt von selbst ab. Andere Frei- und Pauschbeträge kann man über die Steuererklärung geltend machen. (Quelle: dpa)

Ob Handwerkerkosten oder Fachliteratur: Wer sich private oder berufliche Ausgaben über die Steuererklärung zurückholen will, muss diese oft auch belegen können. Doch um die Bürokratie ein wenig zu entschärfen, gibt es im deutschen Steuerrecht viele Frei- und Pauschbeträge, die Sie als Steuerzahler ohne Quittung oder Rechnung nutzen können.

Freibetrag oder Pauschbetrag – was ist der Unterschied?

Freibeträge und Pauschbeträge bieten beide einen finanziellen Vorteil für den Steuerzahler – mit einem entscheidenden Unterschied.
Freibetrag: Er markiert die Höhe, bis zu der ein bestimmtes Einkommen steuerfrei bleibt. Alles, was darüber liegt, müssen Sie versteuern. Haben Sie beispielsweise einen Freibetrag von 500 Euro, müssen Sie nur für den Teil Ihres Einkommens Steuern zahlen, der über den 500 Euro liegt.
Pauschbetrag: Den Pauschbetrag erkennt das Finanzamt in der Regel ohne Nachweis an, um einen bestimmten Teil des Einkommens steuerfrei zu stellen. Haben Sie Ausgaben, die über dem Pauschbetrag liegen, können Sie diese meist zusätzlich geltend machen. Sind Ihre Ausgaben niedriger, wird auf jeden Fall der Pauschbetrag von Ihrem zu versteuernden Einkommen abgezogen.

Arbeit und Einkommen

Grundfreibetrag: Ein gutes Beispiel für einen Freibetrag ist der Grundfreibetrag für Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit: Wer als Alleinstehender im Jahr 2015 weniger als 8472 Euro verdient, muss keine Lohnsteuer zahlen; für Verheiratete gelten 16.944 Euro als Grundfreibetrag. Erst für das Einkommen, das den Grundfreibetrag übersteigt, müssen Sie Steuern zahlen.

Dieser Freibetrag wird nach dem Sozialhilferecht ermittelt und soll das Existenzminimum für jeden Steuerzahler sichern. Der Grundfreibetrag ist bereits in die Steuertabellen eingearbeitet und wird automatisch berücksichtigt. Sie müssen also nichts tun, um ihn zu erhalten.

Arbeitnehmer-Pauschbetrag: Der Klassiker unter den Pauschbeträgen ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag, auch als Werbungskostenpauschale bekannt. Der Fiskus zieht von Ihrem zu versteuernden Einkommen automatisch 1000 Euro als Werbungskosten ab. So werden beruflich veranlasste Kosten ohne Nachweis anerkannt. Erst wenn Sie Werbungskosten über der 1000-Euro-Grenze haben, lohnt es sich, diese in der Steuererklärung einzutragen (Anlage N). Diese Ausgaben werden dann zusätzlich anerkannt.

Entfernungspauschale: Die Kilometer- oder Entfernungspauschale ist ein wichtiger Teil der Werbungskosten. Für die Fahrten zur Arbeit können Sie die Entfernungspauschale geltend machen. 30 Cent für jeden Kilometer der einfachen Strecke erkennt der Fiskus als Fahrtkosten an.

Viele Arbeitnehmer knacken bereits mit den Fahrtkosten ihren Werbungskosten-Pauschbetrag und können alles, was darüber liegt, zusätzlich absetzen. Fahren Sie beispielsweise an 228 Tagen im Jahr 15 Kilometer zur Arbeit, kommen 1026 Euro an Fahrtkosten zusammen. Haben Sie noch eine Weiterbildung besucht oder Fachliteratur gekauft, können Sie diese Kosten dann ebenfalls geltend machen. Um die Entfernungspauschale zu erhalten, müssen Sie Ihre Fahrten zur Arbeit in der Steuererklärung eintragen. (Anlage N, Seite 2, Zeile 31 bis 39)

Frei- und Pauschbetrag für Versorgungsbezüge: Wer Versorgungsbezüge erhält, also eine Pension, Witwengeld oder Unterhalt, dem steht dafür ein Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro zu. Auch dieser wird automatisch vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen. Die beiden Pauschbeträge von 1000 Euro und 102 Euro können Sie nebeneinander erhalten, wenn Sie gleichzeitig Arbeitslohn und Versorgungsbezüge beziehen.

Erhalten Sie Versorgungsbezüge, bleiben grundsätzlich ein Versorgungsfreibetrag und ein Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag steuerfrei. Den Rest müssen Sie versteuern. Tragen Sie dazu einfach Ihre Bezüge in die Anlage N der Steuererklärung ein. Die Freibeträge richten sich nach dem Jahr des Zahlungsbeginns laut Tabelle im Einkommensteuergesetz und gelten für die gesamte Laufzeit.

Verpflegungspauschale: Sind Sie beruflich viel unterwegs oder auf Dienstreisen, können Sie auch für die Verpflegung eine Pauschale geltend machen. Es gibt feste Pauschalen, je nachdem, wie lange Sie auf Reisen sind: Bei mehr als acht Stunden Abwesenheit erhalten Sie 12 Euro, ab 24 Stunden 24 Euro. Für den An- und den Abreisetag können Sie immer 12 Euro geltend machen – unabhängig von der Dauer der Abwesenheit. Tragen Sie die Dauer Ihrer Abwesenheit in der Steuererklärung ein (Anlage N, Seite 2, Zeilen 52 bis 54). Höhere Kosten können Sie nicht geltend machen, auch nicht, wenn Sie unterwegs Restaurantrechnungen gesammelt haben.

Umzugskostenpauschale: Wenn Sie aus beruflichen Gründen umziehen oder sich Ihr Weg zur Arbeit nach einem Umzug wesentlich verkürzt, können Sie die Umzugspauschale geltend machen.

Viele Ausgaben, etwa für das Renovieren der alten Wohnung oder den Kabelanschluss in der neuen Wohnung, müssen Sie nicht einzeln belegen. Ehepaare, die ab März 2015 aus beruflichen Gründen umgezogen sind, können in der Steuererklärung pauschal 1460 Euro geltend machen. Für Ledige sind es 730 Euro. Tragen Sie einfach "Pauschale für Umzugskosten" in Ihrer Steuererklärung ein (Anlage N, Seite 2, Zeilen 46 bis 48). Die Umzugskostenpauschalen passt das Bundesfinanzministerium regelmäßig an.

Zusätzlich zur Pauschale können Sie viele weitere Ausgaben für Ihren Umzug absetzen, die Sie aber belegen müssen. Dazu gehören beispielsweise die Fahrten zu Wohnungsbesichtigungen, der Transport des Hausrats oder eine doppelte Miete.

Freibeträge für Kinder

Kinderfreibetrag und BEA-Freibetrag: Der Staat unterstützt auch Familien und Alleinerziehende mit Freibeträgen. So gibt es ab 2015 den Kinderfreibetrag in Höhe von 4512 Euro. Dieser soll für Zusammenveranlagte das Existenzminimum des Kinds abdecken (2014: 4368 Euro; 2016: 4608 Euro). Hinzu kommt der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf (BEA-Freibetrag) von 2640 Euro. Ehepaaren stehen 2015 somit 7152 Euro an Steuerfreibeträgen je Kind zu. 2016 wird dieser Betrag auf 7248 Euro steigen.

Die Freibeträge berücksichtigt der Fiskus allerdings nur, wenn die Ersparnis daraus höher ist als das Kindergeld, das Sie während des Jahres erhalten haben. Was für Sie vorteilhafter ist, ermittelt das Finanzamt in der sogenannten Günstigerprüfung. Dazu müssen Sie nur die Anlage Kind ausfüllen. Das Kindergeld für das erste und zweite Kind beträgt 2015 je 188 Euro.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende: Wenn Sie alleinstehend sind und ein Kind erziehen, für das Sie Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise einen Kinderfreibetrag haben, können Sie einen Entlastungsbetrag von 1908 Euro steuerlich geltend machen. Das sind 600 Euro mehr als noch 2014. Für jedes weitere im Haushalt gemeldete Kind gibt es neuerdings einen zusätzlichen Entlastungsbetrag von 240 Euro je Kind.

Den Entlastungsbetrag zieht das Finanzamt von der Summe Ihrer Einkünfte ab. Diesen beantragen Sie über Ihre Steuererklärung (Anlage Kind, Seite 2, Zeile 44 bis 49). Sind Sie der Steuerklasse II zugeordnet, wird der Entlastungsbetrag schon im laufenden Jahr beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt.

Ausbildungsfreibetrag: Als Eltern können Sie einen weiteren Freibetrag für Sonderbedarf in der Berufsausbildung erhalten. Allerdings nur, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter volljährig ist und nicht mehr bei Ihnen wohnt.

Den Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro bekommen Sie, solange Sie Kindergeld beziehen und Ihr Kind zur Schule geht oder eine betriebliche Ausbildung macht. Sie beantragen ihn in der Anlage Kind (Anlage Kind, Seite 2, Zeile 50 bis 52). Hier lesen Sie mehr zu den Freibeträgen für Kinder.

Nebentätigkeiten und Ehrenämter

Übungsleiterfreibetrag: Wenn Sie sich als Ausbilder, Künstler oder Pfleger nebenberuflich etwas dazuverdienen, können Sie in vielen Fällen vom Übungsleiterfreibetrag profitieren: Von Ihrem Einkommen wird ein Freibetrag von 2400 Euro abgezogen, den Sie nicht versteuern müssen. Wichtig ist, dass Sie nebenberuflich für eine öffentlich-rechtliche oder gemeinnützige Organisation tätig sind. Auch Hausmänner, Rentner oder Arbeitslose können diesen Freibetrag nutzen.

Arbeiten Sie als Angestellte nebenberuflich, tragen Sie den Übungsleiterfreibetrag in der Anlage N Ihrer Steuererklärung ein (Seite 1, Zeile 26 als "steuerfrei erhaltene Aufwandsentschädigungen/Einnahmen"). Selbstständige geben den Freibetrag als "steuerfreie selbstständige Tätigkeiten im Nebenberuf" in der Anlage S, Zeile 36 und 37 an.

Ehrenamtsfreibetrag: Helfen Sie nebenberuflich und ehrenamtlich in einem Altenheim, einer Jugendherberge oder in einer Behindertenwerkstatt, können Sie den Ehrenamtsfreibetrag nutzen. Ehrenamtliche dürfen für ihre freiwillige Mitarbeit steuerfrei 720 Euro im Jahr als Aufwandspauschale annehmen. Auch diesen Betrag gibt es nur, wenn Sie ihn in der Steuererklärung eintragen. Dies machen Sie in der Anlage S, Zeile 36 und 37.

Kapitalerträge und Sonderausgaben

Sparerpauschbetrag: Wenn Sie Geld anlegen oder Aktien besitzen, sollten Sie sich den Sparerpauschbetrag sichern. Von den Einkünften aus Kapitalvermögen bleiben so für jeden Steuerzahler 801 Euro steuerfrei, für Zusammenveranlagte 1602 Euro.

Dafür müssen Sie bei Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag einreichen. Ohne Freistellungauftrag oder wenn die Kapitalerträge über den Sparerpauschbetrag hinausgehen, zieht das Kreditinstitut grundsätzlich 25 Prozent Abgeltungssteuer (zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) ab und leitet sie ans Finanzamt weiter. Diese unfreiwillige Zahlung können Sie sich nur über die Steuererklärung wieder zurückholen.

Sonderausgaben-Pauschbetrag: Für verschiedene Ausgaben des privaten Lebens gilt der Sonderausgaben-Pauschbetrag. 36 Euro beziehungsweise 72 Euro bei Verheirateten und eingetragenen Lebenspartnern zieht Ihnen das Finanzamt automatisch von Ihrem zu versteuernden Einkommen ab. Erst Sonderausgaben, die darüber liegen, müssen Sie in der Steuererklärung eintragen und nachweisen, beispielsweise Kinderbetreuungskosten. Weil der Pauschbetrag relativ niedrig ist, können Sie oft weitere Posten wie Spenden oder Vorsorgeaufwendungen absetzen. Was Sie in die verschiedenen Formulare eintragen können, lesen Sie im Ratgeber Sonderausgaben auf der Seite finanztip.de.

Pauschbeträge für Pflegende, Behinderte und Hinterbliebene

Pflege-Pauschbetrag: Wer einen Angehörigen im häuslichen Bereich ohne Bezahlung pflegt, kann dafür pauschal 924 Euro geltend machen. Das gilt für nahestehende Personen, die hilflos sind oder Pflegestufe III haben. Den Pauschbetrag müssen Sie im Mantelbogen, Zeile 65 und 66, beantragen.
Der Pauschbetrag ist personenbezogen: Teilen Sie sich beispielsweise die Pflege der Mutter mit Ihrer Schwester, müssen Sie auch den Pflegepauschbetrag aufteilen. Auch wenn Sie den Pflegebedürftigen nicht das ganze Jahr über gepflegt haben, haben Sie Anspruch auf den vollen Pauschbetrag.

Liegen Ihre Ausgaben für die Pflege des Angehörigen über dem Pauschbetrag, können Sie die tatsächlichen Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Der Fiskus erkennt sie allerdings erst an, wenn sie über einer zumutbaren Eigenbelastung liegen.

Behinderten-Pauschbetrag: Behinderte haben Anspruch auf den Behinderten-Pauschbetrag. Dieser mindert je nach Grad der Behinderung das zu versteuernde Einkommen um 310 Euro bis 3700 Euro im Jahr. Der Pauschbetrag muss ebenfalls über die Steuererklärung beantragt werden. Ihre Angaben machen Sie im Mantelbogen unter den außergewöhnlichen Belastungen in Zeile 61 bis 64.

Anstatt den Behinderten-Pauschbetrag zu nutzen, können Sie höhere Aufwendungen, die Ihnen wegen der Behinderung entstehen, einzeln nachweisen und in voller Höhe als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art geltend machen. Auch an dieser Stelle kürzt das Finanzamt die Ausgaben um die zumutbare Eigenbelastung. Weiterhin können Sie die Kosten für die Betreuung eines behinderten oder pflegebedürftigen Familienmitglieds in Ihrem Haushalt auch als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen (Mantelbogen, Zeile 74).

Hinterbliebenen-Pauschbetrag: In bestimmten Fällen können Witwen, Witwer, Waisen und Halbwaisen den Hinterbliebenen-Pauschbetrag von 370 Euro erhalten. Er wird als Jahresbetrag auch von Ihrem zu versteuernden Einkommen abgezogen, wenn die Voraussetzungen nicht während des gesamten Jahres vorlagen.

Bedingung ist, dass Sie Hinterbliebenenbezüge nach dem Bundesversorgungsgesetz oder vergleichbarer Versorgungsgesetze erhalten. Den Hinterbliebenen-Pauschbetrag müssen Sie im Mantelbogen unter den außergewöhnlichen Belastungen in Zeile 61 bis 64 beantragen.



Weitere Informationen zum Thema Frei- und Pauschbeträge finden Sie bei finanztip.de.

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