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Ebay und Co.: Verkäufern drohen gleich drei Steuerarten

Handel auf Ebay und Co.  

Verkäufern drohen gleich drei Steuerarten

04.10.2015, 12:56 Uhr | finanztip.de

Ebay und Co.: Verkäufern drohen gleich drei Steuerarten. Nicht jeder Verkauf auf Internetportalen oder Flohmärkten ist tatsächlich privat - und damit steuerfrei. (Quelle: dpa)

Nicht jeder Verkauf auf Internetportalen oder Flohmärkten ist tatsächlich privat - und damit steuerfrei. (Quelle: dpa)

Wer einmalig seinen Dachboden entrümpelt und überflüssige Sachen verkauft, der hat in aller Regel keine steuerlichen Folgen zu befürchten. Anders ist die Situation, wenn jemand öfter und gezielt Sachen mit Gewinn verkauft.

Um Schwarzhändler bei Ebay, Amazon, Autoscout24 & Co. aufzuspüren, nutzen Finanzbeamte den Webcrawler "Xpider". Darüber sollen nach Angaben der Bundesregierung täglich 100.000 Internetseiten auf steuerlich relevante unternehmerische Aktivitäten durchpflügt werden. Viele steuerpflichtige Geschäfte wurden so bereits identifiziert, wie einige Urteile zeigen. Die Konsequenz: Bei intensiveren Aktivitäten drohen Nachzahlungen in gleich drei Steuerarten – in der Einkommen-, der Gewerbe- und der Umsatzsteuer.

Auch ohne Überschuss steuerpflichtig

Der Übergang zum gewerblichen Händler kann recht schnell und fließend sein. Dabei genügt bereits die Gewinnerzielungsabsicht – auch in Fällen, in denen Sie nicht einmal einen Überschuss erzielen, können Sie daher steuerpflichtig sein. Die Gewinnerzielungsabsicht macht das Finanzamt daran fest, wie viele Sachen Sie in welchem Zeitraum verkaufen. Die Gerichte urteilen immer nur im konkreten Einzelfall – und sehr unterschiedlich.

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So stufte das Landgericht Berlin eine Mutter, die innerhalb eines Monats 80 Kleidungsstücke ihrer vier Kinder verkaufte, als Unternehmerin ein (Entscheidung vom 5. September 2006, Az. 103 O 75/06).

Es gibt jedoch auch großzügigere Richter. Insofern herrscht derzeit etwas Unsicherheit darüber, welches Volumen für eine gewerbliche Tätigkeit bereits ausreichend ist. Der Bundesfinanzhof (BFH) wertete in seinem Urteil vom 26. April 2012 (Az. V R 2/11) 328 Verkäufe binnen eines Jahres als unternehmerische Tätigkeit.

Diese Zahl kann man daher als Anhaltspunkt für ein Überschreiten dieser Grenze nehmen. Im konkreten Fall verkaufte ein Ehepaar über Ebay mehrere Jahre lang Briefmarken, Puppen, Modelleisenbahnen, Kunstgewerbe, Schreibgeräte, Porzellan, Software, Fotoartikel und Teppiche. Die Jahresumsätze schwankten von 2200 Euro bis zu 35.000 Euro aus 287 Verkäufen. Die Richter erkannten hier eine nachhaltige, unternehmerische und damit auch umsatzsteuerpflichtige Tätigkeit.

Recht eindeutig war der Sachverhalt im folgenden BFH-Urteil: Beim Finanzamt ging eine anonyme Anzeige eines "ehrlichen Bürgers" ein, der angab, ihm sei aufgefallen, dass eine Finanzdienstleisterin und ihr Ehemann über die Internet-Handelsplattform Ebay unter verschiedenen Namen mehrere Hundert Stück Pelzware verkauft hätten. Der Hinweisgeber gab außerdem ein Konto der Klägerin an. Die Ermittler stellten für den Zeitraum zwischen 2003 und 2006 mindestens 140 verkaufte Pelzmäntel fest. Konsequenz: Für die Verkäufe musste das Ehepaar nachträglich Umsatzsteuer zahlen, weil sie unternehmerisch tätig wurden (BFH, Urteil vom 12. August 2015, Az. XI R 43/13).

Internetplattformen müssen Steuerfahndung Auskunft geben

Verkäufer sollten sich keinesfalls darauf verlassen, dass umfangreichere Internetverkäufe nicht auffliegen. Finanzbeamte nutzen zum Aufspüren solcher Aktivitäten nicht nur die Suchmaschine. Sie haben auch spezialisierte Fahndungstrupps aufgebaut. Außerdem müssen Amazon, Ebay und andere Plattformen den Steuerfahndern Auskünfte über ihre Verkäufer erteilen. So entschied der Bundesfinanzhof, dass ein Internetdienstleister der Steuerfahndung auf Anfrage mitteilen muss (Urteil vom 16. Mai 2013, Az. II R 15/12),

  • welche Verkäufer mehr als 17.500 Euro Umsatz im Jahr erzielt haben,
  • wie der Name des Verkäufers lautet,
  • wie die Anschrift und
  • die Bankverbindung lauten sowie
  • welche Verkäufe erfolgten; diese sind aufzulisten.

Drei Steuerarten können anfallen

Grundsätzlich können Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer anfallen. Doch wann muss ein Verkäufer Steuern überhaupt zahlen? Steuerpflichten drohen in folgenden Fällen:

  • Eine Sache wird innerhalb eines Jahres weiterverkauft. Wer binnen zwölf Monate mindestens 600 Euro Gewinn aus solchen privaten Verkäufen erzielt, muss den gesamten Betrag versteuern. Liegt der Betrag unter dieser Freigrenze, ist dieser einkommensteuerfrei.
  • Arbeitnehmer, Beamte und Pensionäre dürfen darüber hinaus bis zu 410 Euro aus Nebeneinkünften – etwa aus unternehmerischer Tätigkeit – steuerfrei kassieren. Liegen diese höher, müssen sie in der Einkommensteuererklärung angegeben werden.
  • Wer regelmäßig Dinge verkauft, dem unterstellt das Finanzamt oft Gewinnerzielungsabsicht. Das gilt erst recht, wenn Produkte zwecks Weiterverkauf geordert werden. Liegen einkommensteuerpflichtige Einkünfte vor, so sind für das Jahr 2015 Gesamteinkünfte von 8472 Euro bei einem Ledigen (= Grundfreibetrag) steuerfrei. Darüber greift ein mit steigendem Einkommen höherer Steuertarif.
  • Wer bereits im Vorjahr Umsätze von mehr als 17.500 Euro gemacht hat und im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 50.000 Euro erzielt, ist nicht nur einkommensteuerpflichtig, sondern muss auch Umsatzsteuer zahlen.
  • Bei Gewinnen von mehr als 24.500 Euro kommt noch die Gewerbesteuer obendrauf.

Gewerbeanmeldung und Gewährleistung können Pflicht sein

In den oben genannten Fällen muss zudem ein Gewerbe angemeldet sein. Bei Umsätzen bis zu 17.500 Euro können Sie sich in der Umsatzsteuer auf die Kleinunternehmerregelung berufen. Konsequenz: Die Geschäfte können umsatzsteuerfrei bleiben.

Wer als gewerblicher Händler eingestuft wird, muss außerdem für Sachmängel haften. Für Neuwaren gilt dann eine zweijährige Garantie; für gebrauchte Waren mindestens ein Jahr – und auch nur dann, wenn diese verkürzte Haftung ausdrücklich erwähnt wird. Man sollte also darauf achten, dass die Verkäufe nicht überhandnehmen. Denn als privater Verkäufer darf man die Haftung ausschließen.


Mehr hierzu bei: finanztip.de

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