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Intelligente Stromzähler:Smart Meter kosten Verbraucher wohl mehr als sie nützen

Intelligente Stromzähler  

Smart Meter kosten Verbraucher mehr als sie nützen

29.11.2015, 12:40 Uhr | Von Jens Tartler, Finanztip

Schon ab 2017 sollen die ersten Haushalte in Deutschland verpflichtet werden, einen neuartigen digitalen Stromzähler einbauen zu lassen. Die Umrüstung auf intelligente Stromzähler, auch Smart Meter genannt, ist ein Großprojekt, das sich nach den Plänen der Bundesregierung bis zum Jahr 2032 hinziehen wird.

Die Regierung beruft sich darauf, dass sie mit ihrem Gesetzentwurf zur "Digitalisierung der Energiewende" EU-Vorgaben umsetze. Doch der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) weist darauf hin, dass Privathaushalte in Österreich und den Niederlanden die Umrüstung auf Smart Meter verweigern können - ohne dass Brüssel etwas dagegen hätte.

In Deutschland hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf Anfang November 2015 beschlossen. Der Bundestag kann den Entwurf noch verändern. Der Bundesrat kann bei diesem Gesetz nur Korrekturen vorschlagen, er muss nicht zustimmen. Gibt es keine Änderungen, müssen Verbraucher damit rechnen, dass sie in Zukunft wesentlich höhere Kosten für ihre Stromzähler tragen müssen, ohne einen entsprechenden Nutzen zu haben.

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Wer den intelligenten Stromzähler wann einbauen lassen muss

Ab dem 1. Januar 2017 bekommt jeder Haushalt einen neuen digitalen Stromzähler, falls bei ihm ohnehin der Wechsel des Stromzählers ansteht. Die alten mechanischen Zähler, die sogenannten Ferraris-Zähler, müssen nach 16 Jahren ausgetauscht werden; die schon bisher verbauten elektronischen Zähler nach acht Jahren.
Abgesehen von diesen turnusmäßigen Wechseln müssen folgende Stromverbraucher 2017 intelligente Messsysteme einbauen lassen:

  • Besitzer von Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 7 Kilowatt,
  • Nutzer von Wärmepumpen oder Nachtspeicherheizungen, wenn die Anlagen vom Betreiber des Stromnetzes je nach Belastung des Netzes gesteuert werden können (Fernsteuerung),
  • Unternehmen mit einem Verbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden im Jahr.

Achtung! Bisherige Technik entwertet -- Misslich für Bewohner von Neubauten: Die bereits heute verbauten digitalen Zähler müssen nach einer Übergangsfrist von acht Jahren wieder raus, weil sie nicht zu intelligenten Geräten aufgerüstet werden können. Auch die Besitzer von Photovoltaik-Anlagen müssen die heute zwingend vorgeschriebene Funktechnik zur Fernsteuerung ihrer Anlagen durch die Stromnetzbetreiber wieder ausbauen, wenn der Smart Meter Einzug hält.

Haushalte mit einem Verbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden im Jahr müssen ab dem Jahr 2020 ein intelligentes Messsystem einbauen lassen. Dieses System besteht aus dem neuen digitalen Stromzähler und dem Modul (Smart Meter Gateway), das die Daten an das Unternehmen überträgt, das für die Messung des Verbrauchs zuständig ist. Das ist der sogenannte Messstellen-Betreiber.

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Alle anderen Haushalte bekommen ab 2020 einen modernen Zähler, aber nicht zwingend das Übertragungsmodul. Allerdings können ab dem Jahr 2020 Messstellen-Betreiber und Vermieter beschließen, dass im ganzen Haus ein intelligentes Messsystem eingebaut wird. Die einzelnen Mieter oder Wohnungseigentümer haben kein Veto-Recht.

Wie viel Smart Meter kosten werden

Die heutigen mechanischen Zähler kosten weniger als 15 Euro pro Jahr. Diesen Betrag zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung. Für die neuen digitalen Zähler werden die Stromkunden wesentlich mehr zahlen müssen. Außerdem gehen die digitalen Zähler voraussichtlich schneller kaputt als die alten Ferraris-Zähler.

Die Kosten für die Smart Meter sind nach Stromverbrauch gestaffelt, obwohl die Ausgaben für Anschaffung und Wartung des Zählers unabhängig vom Stromverbrauch sind. Das Bundeswirtschaftsministerium hat folgende Obergrenzen für die Kosten pro Jahr festgelegt:

  • Jahresverbrauch unter 2000 Kilowattstunden: 23 Euro,
  • Jahresverbrauch 2000 bis 3000 Kilowattstunden: 30 Euro,
  • Jahresverbrauch 3000 bis 4000 Kilowattstunden: 40 Euro,
  • Jahresverbrauch 4000 bis 6000 Kilowattstunden: 60 Euro,
  • Besitzer von Photovoltaik-Anlagen und Ladestationen für E-Autos: 100 Euro.

Was Smart Meter bringen sollen

Das Bundeswirtschaftsministerium argumentiert, dass intelligente Stromzähler unverzichtbar für die Energiewende seien. Der Stromverbrauch auch der Privathaushalte müsse sich an die schwankende Erzeugung durch Photovoltaik-Anlagen und Windräder bestmöglich anpassen. Durch Smart Meter entstehe auch ein Smart Grid, also ein intelligentes Stromnetz.

Verbraucherschützer wie der VZBV sehen das anders. Sie vertreten die Auffassung, dass Privathaushalte - anders als Industriebetriebe - nur geringe Möglichkeiten hätten, ihren Stromverbrauch zu verlagern. So sei es zum Beispiel unrealistisch, das Aquarium abzuschalten oder die Waschmaschine in der Nacht laufen zu lassen.

Lohnend für Stromspeicher-Besitzer

Und selbst wenn es in der Zukunft anders als heute lastabhängige Stromtarife für Privatverbraucher geben sollte, die sich nach den im Tagesverlauf schwankenden Börsenstrompreisen richten, wäre das Einsparpotenzial gering. Der VZBV rechnet damit, dass Normalverbraucher höchstens 1 Euro pro Monat sparen könnten. Lastabhängige Tarife für Privatverbraucher werden ohnehin keine sehr hohen Preisunterschiede aufweisen, weil mehr als die Hälfte des Strompreises für Haushalte auf Steuern und Umlagen entfällt.

Lohnend wären Smart Meter und variable Stromtarife nur für Großverbraucher ab 6000 Kilowattstunden im Jahr mit einer Nachtspeicherheizung oder einem Stromspeicher. Solche Speicher haben einige Besitzer von Photovoltaik-Anlagen im Keller.

Auch ein Bericht des Bundestages kommt zu dem Ergebnis, dass es für das intelligente Stromnetz der Zukunft ausreiche, Daten über den Stromverbrauch zusammengefasst für Straßen oder Stadtviertel zu erfassen. Eine viertelstundengenaue Messung für jeden Haushalt sei nicht nötig, um das Netz stabil zu halten.

Wie hoch das Datenschutzniveau ist

Das Bundeswirtschaftsministerium betont, dass es beim Thema Smart Meter schon frühzeitig mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zusammengearbeitet habe. So sei gewährleistet, dass die neuen Zähler so in das intelligente Stromnetz eingebunden würden, dass alle Anforderungen des Datenschutzes und der Datensicherheit erfüllt seien. Damit würden auch Angriffe von Hackern abgewehrt.

Die Verbraucherschützer vom VZBV erkennen an, dass das Datenschutzniveau der künftigen Smart Meter dank des BSI so hoch sei wie in keinem anderen Land in Europa. Die Regeln könnten aber schnell geändert werden - zum Beispiel dann, wenn Unternehmen Interesse an den Daten zeigen. 

Das Wirtschaftsministerium will sicherstellen, dass der Nutzen der Smart Meter für jeden Haushalt höher sein wird als die Kosten. In der Realität wird es anders aussehen: Die intelligenten Stromzähler sind wesentlich teurer als die heutigen Messgeräte. Und der Nutzen wird für fast alle Verbraucher nur gering sein. Von einem Veto-Recht wie in Österreich und den Niederlanden würden wohl viele Menschen Gebrauch machen.

Mehr dazu finden Sie bei Finanztip.

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