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So lässt sich die Geburtstagsparty von der Steuer absetzen

Bewirtungskosten  

Geburtstagsparty von der Steuer absetzen

07.02.2016, 12:05 Uhr | Von Udo Reuß - Finanztip

Bis vor Kurzem galt die klare Regel, dass die Kosten für privat veranlasste Feiern auch genau das sind: Privatsache. Die Feiern konnten nicht von der Steuer abgesetzt werden. Nach zwei steuerzahlerfreundlichen Urteilen, die beide Geburtstagsfeiern betrafen, ist die Rechtslage nun nicht mehr so eindeutig.

Denn in beiden Fällen urteilte das Gericht, dass der Steuerzahler die Kosten doch steuerlich geltend machen kann. Im ersten Fall ging es um einen Steuerberater, der eine Stadthalle gemietet hatte, um gemeinsam mit 46 Kollegen aus seiner Kanzlei sowie 53 Freunden und Familienangehörigen zu feiern. Anlass waren sein 30. Geburtstag und seine offizielle Bestellung zum Steuerberater. Die Gästeliste legte er dem Finanzamt vor.

Feier in privaten und beruflichen Part aufteilen

Für die Bewirtungskosten der Kollegen erkannte der Bundesfinanzhof (BFH) einen beruflichen Anlass an (Az. VI R 46/14). Die Gesamtkosten seien aufteilbar in einen privaten und einen beruflichen Teil. Demnach können die Bewirtungskosten für die Kollegen Werbungskosten sein. Zur Bedingung macht der BFH allerdings, dass die Einladungen nach abstrakten berufsbezogenen Kriterien ausgesprochen werden, zum Beispiel, wenn sie allen Mitarbeitern einer Abteilung oder eines Kanzleistandorts gelten.

Dieses Urteil war ausschlaggebend für einen weiteren Richterspruch des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz (Az. 6 K 1868/13, nicht rechtskräftig). Auch in diesem Fall konnte ein Jubilar die Kosten seines runden Geburtstags als Werbungskosten absetzen. Denn der Geschäftsführer feierte in der Firma zusammen mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern sowie dem Chef des Aufsichtsrats. Die Kosten blieben mit 35 Euro pro Person im Rahmen.

Außerdem gab es später noch private Geburtstagspartys. Auch wenn der Grund der Feier eigentlich privat war, entschied das Gericht daher, dass sie durchaus beruflich veranlasst war.

Das Urteil aus Rheinland-Pfalz geht also noch weiter als die eingangs genannte Entscheidung des Bundesfinanzhofs. Und deshalb hat die Finanzverwaltung Nichtzulassungs-Beschwerde beim BFH eingelegt. Bis dieser entscheidet, ist das Urteil nicht rechtskräftig, und zumindest die Finanzämter in Rheinland-Pfalz werden auf Anweisung ihrer Behörde das Urteil nicht anerkennen.

Das müssen Sie belegen

In aller Regel lassen Sie Ihre Gäste in einer Gaststätte bewirten. Vom Restaurant benötigen Sie eine maschinelle Quittung.

  • Auf dieser müssen alle verzehrten Speisen und Getränke mit Einzel- und Gesamtpreisen aufgelistet sein.
  • Auf der Belegrückseite finden Sie meist ein Feld, auf der Sie den Anlass der Bewirtung und die bewirteten Personen benennen.
  • Diese Rechnung müssen Sie mit Datum unterschreiben.
  • Diese Angaben sind zeitnah zu machen, also innerhalb von circa zehn Tagen.
  • Haben Sie keine gedruckte gastronomische Rechnung, müssen Sie Ort, Tag, Teilnehmer und Anlass der Bewirtung sowie Höhe der Aufwendungen anderweitig schriftlich dokumentieren.

Grundsätzlich gelten für Kleinbetragsrechnungen bis 150 Euro etwas mildere Nachweispflichten. Bei Quittungen über diesen Betrag hinaus sollten Sie sich eine Rechnung ausstellen lassen, in der Sie als Bewirtender namentlich genannt sind.

Einen Versuch ist die Feier wert

Für alle Steuerpflichtigen heißt das: Probieren Sie es einfach. Sammeln Sie die Belege der Bewirtungskosten Ihrer beruflichen Feiern und geben Sie die Ausgaben in der Steuererklärung an - unter Berufung auf das für Sie passende Urteil.

Falls das Finanzamt die Kosten nicht anerkennt, sollten Sie innerhalb eines Monats mit Verweis auf das BFH-Urteil Einspruch einlegen. So können Sie Ihren Steuerbescheid in diesem Punkt offen halten und profitieren von der neuen Rechtsprechung.

Mehr zum Thema finden Sie im Ratgeber bei Finanztip.de.

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