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Steuererklärung 2015: Holen Sie sich Ihr Geld vom Fiskus zurück

Steuererklärung 2015  

Holen Sie sich Ihr Geld vom Fiskus zurück

13.03.2016, 12:04 Uhr | Von Udo Reuß, Finanztip

Obwohl die meisten Arbeitnehmer von einer Steuererklärung profitieren würden, scheuen viele die Abgabe. Dabei ist das mit ein wenig Anleitung oder einer Software viel weniger bürokratisch und aufwendig, als die meisten denken. Und oft kommen Steuerzahler aufgrund einer Rückerstattung von durchschnittlich 875 Euro auf einen stattlichen "Stundenlohn".

Für das Steuerveranlagungsjahr 2011 - das ist die aktuellste Erhebung - nennt das Statistische Bundesamt diese Zahl. Für das Jahr 2015 ist eine höhere Summe zu erwarten.

Wer eine Steuererklärung abgeben muss

Sie müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn Sie im vorigen Jahr Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug von mehr als 410 Euro hatten – dazu zählen zum Beispiel auch Arbeitslosen-, Kurzarbeiter- oder Elterngeld. Das Gleiche gilt, wenn Sie 2015 mehrere Arbeitgeber gleichzeitig hatten und Ihr Einkommen nach Steuerklasse VI abgerechnet wurde.

Auch falls Sie als Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner die Kombination der Lohnsteuerklassen III/V oder IV/IV mit Faktor haben, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Das gilt ebenso, wenn Sie Freibeträge in Anspruch genommen haben oder Einkünfte haben als Selbstständiger, Rentner oder Vermieter, die oberhalb des Grundfreibetrags von 8472 Euro lagen. Für Verheiratete und eingetragene Lebenspartner, die sich gemeinsam veranlagen lassen, gilt steuerlich immer der doppelte Freibetrag, also 16.944 Euro.

Das sind weitere Fälle, in denen Sie eine Steuererklärung ausfüllen müssen:

  • Einer der Partner beantragt die getrennte Veranlagung.
  • Für Kapitaleinkünfte sind noch Kapitalertragsteuer oder Kirchensteuer offen.
  • Im Steuerbescheid 2014 hat das Finanzamt einen Verlust festgestellt.
  • Sie haben 2015 eine Abfindung erhalten, bei der die Lohnsteuer nach der Fünftel-Regelung berechnet wurde.

Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn sie mehr als den Grundfreibetrag von 8.472 Euro einnehmen. Für einen alleinstehenden Rentner, der erstmals 2015 Altersbezüge erhielt, trifft dies bei einer monatlichen Rente von 1.030 Euro zu, weil nur 70 Prozent davon zu versteuern sind - auch in den Folgejahren. Bis gut 1.200 Euro monatlichen Bezügen bleiben diese sogar steuerfrei. Schätzungsweise jeder fünfte Rentenbezieher ist steuerpflichtig.

Wer freiwillig eine Steuererklärung abgeben sollte

Manchen verheirateten Arbeitnehmern wurde 2015 zu viel Lohnsteuer vom Gehalt abgezogen. Ursache war ein Fehler in der Datenbank der Finanzverwaltung, wodurch den Arbeitgebern falsche Steuerklassen übermittelt wurden. Falls Ihre Lohnabrechnungen von Monat zu Monat deutliche Unterschiede aufwiesen, lohnt sich also eine Überprüfung der jeweils angegebenen Steuerklasse. War zwischendurch die falsche eingetragen, sollten Sie sich das zu viel bezahlte Geld per Steuererklärung zurückholen.

2015 stieg der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende um 600 Euro auf 1.908 Euro. Ab dem zweiten Kind gibt es einen Zuschlag von 240 Euro für jedes weitere Kind. Beim Lohnsteuerabzug in der Steuerklasse II wurde dies für ein Kind im Dezember 2015 berücksichtigt. Haben Alleinerziehende mindestens zwei Kinder, sollten sie sich den höheren Steuerabzug mit einer Einkommensteuererklärung sichern. Tipp: Bescheinigung für Rentner -- Ruhegeldbezieher können sich bei der Deutschen Rentenversicherung unter der kostenfreien Telefonnummer 0800-1000-4800 eine nützliche Bescheinigung bestellen. Darin finden sie die steuerlich relevanten Beträge samt Hinweisen, in welchen Zeilen der Formulare "Anlage R" und "Anlage Vorsorgeaufwand" diese einzutragen sind. In den Folgejahren erhalten sie die unter Angabe Ihrer Rentenversicherungsnummer beantragte Bescheinigung dann automatisch.

Sinnvoll ist die Abgabe einer Steuererklärung außerdem, wenn:

  • Sie einen Antrag auf Festsetzung zur Arbeitnehmersparzulage stellen wollen,
  • einen verbleibenden Verlustvortrag feststellen lassen wollen oder
  • nachträglich die Kirchensteuer auf Kapitalerträge angeben möchten, die nicht zusammen mit der Abgeltungssteuer einbehalten wurden. Das gilt für kirchensteuerpflichtige Kapitalanleger, die dem Datenabruf zur Kirchensteuererhebung widersprochen haben.

Neben diesen speziellen Fällen lohnt es sich auch für viele andere Steuerpflichtige, freiwillig eine Steuererklärung abzugeben. Falls Sie als Arbeitnehmer hohe Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen hatten oder wenn Sie Handwerker und Dienstleister in Ihrem Haushalt beschäftigt hatten, bekommen Sie in der Regel einen Teil der Ausgaben als Steuererstattung zurück. Dieses Geld sollten Sie nicht verschenken. Das gilt auch bei Ausgaben für die Kinderbetreuung.

Welche Ausgaben die Steuern mindern

Es gibt eine Reihe weiterer Ausgaben, die Sie absetzen können.

Jede Mehrausgabe über den 1000 Euro Arbeitnehmer-Pauschbetrag zählt

Ihr zu versteuerndes Einkommen als Arbeitnehmer reduziert das Finanzamt immer um die Werbungskostenpauschale. Diese beträgt 1000 Euro, die Sie nicht versteuern müssen. Doch oft ist noch mehr drin. Wenn Ihre beruflichen Ausgaben diesen Pauschbetrag übersteigen, zählt jeder zusätzliche Euro. Arbeitnehmer etwa, die täglich 15 Kilometer zur Arbeit fahren, kommen allein mit ihren Fahrtkosten meist schon über den Pauschbetrag. Diese werden nach der sogenannten Entfernungspauschale mit 30 Cent für jeden Kilometer der einfachen Strecke berechnet.

Fahren Sie beispielsweise an 230 Tagen im Jahr 15 Kilometer zur Arbeit, kommen schon 1035 Euro an Fahrtkosten zusammen. Alle weiteren Ausgaben sind bares Geld wert. Bei einer Fünf-Tage-Woche akzeptieren Finanzämter in aller Regel 220 bis zu 230 Tage für die Entfernungspauschale, bei einer Sechs-Tage-Woche sind es 50 Tage mehr.

Ihre Daten tragen Sie in Anlage N, Seite 2, Zeile 31 bis 39 ein.

Weitere Werbungskosten, die Sie absetzen können

In das Feld "Weitere Werbungskosten" in der Anlage N können Sie alles eintragen, was Sie für Ihren Job oder für die Karriere ausgegeben haben: etwa Fortbildungs- oder Bewerbungskosten. Auch Schreibmaterial, Fachbücher, Zeitschriften, die Sie beruflich benötigen, oder die Mitgliedschaft in einem Berufsverband, dürfen Sie angeben, wenn Sie die Ausgaben belegen können. Nutzen Sie Ihr Smartphone oder Ihren Laptop teilweise beruflich, so können Sie den beruflichen Anteil absetzen. Arbeitsmittel mit einem Anschaffungspreis bis 487,90 Euro dürfen Sie komplett abschreiben, teurere Gegenstände müssen Sie über die Nutzungsdauer abschreiben. Sogar Bewirtungsaufwendungen können Sie unter bestimmten Voraussetzungen geltend machen.

Kontoführungsgebühren erkennt das Finanzamt bis 16 Euro ohne Nachweis an. Mehr dazu finden Sie im Ratgeber Werbungskosten.

Falls Sie ein Arbeitszimmer in Ihrer Wohnung nutzen, können Sie diese Kosten mit bis zu 1250 Euro im Jahr geltend machen. Bedingung: Für die berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Dies gilt beispielsweise für Lehrer und viele Außendienstmitarbeiter. Nutzen Sie das Arbeitszimmer zu mehr als 10 Prozent privat, ist kein Steuerabzug möglich. Außerdem darf es kein Durchgangszimmer sein und es genügt auch keine Arbeitsecke. Ihre weiteren Werbungskosten tragen Sie in Anlage N, Seite 2, ab Zeile 40 ein.

Tipp: Belege sammeln lohnt sich -- Auch wenn Sie zunächst annehmen, dass Sie mit Ihren Werbungskosten nicht über den Arbeitnehmerpauschbetrag von 1000 Euro kommen, sollten Sie schon ab Jahresbeginn sämtliche Quittungen sammeln, die durch Ihr Arbeitsverhältnis entstehen. Denn erst am Jahresende können Sie mit Sicherheit berechnen, wie hoch Ihre Werbungskosten insgesamt ausfallen.

Wenn Sie Ihre Wohnung renovieren

Der Fiskus beteiligt sich an Ihren Sanierungsaufwendungen. Ob Tapetenwechsel, neue Fliesen oder ein renoviertes Bad - Ausgaben für solche Handwerkerarbeiten sollten Sie in Ihrer Steuererklärung eintragen. 20 Prozent des gezahlten Lohns und der Fahrtkosten können Sie direkt von Ihrer Steuerschuld abziehen, maximal 1200 Euro pro Jahr. So können Sie insgesamt Rechnungen bis 6000 Euro zu Ihrem Vorteil nutzen. Die Gerätekosten des Handwerkers fallen ebenfalls darunter, nicht jedoch Materialaufwendungen. Voraussetzung ist, dass Ihnen der Maler oder Fliesenleger eine Rechnung stellt und Sie den Betrag überweisen.

Selbst wenn Sie zur Miete wohnen, können Sie diesen Steuervorteil nutzen. Was Ihr Vermieter an Handwerkerleistungen im Mietshaus auf die Nebenkostenrechnung setzt, können Sie komplett in der Steuererklärung eintragen: Ausgaben für den Hausmeister, die Treppenhausreinigung oder den Winterdienst zum Beispiel können Sie als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen. Legen Sie der Steuererklärung einfach Ihre Betriebskostenabrechnung als Kopie bei (Mantelbogen, Seite 3, Zeile 71). Absetzbar sind neuerdings auch die kompletten Schornsteinfegerkosten (Mantelbogen, Seite 3, Zeile 73).

Hilfe im Haushalt direkt von der Steuer abziehen

Haben Sie 2015 eine Putzhilfe in Ihrer Wohnung beschäftigt? Oder eine Pflegekraft für einen kranken Familienangehörigen? Für solche haushaltsnahen Dienstleistungen können Sie sich ebenfalls einen direkten Steuerabzug sichern. Abzugsfähig sind 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens aber 4000 Euro. Voraussetzungen auch hier: Es liegt eine Rechnung vor und Sie haben den Betrag überwiesen.

Zwei Drittel der Kinderbetreuungs-Kosten sind abzugsfähig

Der eigene Nachwuchs erfordert nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch jede Menge Geld – zum Beispiel für die Betreuung. Die Ausgaben dafür können Sie als Sonderausgaben absetzen und so das zu versteuernde Einkommen mindern. Das gilt für zwei Drittel der Betreuungskosten bis zu 4000 Euro, falls die Kinder jünger als 14 Jahre sind. Ansetzen können Sie beispielsweise die Gebühr für den Hort oder die Kindertagesstätte, für eine Tagesmutter oder eine Hausaufgabenbetreuung zu Hause (Anlage Kind, Seite 3, Zeilen 67 bis 73).

Steuer sparen mit Altersvorsorge und Versicherungen

Seit 2005 gilt für Renten und Pensionen gleichermaßen die nachgelagerte Besteuerung. Das heißt, dass prinzipiell erst in der Auszahlungsphase besteuert wird. Doch bis zum Jahr 2040 gilt der Übergangszeitraum für den Systemwechsel. Zahlen Sie noch Beiträge für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, dann tragen Sie diese in der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Zu den Vorsorgeaufwendungen gehören auch Beiträge für berufsständische Versorgungswerke oder Einzahlungen in Rürup-Verträge. Aktuell können Sie 80 Prozent Ihrer gezahlten Beiträge als Sonderausgaben geltend machen, Alleinstehende maximal 17.738 Euro, Zusammenveranlagte höchstens 35.476 Euro.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen

Ausgaben wie Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (ohne ergänzende Wahlleistungen) gehören zu den Sonderausgaben, die Sie in voller Höhe absetzen können. Dazu zählen auch die private Krankenversicherung oder weitere Versicherungen wie Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und die klassische private Lebensversicherung, sofern sie vor 2005 abgeschlossen wurde. Diese Beiträge können Sie zusätzlich zu Ihren Aufwendungen für die Altersvorsorge anrechnen. Diese Angaben sind in der Anlage Vorsorgeaufwendungen zu machen.

Achtung: Solche Versicherungsbeiträge wirken sich nur aus, wenn Sie die dafür geltenden jährlichen Höchstbeträge von 1900 Euro für Arbeitnehmer und 2800 Euro für Selbstständige nicht schon durch Ihre Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft haben. Das ist allerdings bei den meisten Arbeitnehmern der Fall.

Die Aufzählung geht noch weiter. Ausführlich finden Sie das Thema im Ratgeber bei Finanztip.de.

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