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Zinswende: Wieso die Fed der EZB vorauseilt

Zinsentwicklung in USA und Europa  

Deutsche Anleger müssen "komplett neu denken"

13.12.2017, 07:17 Uhr | Thomas Badtke, t-online.de

Zinswende: Wieso die Fed der EZB vorauseilt. Anders als die Fed beharrt die EZB weiter auf ihrer Niedrigzinspolitik. (Quelle: dpa/Jens Büttner)

Anders als die Fed beharrt die EZB weiter auf ihrer Niedrigzinspolitik. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Die Fed wird die Zinsen noch einmal anheben. 0,25 Prozent sind Experten zufolge eingepreist. Die EZB macht indes weiter keinerlei Anstalten, an der Zinsschraube zu drehen. Das hat Gründe, auf die Anleger achten sollten.

In den USA steht am 12. und 13. Dezember die letzte Sitzung des Offenmarktausschusses der Notenbank Federal Reserve (Fed) in diesem Jahr an. Die scheidende Fed-Präsidentin Janet Yellen wird die dritte Zinsanhebung in diesem Jahr verkünden. Auch die Bank of England (BoE) hat an der Zinsschraube gedreht. Dagegen macht die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin keinerlei Anstalten in diese Richtung.

"Die Zinsrunde in den USA wird wie erwartet ausfallen", kündigt Norbert Hagen, Vorstand der ICM InvestmentBank an. "Eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte ist am Markt eingepreist", sagt auch Michael Gollits, Vorstand der unabhängigen Vermögensverwaltung von der Heydt. "Wir gehen in den USA von einer Erhöhung um 25 Basispunkte aus", so Carsten Riehemann, Mitbegründer der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co.

Eurozone läuft hinterher

Riehemann begründet seine Einschätzung mit einem "kontinuierlichen Wirtschaftswachstum über mehrere Jahre", im 3. Quartal lag es bei 2,3 Prozent. Die Eurozone springt auf diesen Zug derzeit erst auf, im 3. Quartal betrug das Wirtschaftswachstum 2,5 Prozent. "Ähnlich verhält es sich auch bei der Inflation", sagt der Experte. Im 3. Quartal lag die Teuerung in den USA bei 2,2 Prozent, in der Eurozone bei nur 1,5 Prozent.

Für ICM InvestmentBank-Chef Hagen spielt vor allem die Entwicklung am Arbeitsmarkt eine Rolle. Während die Arbeitslosenquote in der Eurozone derzeit 8,9 Prozent beträgt, liegt sie in den USA bei lediglich 4,2 Prozent. "Das ist Vollbeschäftigung", kommentiert Hagen.

Er erläutert: "Die Fed muss auch auf stabile Preise achten, deshalb ist ihr wichtigster Seismograph die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Und dessen Daten signalisieren weitere Zinserhöhungen. 'Je geringer die Arbeitslosenquote, desto mehr', heißt die Regel."

Draghi mauert weiter

Und die EZB? Die hat wie auch die US-Notenbank seit der Finanzkrise 2008/2009 den Leitzins kräftig gesenkt. Seit August 2015 liegt er bei 0,00 Prozent. Laut EZB-Präsident Mario Draghi wird sich daran auch so schnell nichts ändern.

Dazu kam die Politik des "Quantitative Easings", der Aufkauf langfristiger Anleihen durch die EZB, um so den Geschäftsbanken zusätzliche Liquidität zu verschaffen. Derzeit sind es noch 60 Milliarden Euro, die die EZB so in den Markt pro Monat pumpt. Ab 2018 soll das Volumen auf 30 Milliarden Euro sinken. Immerhin. In den USA ist man auch in diesem Bereich bereits weiter, denn die Fed pumpt kein Geld mehr in den Markt, sondern hat begonnen, es zurückzuführen. Derzeit sind es 10 Milliarden Dollar im Monat.

"Momentan scheint es so zu sein, dass die EZB sich wenig von den Entscheidungen der Fed leiten lässt – im Gegenteil", sagt Vermögensverwalter Gollits und führt weiter aus: "Wenn der Zinsunterschied zwischen den USA und der Eurozone weiter zunimmt, dürfte das den Euro-Kurs belasten – und das spielt der EZB in die Karten, denn es dürfte die Konjunktur weiter ankurbeln."

Keine Zinswende absehbar

"Wir sollten in den nächsten Jahren nicht mit signifikant steigenden Zinsen in der Eurozone rechnen", schaut Depotverwalter Riehemann voraus. "Wegen der immensen Staatshaushaltsverschuldung bei ökonomisch wichtigen Ländern wie Italien und Spanien können wir uns in Europa auch überhaupt keine höheren Zinsen leisten", begründet er.

Das sieht auch ICM-Vorstand Hagen so und ist sicher: "In der Eurozone wird es zumindest im kommenden Jahr keine Zinsanhebung geben. Momentan sanieren sich die Staatsfinanzen durch die Nullzins-Politik selbst. Warum sollte Draghi daran etwas ändern?"

Darauf sollten Anleger aufpassen

"Anleger sollten vor diesem Hintergrund nicht 'alle Eier in einen Korb' legen, sondern versuchen, sich breit aufzustellen", rät Depotverwalter Riehemann. "Anleger müssen neue Maßstäbe ansetzen, müssen komplett neu denken. Das Zinsumfeld in der Form war noch nie da, Vergleiche mit der Vergangenheit sind daher schwierig."

"Die wirkliche Gefahr für den Anleger ist, dass es eine nicht vorhersehbare, völlig unerwartete Änderung der Zinsentwicklung gibt", sagt Marktexperte Gollits. Er verweist auf das Jahr 1994: "Da ist die Fed wie ein Cowboy losgerannt, hat sogar zwischen zwei regulären Sitzungen die Zinsen angeboten, hat die Europäer gezwungen nachzuziehen. Und das Ende vom Lied? Am Aktienmarkt hat es so richtig gescheppert."

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