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Gespräche mit dem Wertpapierberater werden künftig aufgezeichnet

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Neue Vorschriften  

Banken müssen telefonische Beratungsgespräche aufzeichnen

03.01.2018, 09:00 Uhr | Jörn Bender, dpa

Gespräche mit dem Wertpapierberater werden künftig aufgezeichnet. Frau am Handy: Telefonmitschnitte von Beratungsgesprächen sollen bei Rechtsstreitigkeiten für mehr Klarheit sorgen. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)

Frau am Handy: Telefonmitschnitte von Beratungsgesprächen sollen bei Rechtsstreitigkeiten für mehr Klarheit sorgen. (Quelle: Jens Kalaene/dpa)

Ein neues Gesetz schreibt vor, dass Kundengespräche im Wertpapiergeschäft künftig mitgeschnitten und archiviert werden. Das soll vor allem zum Wohl der Verbraucher geschehen.

Mehr Verbraucherschutz, mehr Transparenz – das Kürzel "Mifid II" steht nach Einschätzung von Aufsehern für eine kleine Revolution im Bankensektor. Die Kunden der Institute haben in den vergangenen Monaten viel Post dazu bekommen. Was verbirgt sich hinter den Änderungen, die in Deutschland vom 3. Januar 2018 an gelten – und was bringen sie?

Was ändert sich im Anlegerschutz?

Wertpapierkäufer haben künftig Anspruch auf genaue Angaben zu den Kosten eines Finanzprodukts. "Es gibt einen Paradigmenwechsel im Anlegerschutz: Der Hersteller rückt stärker in den Fokus der Regulierung, er soll Verantwortung für das Produkt während der gesamten Laufzeit übernehmen", erklärt Elisabeth Roegele, Leiterin der Wertpapieraufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Warum wird ein Beratungstelefonat aufgezeichnet?

Zudem verlangen die neuen Vorgaben, dass eine Bank jedes Telefonat eines Kunden mit einem Wertpapierberater aufzeichnet und für mindestens fünf Jahre archiviert. Bei möglichen Rechtsstreitigkeiten soll sich so leichter nachvollziehen lassen, ob ausreichend über Risiken aufgeklärt wurde.

Kann der Kunde die Aufzeichnung ablehnen?

Wenn ein Bankkunde nicht einverstanden ist, dass sein Gespräch – entweder in der Filiale oder am Telefon – mitgeschnitten wird, darf die Bank ihn nicht beraten.

Gilt das auch für ein Kundengespräch in der Filiale?

Die Pflicht zur Aufzeichnung – im Fachjargon "Taping" genannt – gilt auch für das Gespräch in der Filiale. Dort kann der Berater aber auch einen schriftlichen Vermerk anfertigen. In der Branche gibt es Sorgen, dass die Pflicht zur Aufzeichnung das Vertrauensverhältnis zum Kunden bei sensiblen Bankgeschäften stören könnte.

Was wird aus dem Beratungsprotokoll?

Das Beratungsprotokoll – von der Branche immer wieder als "Bürokratiemonster" gescholten –  wird ersetzt durch eine "Geeignetheitserklärung". Darin hält der Berater fest, warum er einem Kunden ein bestimmtes Produkt empfohlen hat und warum die Bank das angesichts des persönlichen Risikoappetits und der Kapitalmarkterfahrung des Kunden für geeignet hält. 

Was ist der Hintergrund der Reform?

"Mifid II" ist die Kurzbezeichnung für eine EU-Richtlinie ("Markets in Financial Instruments Directive"). Diese wird nun in deutsches Recht umgesetzt. Hauptziele sind Anlegerschutz und mehr Transparenz in den Märkten. Als Lehre aus der jüngsten Finanzkrise 2007/2008 soll verhindert werden, dass Anlegern riskante Produkte verkauft werden, ohne sie ausreichend über Risiken aufzuklären – Stichwort: Lehman-Zertifikate.

Was verspricht sich die Wertpapieraufsicht davon?

"Für den Kunden wird in der konkreten Beratungssituation künftig einiges besser", sagt Aufseherin Roegele. "Die Kosten einer Geldanlage werden beispielsweise für ihn deutlich transparenter. Wichtig ist, dass er in der konkreten Beratungssituation künftig eine höhere Kostentransparenz hat." 

So müssen Banken und Finanzdienstleister genauer als bislang über die Provisionen und Gebühren informieren. Dazu gehören auch detaillierte Informationen, wie die einmaligen Ausgabeaufschläge, Börsenspesen und Verwaltungsgebühren den Ertrag von Fonds verringern.

Wie viel kostet die Umstellung der Branche?

Der Privatbankenverband BdB rechnet nach früheren Angaben wegen der Neuregelungen mit einmaligen Umstellungskosten von einer Milliarde Euro für die deutschen Banken. Ein Kostenfaktor: Die Technik zur telefonischen Aufzeichnung von Beratungsgesprächen muss in jeder Filiale vorhanden sein, zudem muss die Archivierung des Datenmaterials sichergestellt werden.

Was passiert bei Startschwierigkeiten?

Sollte es im Januar hier und da doch noch haken, trete die Behörde für eine Aufsicht mit Augenmaß ein, versichert Roegele: "Wir erwarten, dass die Institute nachhaltig und hart an der Umsetzung arbeiten. Wir schauen sehr genau darauf, welche Prozesse für die Umsetzung implementiert werden, ob diese zeitnah umgesetzt werden und was gegebenenfalls die Ursachen für eine Verzögerung sind."

Quelle:
- dpa
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)

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