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Weltfrauentag: Männersache Finanzen? "Frauen, traut euch!"

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Männersache Finanzen?  

"Frauen, traut euch!"

08.03.2018, 14:32 Uhr | sm, t-online.de

Weltfrauentag: Männersache Finanzen? "Frauen, traut euch!". Frau am Laptop: Frauen wollen gut verdienen und finanziell unabhängig sein. Geht es aber um die langfristige finanzielle Lebensplanung, nehme viele ihre Zukunft nicht in die eigene Hand.  (Quelle: Getty Images/Peshkova)

Frau am Laptop: Frauen wollen gut verdienen und finanziell unabhängig sein. Geht es aber um die langfristige finanzielle Lebensplanung, nehmen viele ihre Zukunft nicht in die eigene Hand. (Quelle: Peshkova/Getty Images)

Am Anfang war das Klischee: Frauen sind emotionaler als Männer. Frauen handeln weniger rational und eher aus dem Bauch heraus. Nun die nächste Pauschalisierung: Frauen handeln weniger emotional, sie gehen strategisch und strukturiert vor. Passt nicht? Genau!

Diese und weitere Stereotype begleiten seit Jahren das Thema Frauen und Geldanlage. Kein Wunder, bis Anfang der 1960er-Jahre durften Frauen in der Bundesrepublik kein Bankkonto eröffnen und sie brauchten bis Mitte der 1970er-Jahre die Erlaubnis ihres Ehemanns, eigenes Geld zu verdienen. Auch heute sind es in der Regel die Frauen, die im Durchschnitt weniger verdienen, sich um die Kindererziehung kümmern, dafür unterbrochene Karriereverläufe in Kauf nehmen und im Alter von Armut bedroht sind.

Auf der anderen Seite sind Frauen heute so gut ausgebildet wie in keiner Zeit zuvor. Frauen haben zum Sprung angesetzt. Sie wollen gut verdienen und finanziell unabhängig sein. Geht es um die finanzielle Lebensplanung, scheuen viele Frauen jedoch weiterhin zurück, nehmen ihre Zukunft nicht in die eigene Hand. Enthusiasmus beim Thema Aktien oder Fonds? Fehlanzeige. Eine fatale Entscheidung. Denn: Frauen haben auf dem Finanzparkett das bessere Händchen.

Frauenrechte: Frauen durften in der BRD bis 1962 kein eigenes Bankkonto eröffnen oder verwalten. Erst seit 1969 gelten verheiratete Frauen als geschäftsfähig. Die Schlüsselgewalt in finanziellen Angelegenheiten wurde 1976 aufgehoben. Bis 1974 brauchten sie die Erlaubnis von ihrem Mann, arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen. Die Hausfrauenehe wurde juristisch am 1. Juli 1977 aufgehoben. Heißt: Frauen können nicht mehr gezwungen werden, den Haushalt zu führen. Zugleich dürfen sie eine Erwerbstätigkeit ohne Zustimmung des Mannes aufnehmen. Bis zum Jahr 1958 hatte der Ehemann das Recht, das Arbeitsverhältnis seiner Frau fristlos ohne Begründung zu kündigen.

Risikoscheu? Nein, risikobewusst!

Zurück zu den Klischees: Laut Börsenpsychologen begegnen Frauen der Materie Geldanlage mit größerer Vorsicht. Sie sind strukturierter, handeln weniger und wägen ihre Engagements eher ab. Frauen scheuen das Risiko und sind im Vergleich zu Männern weniger empfänglich für heiße Tipps und Börsenbriefe. Auch von volatilen Börsenbewegungen, von Panik oder Gier, lassen sich Frauen weniger beeinflussen. Fehlentscheidungen gestehen sie leichter ein und ändern ihre Taktik. Im Endeffekt fahren Frauen im Durchschnitt mit dieser Strategie eine größere Rendite ein als Männer.

Nun ist das so eine Sache mit Pauschalisierungen. Doch bleibt die Frage: Warum nehmen nicht mehr Frauen ihre finanziellen Belange in die eigenen Hände? Das Thema Frauen und Vermögensplanung ist mit einer großen Hemmschwelle behaftet, betont Grit Dierks-Meyer vom Frauenaktienklub "Das Vierte K" aus Bremen. "Da ist zum großen Teil eine Unsicherheit oder dass gedacht wird: Das ist eine Männerdomäne." Historisch begründete Berührungsängste halten sich hartnäckig.

Seit einigen Jahren haben auch Banken und Finanzberater die Zielgruppe Frauen entdeckt. Doch auch hier treffen diese in der Regel auf männliche Berater. "Es gibt zwar Bankerinnen, die das normale Geschäft machen. Doch nach wie vor gibt es unglaublich wenige Beraterinnen auf dem Finanzmarkt", so Dierks-Meyer und erzählt von einer Bankveranstaltung, auf der sie nur von Männern umgeben war. Alle anderen anwesenden Frauen waren Servicekräfte. "Das ist bedrückend in der heutigen Zeit."

Die Finanzlücke von Frauen: Frauen setzen in ihrer Geldanlage vornehmlich auf klassische Anlageformen wie Sparbuch und Tagesgeld. Damit nehmen sie gerade in der andauernden Niedrigzinsphase nicht nur geringer Renditen, sondern auch realen Wertverlust auf niedrig verzinste Anlagen in Kauf. Für Frauen spielt neben der Sicherheit der Geldanlage aber auch die Verfügbarkeit dieser für Unvorhergesehenes eine größere Rolle. Und dies wird teuer erkauft. Ein langfristiger Vermögensaufbau oder die Vorsorge für das Alter kann so bei Frauen nicht erfolgen.

"Wir sind kein Kaffeekränzchen"

Dass das nicht so bleibt, ist auch Ziel des Frauenaktienklubs "Das Vierte K". Seit 20 Jahren tauschen sich Frauen aus allen beruflichen und privaten Bereichen über Anlagestrategien und die Vermögensplanung aus. "Da wird knallhart gearbeitet", betont Dierks-Meyer. Investiert wird weltweit in Aktien und aktienähnliche Papiere. Jede kann Vorschläge zur Diskussion stellen. Welcher Wert dann den Weg ins Portfolio findet oder abgestoßen wird, wird mehrheitlich entschieden. Information sei dabei das A und O, gewürzt mit einer Prise Bauchgefühl. Mit dieser Strategie hatte "Das Vierte K" in den Jahren nach eigenen Angaben ein besseres Händchen als so mancher Fondsmanager. "Von der Performance haben wir den DAX in nahezu jedem Jahr geschlagen", so Dierks-Meyer.

"Da muss politisch noch viel gemacht werden"

Neben den inzwischen alten Hasen auf dem weltweiten Finanzparkett finden aber auch Börsenneulinge den Weg zum Frauenaktienklub. "Wir erarbeiten uns die Materie gemeinsam", fährt Dierks-Meyer fort. Ein Schritt, um Frauen die Scheu vor der eigenen Vermögensplanung zu nehmen und Wissenslücken nach und nach abzubauen. Das liegt ihr am Herzen: Frauen, die Beruf und Familie zu verbinden suchen, Frauen in gering entlohnten Berufen oder Alleinerziehende. "Wie sollen die sich um die Altersvorsorge kümmern? Da klafft eine Riesenlücke und da muss auch politisch noch ganz viel gemacht werden."

Rentenlücke von Frauen: Wer weniger in die Rentenversorgung einzahlt, bekommt am Ende weniger raus. Eine einfache Rechnung, die für Frauen im Lebensabend in der Altersarmut enden kann. Aktuellen Zahlen zufolge beträgt das durchschnittliche Alterseinkommen von Frauen nur 47 Prozent dessen, was Männer als Ruheständler erhalten. Eine einfache Rechnung: Frauen blicken auf eine Rentenlücke von 53 Prozent. Vor allem bei der betrieblichen Altersvorsorge tut sich mit einer Rentendifferenz von 60 Prozent ein großes Loch auf. Aber auch bei der gesetzlichen Versicherung ziehen Frauen den Kürzeren. Hier beträgt der „Gender Pension Gap“ 45 Prozent. Allein bei der privaten Altersvorsorge haben die Frauen Boden gut gemacht. Hier liegt der Abstand bei 14 Prozent (Quelle: Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion, 18/13119).

So lautet auch die Botschaft von Dierks-Meyer: "Frauen, traut euch! Beschäftigt euch mit dem Thema Finanzen und informiert euch." Nehmt die Geschicke der eigenen Finanzplanung und die Altersvorsorge in die eigene Hand – ob allein oder in der Gruppe. "Frauen, traut euch!"


Verwendete Quellen:
  • Deutscher Bundestag
  • Hans-Böcker-Stiftung
  • Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
  • Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
  • Bankenverband
  • Eigene Recherchen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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