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Hebel für die Altersvorsorge: Ist die Niedrigzinsphase endlich zu Ende?

Hebel für die Altersvorsorge  

Ist die Niedrigzinsphase endlich zu Ende?

29.05.2018, 19:36 Uhr | Thomas Badtke

Hebel für die Altersvorsorge: Ist die Niedrigzinsphase endlich zu Ende?. Niedrige Zinsen: In den nächsten Jahren stehen Aktien weiterhin hoch im Kurs. (Quelle: dpa/chromorange)

Niedrige Zinsen: In den nächsten Jahren stehen Aktien weiterhin hoch im Kurs. (Quelle: chromorange/dpa)

Null Prozent in der Eurozone, 0,25 Prozent in den USA: Seit Jahren zahlen die Sparer die Zeche der Niedrigzinspolitik der Noten- und Zentralbanken. Die Fed hat die Trendwende in ihrer Zinspolitik eingeleitet, der Leitzins liegt mittlerweile bei 1,5 bis 1,75 Prozent. Wird die EZB nachziehen?

Dieser Artikel gehört zu unserem Altersvorsorge-Special. 

Über einen Zeitraum von sieben Jahren lässt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihren Leitzins auf dem Rekordtiefstand von 0,25 Prozent. Im Dezember 2015 beginnt sie dann damit, den Zins in kleinen Schritten systematisch zu erhöhen bis auf derzeit 1,75 Prozent.

Das schürt die Erwartungen auch Millionen deutscher Sparer auf eine Trendwende, eine vorerst endgültige Abkehr von der Niedrigzinspolitik. "In der Eurozone rechne ich in diesem Jahr noch nicht mit höheren Zinsen, allenfalls vielleicht 2019 – aber selbst dann nur eher marginal", sagt Benjamin Feingold, Gründer des Analysehauses Feingold Research. 

"Stand heute muss ich davon ausgehen, dass die Niedrigzinspolitik anhält, nur nicht von einer so expansiven Geldpolitik flankiert wie in den vergangenen Jahren", führt Feingold weiter aus. "Die große Zinswende sehe ich nicht."

Was passiert nach dem Ende der Anleihenkäufe?

Marco Herrmann, Geschäftsführer der Fiduka Depotverwaltung, sieht es ähnlich: "Das Zinsniveau in Europa ist historisch betrachtet sehr niedrig. Das wird sich so schnell auch nicht ändern." Auch Herrmann rechnet erst 2019 mit einem möglichen Zinsschritt durch die Europäische Zentralbank (EZB).

Bis dahin liegt das Augenmerk seiner Ansicht nach weiter auf dem Anleihenkaufprogramm der Zentralbank. Es läuft noch bis September 2018. An den Märkten wird eine Verlängerung derzeit kaum erwartet. "Entweder wird es direkt beendet oder die EZB lässt es in stark reduzierter Form bis Ende Dezember auslaufen", schaut Herrmann voraus. 

"Der wichtigste Anleihekäufer am Markt fällt damit weg", erklärt Norbert Hagen, Vorstand der ICM InvestmentBank. Er schließt einen Zinssprung dennoch aus, obwohl er andere Käufer, die nun einspringen könnten, auf dem aktuellen Renditeniveau nicht sieht.

Für ihn heißt das gleichzeitig: "Auch in den kommenden Jahren können die Zinsen im Langfristvergleich relativ tief bleiben – einem Niveau, das sicher über dem heutigen liegt, aber sich am Ende am Wirtschaftswachstum des Euroraums orientiert. Und da werden die Bäume schon nicht in den Himmel wachsen."

Drei bis vier Prozent – mehr geht nicht

Fiduka-Geschäftsführer Herrmann formuliert es so: "Vor dem Beginn des Anleihenkaufprogramms lagen die Zinsen bei zehnjährigen Bundesanleihen bei rund einem Prozent. Dieses Niveau erwarte ich dann 2019 auch ungefähr wieder." Das sei die kurzfristige Betrachtung, sagt er. "Langfristig haben wir jetzt über 35 Jahre eher fallende Zinsen gesehen, nachdem sie in den 1970ern und 1980ern sehr stark gestiegen waren – inflationsgetrieben.

Das waren aber andere Zeiten", erklärt er und verweist auf zweistellige Zinssätze in den USA und auf acht bis neun Prozent in Deutschland direkt nach der Wiedervereinigung. "Normal sind eher vier bis sechs Prozent langfristig gesehen. Doch diese Renditen werden wir so schnell nicht wieder sehen", unterstreicht er.

Für ICM-Vorstand Hagen ist der Zins noch etwas tiefer "gedeckelt". Der Grund ist der derzeitige wirtschaftliche Umbruch – Stichwort: Digitalisierung. "In solchen Zeiten waren die Zinsen – trotz meist hoher Kreditnachfrage – in der Regel niedrig, weil es per Saldo keine Inflation gab", sagt Hagen. "Das langfristige Mittel der nominalen Renditen lag über lange Phasen der vergangenen zwei Jahrhunderte bei um die vier Prozent. Das sollte uns heute zur Orientierung dienen."

Hagen selbst rechnet mit einem geringeren Prozentsatz: "Ich bin der Meinung, dass wir bei den Renditen zehnjähriger Laufzeiten sogar darunter bleiben. Was dafür spricht, ist neben der Digitalisierung die anhaltende Globalisierung, die auf die Preise drückt."

Sparer müssen Rendite weiterhin suchen

Für die Altersvorsorge bedeutet die auf Sicht von mehreren Jahren weiter anhaltende Niedrigzinsperiode, dass Aktien nach wie vor hoch im Kurs stehen werden. "Blue Chips, also Standardwerte, dazu auch der ein oder andere dividendenstarke Titel", führt Finanzexperte Feingold an. "Zur Beimischung, vielleicht auch in ganz geringem Maße Krypto-Währungen – und zur Absicherung Gold in physischer Form. Da ist man erst einmal gut gerüstet."

Gold als Beimischung ist auch für Fiduka-Geschäftsführer Herrmann ein Thema. Er verweist dabei auf die Krisenstabilität des Edelmetalls und die nach wie vor hohen Verschuldungsquoten vieler Staaten, die durchaus Krisenpotenzial bergen.

"Italien, aber auch die USA sind noch lange nicht über dem Berg, ganz im Gegenteil", sagt Herrmann und warnt Sparer gleichzeitig vor "Lockangeboten, die sechs, acht, zehn Prozent risikofrei versprechen". "Das mag zwar vor allem in Zeiten von Dauerniedrigzinsen verlockend klingen, ist aber schlicht und ergreifend ein Ding der Unmöglichkeit. Also: Finger weg!"

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen 

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