Sie sind hier: Home > Finanzen > Geld >

Girokonto-Vergleich: Verbraucher bleiben weiter im Dunkeln

Girokonto-Vergleich  

Das beste Konto finden – Verbraucher tappen weiter im Dunkeln

Von Sabrina Manthey

27.10.2018, 13:07 Uhr
Girokonto-Vergleich: Verbraucher bleiben weiter im Dunkeln. Geldabheben am Automaten: Ein unabhängiges Vergleichsportal soll ab Ende Oktober den Verbrauchern die Wahl eines passenden Girokontos erleichtern. Dazu kommt es vorerst jedoch nicht. (Quelle: Getty Images/ilkaydede)

Geldabheben am Automaten: Ein unabhängiges Vergleichsportal soll ab Ende Oktober den Verbrauchern die Wahl eines passenden Girokontos erleichtern. Dazu kommt es vorerst jedoch nicht. (Quelle: ilkaydede/Getty Images)

Die Wahl eines passenden Kontenmodells kostet Zeit und oft wird dabei auch Geld verschenkt. Ein Vergleichsportal samt staatlicher Zertifizierung soll Abhilfe schaffen – transparent, umfangreich und kostenfrei. Trotz EU-Vorgaben müssen sich Verbraucher in Deutschland wohl noch Monate gedulden.

Seit 2016 hat jeder Verbraucher das Recht auf ein Girokonto in Deutschland. Auf der Grundlage des Zahlungskontengesetzes (ZKG) steht damit auch sozial schwächeren EU-Bürgern ein Basiskonto auf Guthabenbasis zur Verfügung. Zudem sind Banken seitdem verpflichtet, einen reibungslosen Kontowechsel von Kunden zu einem anderen Geldinstitut zu garantieren und den finanziellen und bürokratischen Aufwand für den Kontoinhaber reduzieren.

Steigende Kosten der Kontenführung

Ein Wechsel der kontoführenden Bank kann in vielen Fällen bares Geld bringen. Denn die Banken drehen vor dem Hintergrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kräftig an der Kostenschraube und optimieren ihre Kontenmodelle. Das Ergebnis für Bankkunden: Konten mitsamt der Zahlungsabwicklung kommen ihnen immer teurer zu stehen. Zugleich wird das Angebot an Kontenmodellen immer undurchsichtiger. Da ist guter Rat teuer. Gut, dass auch dies das Zahlungskontengesetz regelt – eigentlich. Denn Deutschland bekommt es nicht gebacken.

Das regelt das Zahlungskontengesetz:

  • Basiskonto für Jedermann mit grundlegenden Zahlungsfunktionen
  • Erleichterter Kontowechsel innerhalb einer Frist von zwölf Tagen
  • Informationspflicht der Banken über Gebühren und Zinsen von Konten
  • Transparente Vergleichsmöglichkeiten über Kontenmodelle und deren Kosten
  • Anforderungen an Vergleichswebseiten und Informationspflichten von Banken

Vergleichsportal soll Überblick über Kontenmodelle geben

Zwei Jahre nach Inkrafttreten soll nun die letzte Stufe des Zahlungskontengesetzes umgesetzt werden: Mindestens ein zertifiziertes Vergleichsportal soll an den Start gehen, das wechselwilligen Bankkunden einen einfachen, umfassenden, transparenten und kostenfreien Zugang über die am Markt verfügbaren Kontenmodelle gibt. Alles auf einen Blick –  ohne lästige und zeitraubende Suche.

Im Grunde wäre das auch recht einfach: Ab 31. Oktober 2018 müssen Banken einheitlich und leicht verständlich über die Kosten ihrer Kontodienstleistungen informieren. Allerdings gibt es eine Hürde, die Deutschland nicht meistert: die Zertifizierung der Zertifizierer. Und hier wird es kompliziert.

Die vertrackte Sache mit der Zertifizierung

Bankkunden in Deutschland müssen sich wohl noch etwas gedulden mit der geforderten Klarheit im Kontendschungel. Denn es findet sich kein Zertifizierer, der die Vergleichsportale nach Prüfung zertifiziert und ihnen damit den erforderlichen staatlichen Stempel samt Logo verpasst.

Das Problem: Die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH, kurz DAkkS, akkreditiert als staatlich angebundene Zertifizierungsstelle den Prüfer der Vergleichswebseite. Während bekannte Vergleichsportale wie Verivox, Check24 und Biallo bereits in den Startlöchern stehen, findet sich kein Prüfer, der diesen Portalen das Siegel als geprüfte Vergleichswebseite verleiht. Eine Aufgabe, die die DAkkS selbst nicht übernimmt.

Die Vergleiche und Rankings müssen sich auf objektive und klare Kriterien stützen:

  • Verträge mit Zahlungsdienstleistern müssen offengelegt werden
  • Algorithmen zur Vergleichserstellung müssen offengelegt werden
  • Vergütungen der Zahlungsdienstleister oder Dritter dürfen das Ergebnis nicht beeinflussen

Als Zertifizierer kämen Prüfinstitute wie die Dekra oder der TÜV in Frage. Aber die wollen nicht. Das Geschäftsfeld sei aktuell nicht von Interesse, heißt es nahezu einhellig von beiden Seiten. Ein Problem, das von der Bundesregierung anscheinend nicht in Betracht gezogen wurde.

Privatwirtschaftliche Lösung – eine Frage der Monetarisierung

Den EU-Ländern war freigestellt, ob sie einem staatlich oder privatwirtschaftlich betriebenen Vergleichsportal den Vorrang geben. Deutschland entschied sich für die privatwirtschaftliche Variante. Nur muss sich diese unterm Strich für die Anbieter auch auszahlen. Für die Vergleichsportale eher kein Problem. Das bestehende Provisionsmodell für vermittelte Kunden kann weiter betrieben werden. Das dürfte die Kosten für die Lizensierung als staatlich anerkannte Vergleichswebseite mehr als ausgleichen. Zumal das Siegel als geprüfte Vergleichsseite über eine große Anziehungskraft verfügen dürfte.

Dies dürfte wohl kaum auf die Zertifizierer abstrahlen, die den Vergleichsportalen das begehrte Siegel verleihen. Für die Prüfinstitute könnte es bei der reinen Aufwandsentschädigung bleiben. Ein Geschäftsmodell, das wenige Reize bietet. Und so müssen sich die Verbraucher weiter selbst auf die Suche nach dem Girokonto begeben, das ihren Bedürfnissen entspricht.


Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Bundesfinanzministerium
  • Verivox
  • Check24
  • Biallo
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Ihre Meinung zählt!

Wir freuen uns auf angeregte und faire Diskussionen zu diesem Artikel.
Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Gefällt 0 Gefällt nicht0
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
HUAWEI Mate20 Pro für 9,95 € im Tarif MagentaMobil M
zur Telekom
Anzeige
Erstellen Sie jetzt 250 Visiten- karten schon ab 11,99 €
von vistaprint.de
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal