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Verdacht Schneeballsystem: Anklage gegen P+R-Gründer Heinz Roth

Verdacht auf Schneeballsystem  

Anklage gegen P+R-Gründer: Flossen Millionen ins Nichts?

07.02.2019, 13:45 Uhr | sm, dpa

Verdacht Schneeballsystem: Anklage gegen P+R-Gründer Heinz Roth. Containerhafen: Gegen den P+R-Firmengründer wurde Anklage erhoben. Der Verdacht: Aufbau einer Geldpyramide in Milliardenhöhe. (Quelle: Getty Images/Weerasaksaeku)

Containerhafen: Gegen den P+R-Firmengründer wurde Anklage erhoben. Der Verdacht: Aufbau einer Geldpyramide in Milliardenhöhe. (Quelle: Weerasaksaeku/Getty Images)

Nach der Pleite der Containerfirma P+R im März 2018 muss sich der Firmengründer Heinz Roth nun vor Gericht verantworten. Es könnte der größte Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte werden. Die Anleger, zumeist Rentner, bangen derweil weiter um ihr Geld.

Nach dem mutmaßlichen Milliardenbetrug bei der insolventen Containerfirma P&R hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage gegen Firmengründer Roth erhoben. Dem 75 Jahre alten Manager werden 414 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs mit einem Schaden von knapp 18 Millionen Euro vorgeworfen, teilt der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst mit. Es sei nur ein kleiner Teil der "gigantisch großen Anlagesumme" von 3,5 Milliarden Euro berücksichtigt worden.

Der Firmengründer ist die Schlüsselfigur in einem der größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Gesamtschaden übertrifft die jetzt angeklagten Fälle bei weitem. Chefermittler Kornprobst begründete das mit der Komplexität des Verfahrens und der gebotenen Eile. P&R hatte die Vermietung von Containern als Geldanlage angeboten, insgesamt 54.000 Kunden hatten investiert.

Anleger investieren in das Nichts

P+R war der Platzhirsch bei Direktinvestitionen in Seecontainer. Über Container-Leasing-Unternehmen wurden Zehntausenden Anlegern Container verkauft und dann sofort wieder zurückgemietet. Über die mehrjährige Laufzeit der Geldanlage wurden den Anlegern regelmäßige Mietzahlungen sowie zum Vertragsende der Rückkauf der Container durch die P&R-Firmen in Aussicht gestellt – zu vorher vertraglich vereinbarten Preisen.

Nach den Untersuchungen des Insolvenzverwalters Michael Jaffé soll es sich jedoch zu einem beträchtlichen Teil um Scheingeschäfte handeln. Knapp zwei Drittel der angeblich vermieteten 1,6 Millionen Container existierten gar nicht – in den Büchern standen nur 618.000 Container.

Eine Luftnummer in Milliardenhöhe

Der Verdacht schwelte schon länger: Mit dem Geld neuer Kunden wurden oft keine neuen Container gekauft, sondern die vereinbarten Auszahlungen an die Altanleger bedient. Ein klassisches Schneeballsystem. Der Firmengründer verneinte dies jedoch im Zuge des Insolvenzantrags und machte gefallene Containerpreise, sinkende Mieteinnahmen und die Wechselkursentwicklung des Euro zum US-Dollar für die Schieflage des Unternehmens verantwortlich.

P&R könnte damit sogar den Flowtex-Skandal der 90er Jahre übertreffen, den bisher größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Flowtex-Boss Manfred S. – genannt "Big Manni" – und seine Komplizen hatten über 3.000 nicht vorhandene Spezialbohrmaschinen für unterirdische Bauarbeiten verkauft und damit über zwei Milliarden Euro erschwindelt.

Anleger bangen – Insolvenzverwalter will halbe Milliarde realisieren

Roth selbst bezifferte sein Privatvermögen laut einem Gutachten der P&R-Insolvenzverwalter auf 10 bis 13 Millionen Euro. Der Firmengründer hat jedoch die Kontrolle über sein Vermögen verloren, seit Dezember 2018 haben darauf nur noch die Insolvenzverwalter Zugriff. Ob und wie viel die Investoren davon sehen werden, steht noch nicht fest.

Viele der geprellten P&R-Kunden sind Rentner und Pensionäre, die ihre Altersvorsorge aufbessern wollten. Laut Insolvenzverwalter ist fast ein Drittel der Anleger über 70 Jahre alt. Ihr Ruhegeld steht auf dem Spiel. Doch Insolvenzverwalter Jaffé bremste im März 2018 mögliche Erwartungen: "In welcher Höhe Rückflüsse an die Anleger möglich sind, hängt auch von der Marktentwicklung in den nächsten Jahren ab und lässt sich heute noch nicht sagen." Er hofft jedoch, mit der Verwertung der vorhandenen Container noch gut eine halbe Milliarde Euro erlösen zu können.


Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei P&R gab es seit Jahren: Die Unstimmigkeit im P&R-Geschäftsmodell bestand unter anderem darin, dass P&R weit mehr Geld an die Anleger auszahlte als die Containervermietung einbrachte. Von Anlegern gibt es daher Kritik an der Finanzaufsicht Bafin, weil die mutmaßlichen Betrügereien über ein Jahrzehnt unentdeckt blieben.


Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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