Sie sind hier: Home > Finanzen > Steuern >

Steueraffäre: Deutsche Steuerfahnder mit Gestapo verglichen

Steueraffäre  

Deutsche Steuerfahnder mit Gestapo verglichen

21.02.2008, 17:59 Uhr | dpa / AFP/ T-Online, t-online.de

Grenzfluss zwischen Schweiz und Liechtenstein (Foto: imago)Grenzfluss zwischen Schweiz und Liechtenstein (Foto: imago) In der Steueraffäre um Konten in Liechtenstein wird der Ton immer rauer. SPD-Finanzexperte Joachim Poß bezeichnet Liechtenstein als "Schurkenstaat". Und der oberste Schweizer Bankier Pierre Mirabaud vergleicht die deutschen Fahnder mit der Gestapo. Der Banker hat sich inzwischen für den Vergleich entschuldigt. Unterdessen rückt in der Steueraffäre die Rolle deutscher Banken ins Blickfeld der Steuerfahnder.

Steuerfahndung - Deutsche Banken durchsucht
Foto-Serie - Spektakuläre Steuerprozesse
Ex-Post-Chef Zumwinkel - Abgang ohne Abfindung
Steuerhinterziehung - Selbstanzeige kann sich lohnen
Leserbriefe - Stimmen zur Steueraffäre

Banker monieren Geheimdienst-Aktivitäten
Der Schweizer Banker erhob den umstrittenen Vorwurf in einem Interview mit dem französischsprachigen Schweizer Fernsehsender TSR. Die Art, wie sich die Behörden Daten deutscher Kunden liechtensteinischer Banken beschafft hätten, erinnerten ihn "leider an Methoden, die jenen der Gestapo würdig sind", zitierte die Schweizer Nachrichtenagentur SDA Pierre Mirabaud. Laut SDA nannte er seine Äußerungen dann "unglücklich". Er habe lediglich sein Unbehagen über die Methoden ausdrücken wollen, mit denen Geheimdienste gegen befreundete Staaten vorgingen, sagte er demnach. Mirabaud, der in der Führung der Privatbank Mirabaud & Cie. tätig ist, steht seit dem Jahr 2003 an der Spitze des Schweizerischen Bankiersverbands.

 

Privatbanken im Visier
Unterdessen konzentrieren sich die Ermittler auf die Banken, welche die reichen Steuerhinterzieher betreut haben. Bei den Steuerrazzien erhielten in den vergangenen Tagen mehrere Privatbanken Besuch von Steuerfahndern. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" sollen die verdächtigten Institute insgesamt 50 Stiftungen im Fürstentum führen. Der Bochumer Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Krück bestätigte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass es bei den Durchsuchungen von verschiedenen Banken nicht nur um die Konten von Beschuldigten, sondern auch um Bankangestellte ging. Sie werden verdächtigt, Kontakte zu Stiftungen in Liechtenstein gehabt zu haben. Deshalb ermitteln die Behörden wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Bankhaus Metzler bestätigt Ermittlungen
Die Frankfurter Privatbank Metzler bestätigte am Nachmittag, dass gegen drei ihrer Mitarbeiter ermittelt wird. "Im Fokus der aktuellen steuerlichen Ermittlungen standen ursprünglich 16 Geschäftsverbindungen nach Liechtenstein. In maximal 7 Fällen könnten inländische Steuerpflichtige betroffen sein", teilte Metzler mit. Diese Kontoverbindungen seien bereits zwischen 1998 bis 2006 beendet worden. Das verwaltete Vermögen habe insgesamt unter sechs Millionen Euro gelegen. Ein Sprecher der Privatbank Hauck & Aufhäuser sagte, als Bank dürfe man Kunden in steuerrechtlichen Angelegenheiten gar nicht beraten. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) äußerte sich nicht.

Weltweite Steuer-Paradiese - zum Vergrößern klicken (Grafik: dpa)Weltweite Steuer-Paradiese - zum Vergrößern klicken (Grafik: dpa) Liechtenstein hält an Stiftungen fest
Liechtenstein kündigte inzwischen an, trotz der scharfen Kritik aus Berlin an den umstrittenen Stiftungen festzuhalten. "Wir sind der führende Stiftungsplatz", sagte Staatsoberhaupt Erbprinz Alois. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte gefordert, Liechtenstein müsse rasch den Zustand beenden, Deutsche zur Steuerhinterziehung zu animieren. Erbprinz Alois sagte, er wolle das "Pingpong-Spiel" zwischen Berlin und Vaduz nicht fortsetzen. Er räumte ein, dass eine "wirklich unabhängige Finanzkontrolle" oder ein unabhängiger Rechnungshof eingeführt werden müssten. Die bestehenden Kontrollen entsprächen nicht internationalen Standards. Im Fürstentum gibt es nach Angaben des Finanzministeriums bis zu 75.000 Stiftungen. Der Kleinstaat hat dabei rund 35.000 Einwohner.

Urlaub ohne Geldkoffer - So schön sind Europas Steuer-Oasen

Steuergewerkschaft erwartet viele Selbstanzeigen
Die Deutsche Steuergewerkschaft erwartet derweil eine Welle von mehreren tausend Selbstanzeigen von Steuersündern. «Nach meinen Erkenntnissen sind insgesamt mehrere tausend Selbstanzeigen erfolgt beziehungsweise werden noch erfolgen», sagte Gewerkschafts-Chef Dieter Ondracek. Gegenteilige Zahlen seien für ihn nicht glaubhaft.

Interview - In jedem von uns steckt ein kleiner Zumwinkel

Zumwinkel-Bruder zurück in Deutschland
Unterdessen meldete sich der Bruder des wegen der Steueraffäre zurückgetretenen Post-Chefs Klaus Zumwinkel zu Wort. Hartwig Zumwinkel, der auf Mallorca Urlaub macht, sagte dem "Mallorca Magazin", nach seiner Rückkehr in der nächsten Woche plane er kein Treffen mit der Staatsanwaltschaft. "Dieser Steuerfall ist erledigt, insofern, dass er aufgeklärt ist. Ich habe die Vorwürfe aufgeklärt. Die Anwälte müssen Vereinbarungen treffen", sagte Hartwig Zumwinkel. Nach dpa-Informationen haben die Staatsanwälte aber noch Gesprächsbedarf. Ein Haftbefehl gegen Hartwig Zumwinkel soll weiterhin vorliegen.


Mehr zum Thema:
Steueraffäre - Ermittlungen kamen durch eMail ins Rollen
Steuerskandal - BND-Informant angeblich enttarnt
Steueraffäre - Alle Artikel im Überblick

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Sie können alles tragen, wenn Sie Sie sind
MY TRUE ME - Mode ab Größe 44
Anzeige
Jetzt bei der Telekom: Surfen mit bis zu 50 MBit/s!
z. B. mit MagentaZuhause M
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Steuern

shopping-portal