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Steuersparmodelle: Banken werben um Deutschlands Millionäre

Wettbewerb um die Reichen  

Banken zwischen Rendite und Illegalität

24.02.2008, 11:01 Uhr | dpa / T-Online, t-online.de

Banker unter Verdacht (Foto: Archiv)Banker unter Verdacht (Foto: Archiv) Der Wettbewerb um die Reichen macht erfinderisch. Immer mehr Banken, Vermögensverwalter und Steuerspezialisten werben um Deutschlands Millionäre - und bewegen sich dabei nach Einschätzung von Branchenkennern bisweilen am Rande der Legalität.#

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Nein sagen fällt schwer
Die Steuerrazzien bei renommierten Privatbanken wie Metzler, Hauck & Aufhäuser und Berenberg sind bislang zwar Einzelfälle. Doch das Image der edlen und diskreten Vermögensverwaltung hat Kratzer bekommen. "Alles, was Geld bringt, wird von den Banken gemacht", heißt es in der Branche. "Wenn ein Kunde nach Steuersparmodellen fragt, die nicht ganz legal sind, wird so mancher Berater nicht Nein sagen, denn der Druck, Kunden und Gelder zu halten, ist groß", bekräftigt der Frankfurter Bankenprofessor Martin Faust.

 

Deutsche heiß Millionäre umworben
Es geht um Milliardenbeträge: Nach der neuesten Studie von Merrill Lynch/Capgemini gab es 2006 bundesweit 798.000 Anleger mit einem Privatvermögen von über einer Million US-Dollar (rund 674.000 Euro). Um die lukrativen Kunden ringen Privatbankiers, Großbanken wie die Deutsche Bank - aber zunehmend auch ausländische Konkurrenten wie UBS (Schweiz) oder ABN Amro (Niederlande). Ein "Heer von Handlungsreisenden" aus dem Ausland werbe massiv um Deutschlands Reiche, so die Erfahrung des Steuerberaters Michael Bormann von der Berliner Kanzlei bdp: "Banken aus der Schweiz und Liechtenstein werben in großem Stil vermögende Kunden aus Deutschland ab."

Rundumbetreuung hängt von der Anzahl der Nullen ab
Wie sich der Markt in Deutschland aufteilt, kann niemand genau sagen - auch weil die Definitionen, was eigentlich ein Reicher ist, uneinheitlich sind. "Viele Banken weisen darauf hin, dass Vermögensverwaltung bei ihnen ab 500.000 Euro anfängt - aber für eine wirkliche Rundumbetreuung muss der Kunde noch eine Null dranhängen", sagt ein Wirtschaftsprüfer. Nach Schätzungen betreuen bedeutendere Privatbanken wie Metzler und Sal. Oppenheim jeweils ein Gesamtvermögen in zweistelliger Milliardenhöhe. Zu den aktuellen Ermittlungen ließ Metzler wissen, es gehe bei sieben fraglichen Fällen um ein Gesamtvermögen von "weniger als sechs Millionen Euro".

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"Spezialisierte Dienstleistungen" von der Deutschen Bank
Die Frankfurter Privatbank Metzler, deren 333. Jubiläum im vergangenen Jahr gefeiert wurde, wirbt: "Wir steuern Ihr Vermögen nach Ihren Vorgaben." Die Deutsche Bank bietet in ihrem "Private Wealth Management" außer Vermögensverwaltung und Anlageberatung auch "spezialisierte Dienstleistungen" an: etwa Beratung beim Kunstkauf, Regelung von Erbschaften oder Stiftungsmanagement ("Gründen Sie verschiedene Formen von Stiftungen, und vertrauen Sie auf deren Sicherheit").

Angekratzte Reputation der Privatbanken nach Durchsuchungen
"Es ist nicht illegal oder verwerflich, Kunden darauf hinzuweisen, dass sie ihr Geld auch in Luxemburg oder Liechtenstein anlegen können", sagt ein Wirtschaftsprüfer. Ein Sprecher der Privatbank Hauck & Aufhäuser betont: "Über steuerrechtliche Dinge dürfen wir als Bank ohnehin nicht beraten." Gerade für die feinen Privatbankiers wie Metzler - mit Biedermeiermöbeln in der Frankfurter Zentrale und "Metzler-Rauchtee" in Goldrandtassen mit geprägtem "M" - sind Schlagzeilen wie "Fahnder filzen Bankhaus Metzler" Gift. "Das Hauptrisiko für eine Bank wie Metzler ist ein Reputationsschaden", sagt ein Banker.



Weltweite Steuer-Paradiese - zum Vergrößern klicken (Grafik: dpa)Weltweite Steuer-Paradiese - zum Vergrößern klicken (Grafik: dpa) #

Die Suche nach Steueroasen wird weiter gehen
Den öffentlichkeitswirksamen Schlag gegen Steuersünder im Fall Liechtenstein hält mancher gar für Aktionismus mit Blick auf die in Deutschland kommende Abgeltungssteuer. "Es gibt so etwas wie eine Kapitalflucht: Viele Anleger meinen schon jetzt, ihr Geld sei im Ausland besser aufgehoben und das wird durch die Abgeltungssteuer noch zunehmen", sagt Steuerfachmann Bormann. Ab dem 1. Januar 2009 erhebt der Staat eine generelle Steuer von 25 Prozent für Zinsen, Dividenden und Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen. Bankenprofessor Faust meint, das Vorgehen gegen undurchsichtige Liechtensteiner Stiftungen sei ein Kampf gegen Windmühlen: "Die nächsten Steueroasen warten schon - etwa in Singapur oder den Vereinigten Arabischen Emiraten."


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