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Geldanlage: Was bringt die Abgeltungsteuer?

Interview zur Abgeltungsteuer  

„Was bringt die Abgeltungsteuer?“

25.02.2010, 01:00 Uhr | t-online.de, t-online.de

Finanzmarkt-Experte Dr. Daniel Günnewig (Foto: Union Investment)Finanzmarkt-Experte Dr. Daniel Günnewig (Foto: Union Investment) Zum 1. Januar 2009 verschieben sich die Gewichte in der Anlagewelt. Denn mit Einführung der Abgeltungsteuer ändern sich die Grundsätze bei der Besteuerung von Kapitalanlagen.

Fest steht: Ab 2009 wird der Fiskus auf sämtliche Erträge eine einheitliche Steuer von 25 Prozent erheben – zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Dr. Daniel Günnewig, Abteilungsleiter Produktmanagement bei Union Investment, gibt Auskunft über die Konsequenzen und Möglichkeiten, die sich für Anleger aus dieser Steuerveränderung ergeben.

Abgeltungsteuer - Anleger können 2008 noch Steuervorteile nutzen

Herr Dr. Günnewig, müssen Anleger die Abgeltungsteuer fürchten?
Nein, auch wenn die Abgeltungsteuer viele Anleger aktuell verunsichert, so sehe ich die Einführung als steuerlich richtigen Schritt an. Das neue System bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich:

1. Die Abgeltungsteuer ist ein wichtiger Schritt hin zu einer einheitlichen Steuersystematik, da unterschiedliche Arten von Anlageprodukten im Wesentlichen nun gleich besteuert werden.

2. Mit Einführung der Abgeltungsteuer wird somit eine Vereinfachung der Besteuerung der Kapitalerträge erreicht.

3. Positiv wirkt sich die Abgeltungsteuer für Anleger mit Zinserträgen und hohem Steuersatz aus. Bislang wurden Zinserträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. Ab 2009 greift die Abgeltungsteuer. Diese Anleger zahlen somit weniger Steuern als bisher.

Bis zum Eintritt der Abgeltungsteuer vergehen noch knapp sechs Monate, gibt es aktuellen Handlungsbedarf?
Wer noch bis zum 30. Dezember 2008 Investmentfonds erwirbt, genießt den so genannten Bestandsschutz. Dies bedeutet, dass ein etwaiger Gewinn aus der Veräußerung von Fondsanteilen bei einer Haltedauer von mindestens zwölf Monaten steuerfrei bleibt. Somit bietet die neue Regelung einen idealen Anlass, sich sein Vermögen anzusehen und langfristig auszurichten. Fakt ist: Wer die Vorteile der geltenden Besteuerung nutzen möchte, sollte jetzt handeln. Am besten überprüfen Anleger zusammen mit einem Bankberater das Vermögen, um zu klären, ob langfristig die Struktur optimiert werden kann.

Wie wichtig sind steuerliche Aspekte bei dieser Vermögensprüfung?
Die Vermögensprüfung sollte nicht nur unter steuerlichen  Aspekten vorgenommen werden. Viel wichtiger für den Anlageerfolg ist das Verhältnis der einzelnen Vermögensklassen wie Renten-, Aktien- oder Offene Immobilienfonds. Anleger sollten nie alles auf eine Karte setzen und ihr Vermögen streuen.

Wie viel sollte in welcher Anlageklasse investiert werden?
Das hängt vom Zeithorizont und der Risikoneigung jedes einzelnen Anlegers ab. Wer langfristig spart, sollte darauf achten, dass der Aktienanteil in seinem Depot nicht zu klein ausfällt. Denn Aktien sind und bleiben voraussichtlich auch die Anlageklasse mit der höchsten Ertragschance. In der Vergangenheit brachten sie im Schnitt rund acht Prozent pro Jahr.

Wie gut ist der Zeitpunkt, um aktuell Aktien und Aktienfonds zu kaufen?
Aufgrund der vorübergehenden Kursschwäche an den Börsen ist derzeit bei vielen Werten der Einstieg für Anleger attraktiver als noch vor wenigen Monaten. Alles in allem ist es steuerlich günstiger, im Jahr 2008 Fonds nach bisherigem Recht zu kaufen und dann nach der Spekulationsfrist von einem Jahr die Kursgewinne steuerfrei einzustreichen.

Stichwort Vorsorge. Betrifft die Abgeltungsteuer die Riester-Produkte?
Ab 2009 gibt es für Fondssparer weiterhin die Möglichkeit, mit der Riesterrente abgeltungsteuerfrei für das Alter vorzusorgen. Denn Riester-Produkte sind von der Abgeltungsteuer ausgenommen. Aktuell gilt für den maximalen Sparbetrag von 2100 Euro folgende Regelung: Einzahlungen und Kursgewinne werden während des Arbeitslebens nicht versteuert. Erst im Ruhestand müssen Steuern auf die monatlichen Zahlungen abgeführt werden – und zwar auf Basis des persönlichen Einkommenssteuersatzes. Der Vorteil liegt darin, dass der individuelle Steuersatz im Rentenalter meist niedriger ist als im Erwerbsleben und der Anleger vom Zinseszinseffekt profitiert.

Wie lautet Ihr Fazit?
Wie einschneidend die Abgeltungsteuer auch sein mag, mit einem langfristig ausgerichteten Depot und der attraktiven Riesterrente lassen sich auch zukünftig gute Erträge erzielen.

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