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Armutsrisiko in Deutschland steigt

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Armutsrisiko in Deutschland steigt

22.07.2008, 18:13 Uhr | bv, AFP, dpa, t-online.de

Hohe Preise in Deutschland - höheres Armutsrisiko (Foto: ddp)Hohe Preise in Deutschland - höheres Armutsrisiko (Foto: ddp) Die Verbraucherzentralen haben vor zunehmender Verarmung wegen der steigenden Energie- und Lebensmittelpreise gewarnt. "Ich bin sicher, dass die Armutsschwelle bei steigenden Energiepreisen nach oben gehen wird", sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Das Statistische Bundesamt sieht besondere Armutsgefahren für Alleinerziehende und kinderreiche Familien.

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Bis zu einem Viertel von Armut bedroht

Bei den Alleinerziehenden sind durchschnittlich 26 Prozent von Armut bedroht, bei Familien mit drei und mehr Kindern 13 Prozent, so das Statistische Bundesamt am Dienstag in Berlin. In den kinderreichen Familien erhöhe sich das Einkommen in der Regel nur noch durch das Kindergeld, häufig werde zudem nur Teilzeit gearbeitet, hieß es zur Begründung. Besonders hoch ist das Armutsrisiko demnach bei Alleinerziehenden mit drei und mehr Kindern: Hier lag die sogenannte Armutsgefährdungsquote bei 42 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2005.

Arme fangen an, beim Essen zu sparen

Gerd Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagte, die Armutsgefahr gelte auch bei Lebensmitteln. "Wenn die Lebensmittelkosten steigen bei Gruppen, deren Einkommen nicht steigt, wächst die Gefahr der Verarmung. Dann sparen die Leute beim Essen." Diese Gruppe werde größer.

1000 Euro mehr an Kosten im Jahr

Die höheren Energiepreise führen nach Angaben des Verbraucherschützers zu einer großen Mehrbelastung. "Für einen Vier- Personen-Haushalt haben die steigenden Energiekosten dazu geführt, dass er über das ganze Jahr gesehen rund 1000 Euro mehr an Ausgaben für Strom, Heizung und Benzin haben wird als im letzten Jahr", sagte Billen. Es gebe schon jetzt mehrere hunderttausend Haushalte, denen pro Jahr der Strom abgestellt werde.

Bundesregierung soll Energiesparen unterstützen

Der oberste Verbraucherschützer hält ein 20-Milliarden-Euro- Programm zum Energiesparen für nötig, um Konsumenten zu entlasten. "Wir fordern, dass die Bundesregierung hier erheblich mehr Geld in die Hand nimmt, um ein wirksames Klima- und Energieprogramm zu finanzieren", sagte Billen. "Das ließe sich zum Teil mit den Erlösen aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten finanzieren." Mit zehn Milliarden Euro im Jahr könnten Hausbesitzer und Wohnungsbaugesellschaften unterstützt werden. Bei mehr als 15 Millionen Häusern, die saniert werden müssen, reichten keine günstigen Kredite für eine Heizung.

Das Land der alten Kühlschränke

Fünf Milliarden Euro pro Jahr seien im Verkehr nötig. "Statt die Pendlerpauschale auszuweiten, plädieren wir dafür, mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr auszugeben und den Fernverkehr auszubauen." Mit zwei Milliarden Euro solle unter anderem der Ausbau von Fernwärme und dezentraler Stromerzeugung gefördert werden, drei Milliarden sollten in mehr Anreize für Energiespargeräte fließen. "Deutschland ist ein Land mit alten Kühlschränken", sagte Billen. Das Durchschnittsalter liege bei 15 Jahren. Kurzfristig könne ein Durchschnittshaushalt bis zu 20 Prozent Energie sparen, etwa mit Energiesparlampen und dem Abschalten von Geräten über eine Steckerleiste.

Bei der Hälfte der Eltern arbeiten beide

Zur Einnahmenseite von Familien machte das Statistische Bundesamt Angaben. Demnach gingen 2007 deutschlandweit bei 51 Prozent der Familien mit zwei Elternteilen Mutter und Vater einer Erwerbstätigkeit nach. Nach der "klassischen" Rollenverteilung, bei der ausschließlich der Vater arbeiten geht, gestalteten 35 Prozent der Paare mit Kindern ihr Erwerbsleben. Eine wesentliche Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten, insbesondere für Kleinkinder.

Elterngeld wird immer beliebter

Nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes erfreut sich das 2007 eingeführte Elterngeld bei Vätern weiter wachsender Beliebtheit: Der Anteil der Väter, die für die Erziehung ihres 2007 geborenen Kindes Elterngeld erhielten, stieg im ersten Quartal 2008 auf 19 Prozent. Insgesamt wurden von Januar 2007 bis März 2008 720.000 Anträge bewilligt. Die Quote lag damit für den Gesamtzeitraum bei zwölf Prozent. Damit habe sich der Väteranteil gegenüber dem früheren Erziehungsgeld fast vervierfacht.

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