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Millionengeschäft mit Kundendaten

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Millionengeschäft mit Kundendaten

15.08.2008, 16:10 Uhr | lgs, Spiegel Online, dpa, t-online.de

Vorsicht beim Kleingedruckten (Foto: dpa)Vorsicht beim Kleingedruckten (Foto: dpa) Der Skandal um den Handel mit Konto- und personenbezogenen Daten weitet sich aus. Eine Bertelsmann-Tochter soll in die Affäre verwickelt sein. Ein Callcenter in Lübeck steht unter konkretem Verdacht, Adressen und Kontonummern illegal eingekauft zu haben. Ermittler durchsuchten die Büroräume des Unternehmens.

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Daten von Lottokunden missbraucht?

Vor einigen Tagen wurde dem Verbraucherschutz eine CD mit über 17.000 Verbraucherdaten zugespielt. Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein hatte daraufhin Strafanzeige erstattet. Die Polizei führte eine Razzia bei einem Adresshändler in Viersen, Nordrhein-Westfalen, durch.
Ersten Gerüchten zufolge stammten die Daten von Kunden der „Süddeutschen Klassenlotterie“ (SKL). Die SKL prüfe jedoch, ob es sich bei den Daten um Informationen aus den eigenen Beständen handelt.

Viersener Firma nur Zwischenhändler

Möglicherweise handelt es sich bei der Firma in Viersen nur um einen Zwischenhändler, der die Daten weiterverkauft hat. Momentan ermittelt die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft gegen die beiden Geschäftsführer der Firma wegen versuchten Betruges und Verstoß gegen das Datenschutzgesetz.

Geld ohne Erlaubnis abgebucht

In der Vergangenheit hatten als Lottogesellschaften getarnte Firmen über Callcenter Tausende Verbraucher angerufen und in mehreren Fällen ohne Einzugsermächtigung Geld von deren Konten abgebucht. Dabei wurden meist Beträge von rund 50 Euro eingezogen.

Bertelsmann-Tochter versendet illegale Briefe

Anscheinend ist auch ein Unternehmen der Bertelsmann-Gruppe in den Skandal verstrickt. Die Firma BC Bonusclub GmbH, ein Tochterunternehmen der Bertelsmann DirectGroup, verschickte offenbar Begrüßungsbriefe an angebliche Neumitglieder eines Bonus-Clubs. In dem Schreiben sei auch die Kontonummer der Angeschriebenen aufgetaucht, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Die per Brief Angesprochenen versicherten aber, nie zuvor mit der Firma in Kontakt gestanden zu haben.

Konzern: Selbst ein Opfer

Ein Sprecher von Bertelsmann in Gütersloh bestätigte gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel, dass BC Bonusclub offenbar von der Datenklau-Affäre betroffen sei. Allerdings sei das Unternehmen keineswegs in den Skandal verwickelt, sondern selbst davon betroffen. Offenbar nutzten Callcenter, die im Auftrag von Bertelsmann arbeiteten, auch illegale Daten für ihre Anrufe.

Millionengeschäft mit personenbezogenen Daten

Die Nutzung von Verbraucherdaten hat sich inzwischen zu einem Millionengeschäft entwickelt. Firmen geben jährlich rund 50 Milliarden Euro für Werbeanrufe und Werbeschreiben an ihre Kunden aus. Besonderen Stellenwert nimmt dabei die personalisierte Werbung ein. Durch die Verbraucherdaten erhalten die Firmen weitere Informationen über Kunden, zum Beispiel welche Kaufvorlieben sie haben. Daraufhin wird Werbung zielgruppengerecht angepasst.

Kunden stimmen Datenfreigabe oft unbewusst zu

Kunden stimmen oftmals der Freigabe ihrer Daten unbewusst über das Kleingedruckte zu. Ein Großteil der Daten wird über Gewinnspiele, Vertragsabschlüsse aber auch über Shoppinkarten gewonnen. Zudem sammeln auch Auskunfteien, wie die Schufa, zusätzliche Daten über die Kreditwürdigkeit von Kunden und geben diese bei begründeter Anfrage an Dritte weiter. Je detaillierter die Informationen sind, umso besser können Firmen die Daten nutzen.

Telefonwerbung besonders häufig

Werbeformen, die personenbezogene Daten besonders intensiv nutzen, sind die Telefonwerbung und der Versand von personalisierten Briefen. Zwei Drittel aller Werbegelder in Deutschland werden für diese Form von Direktmarketing ausgegeben.

Wie kann ich meine Daten schützen?

Die Frage, ob Kundendaten einfach so weitergegeben werden dürfen, muss leider mit ja beantwortet werden. Denn so lange Kunden der Weitergabe ihrer Daten nicht widersprechen, dürfen diese auch an Dritte übermittelt werden. Verbraucher können sich jedoch bei den entsprechenden Firmen gegen die Weitergabe der Daten aussprechen. Dazu reicht der schriftliche oder telefonische Kontakt zu dem jeweiligen Unternehmen, indem man eine komplette Löschung der Kundeninformation verlangt. Trotzdem: Einmal im Umlauf lässt sich der Weg eigenen Daten nur schwer kontrollieren.

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