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Einschnitte für Wertpapiersparer

Wissenswertes zur Abgeltungssteuer  

Einschnitte für Wertpapiersparer

06.10.2008, 13:27 Uhr | oca, dpa, dpa-tmn, t-online.de

Abgeltungsteuer: Was ändert sich für Sparer und Aktionäre? (Foto: Imago)Abgeltungsteuer: Was ändert sich für Sparer und Aktionäre? (Foto: Imago) Steuern sind nie beliebt, und erst recht keine neuen. Unter Sparern ist im Laufe der vergangenen Monate aber nicht bloßer Missmut, sondern geradezu eine Atmosphäre der Panik entstanden, was die zum Jahresbeginn 2009 kommende Abgeltungsteuer betrifft. Dabei betreffen die grundlegenden Neuerungen Wertpapierbesitzer, deren Zahl in Deutschland in diesem Jahr erneut abgenommen hat. Und für viele werden die Steuern auf ihre Zinserträge sogar niedriger. Unterhalb der Freistellungsgrenze bleibt außerdem alles beim Alten.

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Was ändert sich im neuen Jahr?

Das neue Verfahren "Abgeltungsteuer" löst die alte "Kapitalertragssteuer" ab. Zu den verschiedenen Arten von Kapitalerträgen zählen Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne zum Beispiel von Aktien oder Fonds. Diese Erträge werden bislang steuerlich unterschiedlich behandelt, erläutert die Bundessteuerberaterkammer in Berlin. So werden Zinsen mit dem vollen Betrag zum persönlichen Steuersatz besteuert - er kann je nach zu versteuerndem Einkommen zwischen 15 und 45 Prozent betragen.

Erträge werden einheitlich besteuert

Dividenden sind zur Hälfte steuerpflichtig, und Veräußerungsgewinne bleiben steuerfrei, wenn die Aktien mindestens zwölf Monate gehalten wurden. Von 2009 an werden alle Erträge einheitlich mit 25 Prozent besteuert - zuzüglich Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag, erklärt die Kammer. Es geht also um eine Vereinheitlichung. Für Käufe vor dem Jahreswechsel gilt weiter die alte Regel - erst wer nach dem 1. Januar Aktien oder Fondsanteile erwirbt, muss von seinen Gewinnen 25 Prozent abführen.

Gibt es weiter einen Freibetrag?

Ja. Steuern werden immer erst dann fällig, wenn der Sparerfreibetrag von 801 Euro überschritten wird. Werden geringere Spareinnahmen erzielt und wird für Konten und Depots ein entsprechender Freistellungsauftrag erteilt, muss nichts an den Fiskus abgeführt werden. Die Steuerberater weisen außerdem darauf hin, dass der "Sparerfreibetrag" künftig "Sparerpauschbetrag" heißt, weil mit ihm keine weiteren Werbungskosten in Abzug gebracht werden können. Für gemeinsam veranlagende Ehepaare liegt die Grenze bei 1602 Euro.

Für wen wird die Besteuerung höher?

Abgesehen von der Neuerung bei den Wertpapieren gilt: "Die Besteuerung der Erträge wird sogar günstiger, wenn der persönliche Grenzsteuersatz höher als 25 Prozent liegt", sagt Hartmut Schwab, Vizepräsident der Bundessteuerberaterkammer und Steuerberater in Augsburg. Schon wer als Lediger über ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 15.000 Euro verfügt, erreicht den Angaben nach den Grenzsteuersatz von 25 Prozent. Je höher das zu versteuernde Einkommen, desto höher fällt im Zuge der Steuerprogression der persönliche Steuersatz aus. "Wer also zum Beispiel 30 000 Euro im Jahr verdient und Kapitalerträge nur in Form von Zinsen erzielt, ist ein Gewinner der Neuerung."

Anleger müssen häufiger Steuern zahlen

Wertpapierbesitzer müssen allerdings künftig grundsätzlich häufiger Steuern zahlen. Auch das Fondssparen für die Altersvorsorge ist davon betroffen. "Beachten Sie die Übergangsregeln. Es lohnt sich, noch dieses Jahr zu investieren", sagt Frank Bock vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) in Frankfurt. Denn erst auf Gewinne aus Käufen nach dem Jahresbeginn 2009 wird die neue Regelung angewandt.

Aktieninstitut empfiehlt neues Unterdepot

Bei Sparplänen sollte ebenfalls sauber getrennt werden: Alle Anteile, die vor dem Ablauf des Jahres 2008 ins Depot wandern, unterliegen laut BVI der alten Regelung - die anschließend erworbenen der neuen. Dasselbe gilt für Einmal-Anlagen und direkte Aktienkäufe. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in Frankfurt empfiehlt daher das Eröffnen eines neuen oder eines Unterdepots: Anleger erleichtern sich damit die Verwaltung und die Aufteilung der einzelnen Bestände.

 

Wie verfährt der Fiskus mit staatlich geförderten Verträgen?

Riester-Fondssparpläne oder Rürup-Renten bleiben laut dem Bundesfinanzministerium in Berlin von der Abgeltungsteuer ausgenommen. Denn sie sollten von Beginn ihrer Einführung an ausschließlich der Altersvorsorge und nicht der darüber hinausgehenden Gewinnerzielung dienen. Leistungen aus diesen Verträgen werden - ebenso wie solche aus der betrieblichen Altersversorgung - bei Auszahlung mit dem persönlichen Steuersatz veranlagt.

Kapitallebens- und Rentenversicherungen

Grundsätzlich sind solche Verträge steuerpflichtig, wenn sie nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden. Es ist aber nur die Hälfte des Wertzuwachses zu versteuern, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre gelaufen und der Versicherte bei Auszahlung mindestens 60 Jahre alt ist, erläutert Schwab. "Bei Altverträgen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, ändert die Abgeltungsteuer nichts - sie bleiben wie bisher grundsätzlich steuerfrei."


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