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LESER FRAGEN - EXPERTEN ANTWORTEN

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Frage von Oskar K. zur Besteuerung von Wachstumszertifikaten und Sparbuch-Zinsen (16.10.2008):

Muss ich bei Wachstumszertifikaten (Spareinlagen), die schon über ein Jahr laufen und noch einige Jahre weiterlaufen, jedes Jahr die Zinsen schätzen und angeben und sind darunter jetzt auch schon die Zinsen von 2008 anzugeben? Wie sieht es mit Sparbuch-Zinsen aus, die laufend auf und ab gehen?  - Ich bin Rentner und brauche keine Einkommenssteuer-Erklärung abgeben.


Die Antworten der Experten:

Markus Zschaber (Foto: Archiv)

Markus Zschaber,
Fonds-Experte, Leiter der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft,
Buch-Autor „Abgeltungssteuer - na und!"

Die Abgeltungssteuer greift auf alle Erträge aus Kapitalvermögen. Die Abgeltungssteuer wird als Quellensteuer mit einem pauschalen Berechnungssatz von 25% (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) ab dem 01.01.2009 eingeführt. Ab diesem Datum wird die Versteuerung von Kapitaleinkünften getrennt von allen übrigen Einkunftsarten behandelt. Wichtig für Sie ist das Überprüfen des aktuellen Freistellungsauftrages, der ab dem kommenden Jahr in Sparerpauschbetrag umbenannt wird. Nach wie vor bleibt es bei 801€ für Alleinstehende bzw. 1.602€ für zusammen Veranlagte. Liegen die Erträge über den sogenannten Pauschbeträgen werden diese automatisch mit ca. 25% Abgeltungssteuer (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) besteuert. Liegt der persönliche Steuersatz rechnerisch unter dem Satz der Abgeltungssteuer, so ist es empfehlenswert, eine Steuererklärung beim zuständigen Finanzamt einzureichen und die Erträge aus Kapitaleinkünften zu deklarieren. Die zuständige Finanzbehörde wird nach Veranlagung eine so genannte Günstigerprüfung durchführen und zuviel gezahlten Steuern erstatten.

Sparplanprodukte, die Zinsen über eine gewisse Laufzeit ansammeln und zum Laufzeitende tatsächlich auszahlen bzw. gutschreiben (vgl. auch Bundesschatzbrief Typ B) verlieren ihre Attraktivität, denn die gesamte Versteuerung wird auf den Zeitpunkt der Auszahlung verlagert und reicht der Sparerpauschbetrag nicht mehr aus, wird zu diesem Zeitpunkt auch die Abgeltungssteuer automatisch abgeführt und eine Deklaration in der Steuererklärung wird notwenig.

Unser Tipp: Prüfen Sie die Möglichkeit eine Nichtveranlagungsbescheinigung zu erhalten. Beantragt wird diese auch beim jeweiligen zuständigen Finanzamt. Denn: Liegt eine gültige NV-Bescheinigung vor, so greift die pauschale Abgeltungssteuer nicht. Jedoch sollte zeitig eine neue NV-Bescheinigung beantragt werden, damit auch alle Einkünfte komplett steuerfrei bleiben. Fallen jedoch Erträge in einem Zeitraum an, wo der Hausbank die neue NV-Bescheinigung noch nicht vorliegt, so wird die pauschale Abgeltungssteuer abgeführt. Die zuviel gezahlten Steuerbeträge können dann, wie zuvor dargestellt, nur noch über eine Einkommensteuererklärung zurückgeholt werden.


Andreas Beys (Foto: Archiv)


Andreas Beys,
Steuer- und Dachfonds-Experte, Vorstandsmitglied der Sauren Fonds-Service AG

Ihr Rentnerstatus schützt Sie im ersten Schritt nicht vor einer Besteuerung Ihrer Kapitalerträge. Sollten Sie aber insgesamt ein zu versteuerndes Einkommen haben, welches unterhalb des Existenzminimums liegt, dann empfiehlt es sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt anzufordern und diese dann Ihrer Bank zu übergeben. Ihre Bank wird dann keine Steuern auf Ihre Kapitalerträge einbehalten. Sollten Sie diese Bescheinigung nicht erhalten, dann wird Ihre Bank bei jeder Zinszahlung Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 % plus Soli und eventuell Kirchensteuer einbehalten. Den Gewinn aus dem Wachstumszertifikat wird Ihre Bank erst beim Verkauf mit der Kapitalertragsteuer belasten. Sollten Sie einen individuellen Einkommensteuersatz unterhalb von 25% haben, dann sollten Sie mit der Steuerbescheinigung von der Bank eine Günstigerprüfung beim Finanzamt einreichen, damit Sie nicht zuviel Steuern zahlen.



Dr. Franz-Josef Leven (Foto: Archiv)


Dr. Franz-Josef Leven
Investmentanalyst, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft beim Deutschen Aktieninstitut (DAI), Buchautor

Ab dem ab dem 1. Januar 2009 zufließende Zinsen unterliegen der Abgeltungsteuer. Wenn die Zinsen über das Jahr nicht konstant sind, wirkt sich dies zunächst auf die Höhe der Zinsen aus; je höher die Zinsen, desto höher natürlich auch der absolute der Betrag Abgeltungsteuer, der zu zahlen ist.

Wenn Sie keine Einkommensteuererklärung abgeben müssen, sollten Sie eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen; dann erhalten Sie Kapitalerträge ohne Abzüge ausgezahlt. Wenn diese Bescheinigung nicht vorliegt, empfiehlt sich auf alle Fälle die Abgabe einer Einkommensteuererklärung, da über den persönlichen Einkommensteuersatz hinaus zuviel gezahlte Abgeltungsteuer dann rückerstattet wird.





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