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LESER FRAGEN - EXPERTEN ANTWORTEN

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Frage von Wolfgang H. zur Besteuerung von Exchange Traded Funds (18.10.2008):

Betrifft die steuerliche Behandlung von Exchange Traded Funds (ETF) bei der Abgeltungssteuer: Werden diese Indexaktienfonds wie Aktien behandelt? Oder konkret gefragt: Unterliegen vor dem 1.1.2009 gekaufte ETF - wie Aktien - hinsichtlich etwaiger Veräußerungsgewinne nach dem 1.1.2009 nicht der Abgeltungssteuer und wären somit nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei?


Die Antworten der Experten:

Markus Zschaber (Foto: Archiv)

Markus Zschaber,
Fonds-Experte, Leiter der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft,
Buch-Autor „Abgeltungssteuer - na und!"

Rein von der steuerlichen Betrachtung gibt es keinen Unterschied zwischen einer Aktie, einem Aktienfonds oder einen ETF, denn alle Erträge unterliegen der neuen Abgeltungssteuer. Wichtig zu wissen ist, dass der Gesetzgeber einen einmaligen Bestandsschutz auf Anlagen gewährt, die vor dem 01.01.2009 getätigt werden. Zinsen und Dividenden können nicht von der Abgeltungssteuer befreit werden, jedoch die Kursgewinne, sofern die Investition länger als 1 Jahr gehalten wird und die Spekulationsfrist abgelaufen ist.

Unser Tipp: ETFs bilden in der Regel einen Index, einen Basket oder ein ähnliches Konstrukt nahezu 1:1 wieder. Geht dieser hoch, entwickelt sich auch der ETFs positiv, erleidet der Index einen Verlust, so ist auch die Wertentwicklung negativ. Um langfristig Vermögen aufzubauen und gleichzeitig vor der Abgeltungssteuer zu schützen, sollte ein Vermögensverwaltender Superfonds gewählt werden. Hier sollten bei der Auswahl auf einen entsprechend überproportional erfolgreichem Track Record geachtet werden. Ein guter Vermögensverwalter managt unterschiedliche Lösungsbausteine mit genauem Risikoprofil. Dies ermöglicht es, dass für einen Privatanleger ein genau passendes Lösungskonzept implementiert werden kann, welches zum individuellen Risiko-Rendite-Profil passt. Ein weiterer, unserer Meinung nach unverzichtbarer, Aspekt sollte die Anlagekategorie Superfonds sein. Im Gegensatz zu Dachfonds haben Superfonds die Möglichkeit, je nach Kapitalmarktphase das Fondsportfolio vollständig aus dem Aktienmarkt bzw. Rentenmarkt umzuschichten und beispielsweise eine höhere Geldmarktgewichtung vorzunehmen. So könnte beispielsweise in der aktuellen Marktphase ein konservativer Portfoliocharakter aufgebaut werden, um die Turbulenzen zu umschiffen. Alle zukünftig realisierten Kursgewinne können vom Asset Manager steuerneutral realisiert werden. Somit kann sich der Privatanleger, wenn er in diesem Jahr ein entsprechendes Depot aufbaut, den steuerlichen Bestandsschutz „lebenslang“ sichern.

Des Weiteren bietet eine Superfondskonzeption eine ausgeprägtere Flexibilität in Punkto Anlageklassen und Asset Allokation. Ein wesentlicher Aspekt einer langfristigen, erfolgreichen Wertentwicklung ist die Asset Allokation, welche gepaart mit einem stark fundamental getriebenen Ansatz gerade in turbulenten Börsenphasen einen überproportionalen Mehrwert liefern kann. Durch diesen aktiven Managementprozess kann der Anleger in positiven Marktphasen an der steigenden Wertentwicklung der internationalen Börsen partizipieren. Durch einen  professionellen Managementansatz wird zugleich auch dem Aspekt der Diversifikation Rechnung getragen und das in der Regel sogar auf globaler Investitionsebene.

Für langfristig denkende Privatanleger sollte der vom Gesetzgeber garantierte Bestandsschutz des Steuervorteils im Blickpunkt stehen. Hier ist es wie gesagt sehr ratsam, sein vorhandenes Kapital zur langfristigen „Bewahrung“ jenes Steuervorteils konservativer als bisher anzulegen, um mit Hilfe eines Vermögensverwaltenden Konzeptes so lange wie möglich keine Änderung durch Verkauf in Verbindung mit einem Neukauf realisieren zu müssen, denn bei erneuter Realisierung wird die pauschale Abgeltungssteuer fällig. Da ohnehin ab dem Jahr 2009 jegliche Neuanlagen nicht mehr ohne die Umgehung der Abgeltungssteuer getätigt werden können, ist dann eine Allokation einzelner Zusatzbausteine, z.B. in einer Core-Satellite-Strategie ratsam.


Andreas Beys (Foto: Archiv)


Andreas Beys,
Steuer- und Dachfonds-Experte, Vorstandsmitglied der Sauren Fonds-Service AG

Die Steuerfreiheit auf Veräußerungsgewinne (Mindesthaltedauer 1 Jahr) gilt für Investmentfonds (somit auch für ETFs oder Dachfonds), Anleihen, Einzelaktien, Optionsscheine, Termingeschäfte usw. die der Anleger vor 2009 im Bestand hat (Übergangsregelung/Altfall). Eine eingeschränkte Übergangsregelungen erfahren Zertifikate. Veräußerungsgewinne aus Garantiezertifikaten sind immer steuerpflichtig, egal, wann Sie diese gekauft haben. Veräußerungsgewinne aus Vollrisikozertifikaten sind steuerfrei, sofern Sie diese bereits vor dem 15. März 2007 im Bestand hatten und mindestens 1 Jahr gehalten haben. Haben Sie ein entsprechendes Zertifikat nach dem 14. März 2007 gekauft, so können Sie dieses nur bis zum 30. Juni 2009 steuerfrei veräußern, sofern Sie dieses Papier länger als ein Jahr gehalten haben. Findet der Verkauf nach dem 30. Juni 2009 statt ist der komplette Veräußerungsgewinn der Abgeltungsteuer zu unterwerfen.

Dr. Franz-Josef Leven (Foto: Archiv)


Dr. Franz-Josef Leven
Investmentanalyst, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft beim Deutschen Aktieninstitut (DAI), Buchautor

Alle vor dem 1.1.2009 gekauften Wertpapiere – Aktien und auch Fondsanteile – unterliegen mit Blick auf Veräußerungsgewinne den alten Steuerregeln. Veräußerungsgewinne sind damit steuerfrei. Ausschüttungen des Fonds unterliegen hingegen ab dem 1.1.2009 unabhängig vom Kaufdatum der Abgeltungsteuer.




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