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Finanzvertriebe verdienen auf Kosten der Kunden

Geldanlage  

Finanzvertriebe verdienen auf Kosten der Kunden

20.03.2009, 10:12 Uhr | Manfred Rolfsmeier, AP, AFP, t-online.de

Ob eine Finanzberatung gut oder schlecht ist, merkt man leider oft zu spät (Foto: Archiv)Ob eine Finanzberatung gut oder schlecht ist, merkt man leider oft zu spät (Foto: Archiv) Bei unabhängigen Finanzberatern dürfen Anleger Verbraucherschützern zufolge keine neutrale Beratung erwarten. Der Grund: Bei bestimmten Produkten streichen die Berater satte Provisionen ein, während sie bei anderen leer ausgehen. "Dadurch erhalten die Kunden in der Regel nicht die Anlage, die am besten zu ihnen passt, sondern die mit dem höchsten Verdienst für den Berater", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (VZ-BW).

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Fadenscheinige Argumente

Viele freie Vermittler und Vertriebsorganisationen werben mit dem Argument, sie seien unabhängig und versuchen dadurch vertrauenswürdig zu erscheinen. Die Kunden sollten sich aber auf solche Werbeaussagen nicht verlassen. "Unabhängig heißt hier nur, dass der Berater nicht an Produkte eines einzelnen Unternehmens gebunden ist. Er wird trotzdem seine Provisionen maximieren", erläutert Nauhauser.

 

Hohe Provisionen bei Versicherungen und Fonds

Wie sich das in der Praxis auswirkt, zeigt ein Beispiel der Verbraucherzentrale für eine Einmalanlage von 20.000 Euro. Hier kassiert der Berater beim Verkauf einer Kapitallebensversicherung in der Regel eine Abschlussprovision von 500 Euro. Bei Aktienfonds und bei einem Bausparvertrag über 50.000 Euro sind es jeweils rund 400 Euro. Häufig kommen oft noch regelmäßige Bestandsprovisionen hinzu. Dabei geht es auch ohne diese Kosten. Das gilt beispielsweise dann, wenn der Anleger einen Aktienindexfonds über die Börse kauft, oder sein Geld in Sparbriefen, Bundeswertpapieren oder einem Banksparplan anlegt.

Aggressive Verkaufsmethoden

Auch Volker Pietsch vom Deutschen Institut für Anlegerschutz (DIAS) kritisiert die freien Finanzberater und Vermittler: "Es wird aggressiv verkauft, das Interesse der Kunden ist zweitrangig." An dieser Praxis habe sich auch durch die Finanzkrise nichts geändert, und die Beratung sei sowohl bei freien Vermittlern wie auch bei den Banken genau so schlecht wie zuvor. "Wir erhalten derzeit viele Beschwerden von Kunden, die sich über den Tisch gezogen fühlen. Das ist kein Wunder, denn es werden die gleichen Produkte verkauft wie zuvor, und das Anlagerisiko wird meist relativiert", sagt Pietsch.



Offenlegung gilt nicht für alle

Zwar müssen Finanzberater seit Einführung der Richtlinie Mifid (Markets in Financial Instruments Device) 2007 den Kunden mitteilen, ob sie für den Verkauf bestimmter Anlagen Provisionen erhalten. Die genaue Höhe muss der Berater aber nur auf Nachfrage nennen. Zudem gilt die Richtlinie nicht bei Lebensversicherungen, geschlossenen Fonds und für Finanzberater, die ausschließlich Investmentfonds vermitteln. "Und genau das sind die Produkte, an denen am meisten verdient wird", kritisiert Pietsch.

Beratung oft mangelhaft

Wie mangelhaft die Kundenberatung ist, belegt auch eine Studie im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums, die Ende 2008 veröffentlicht wurde. Sie stellt bei den gesetzlichen Anforderungen an die Sachkunde und die Informations- und Dokumentationspflichten erhebliche Unterschiede fest. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte, dass oft unter dem Deckmantel von Kompetenz und Seriosität ungeeignete Investments als sichere Anlage für die Altersvorsorge verkauft würden.

Neue Standards für Finanzberater geplant

Derzeit arbeitet die Bundesregierung deshalb an neuen Standards für die Finanzberatung. So soll es künftig einen "Routenplaner" geben, der den Anleger genau zu dem Produkt führt, das zu ihm passt. Geplant ist auch ein Beratungsprotokoll, das dem Kunden mitgegeben wird. Ob die geplanten Veränderungen den gewünschten Erfolg haben, ist ungewiss. "Da wäre sicher viel mehr möglich", sagt Pietsch. Daher sei die Faustregel weiterhin, dass sich Kunden nicht dort beraten lassen sollten, wo Finanzprodukte verkauft würden. "Wer eine passende und wirklich neutrale Finanzberatung will, der ist bei unabhängigen Institutionen wie den Verbraucherzentralen am besten aufgehoben", meint Pietsch.


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