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Sparen aus Angst vor der Krise

Privathaushalte  

Sparen aus Angst vor der Krise

14.05.2009, 21:53 Uhr | Thorsten Wiese, dpa, dpa-tmn, t-online.de

Eine Übersicht über die Ausgaben hilft beim Sparen (Quelle: imago images)Eine Übersicht über die Ausgaben hilft beim Sparen (Quelle: imago images) Börsencrash, Kurzarbeit, die schlechteste Wirtschaftsprognose seit Jahren: Vielen Deutschen machen die Nachrichten derzeit Angst. Mancherorts sind sogar Vergleiche zur großen Krise von 1929 zu lesen. Die übliche Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt ist dieses Mal ausgeblieben. Und Arbeitsmarktexperten befürchten, dass einige Hunderttausend ihren Job verlieren werden. Schon jetzt müssen viele den Gürtel enger schnallen. Andere wollen das Sparen bald angehen. Vieles lässt sich dabei tun, ohne dass der Lebensstandard merklich sinken muss. Aber es gibt auch Grenzen im Bemühen, die Haushaltsausgaben zu verringern.

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Haushaltsbuch sorgt für Klarheit

Eine Übersicht bringt das klassische Haushaltsbuch. Darin werden alle Einnahmen und Ausgaben lückenlos über einige Monate dokumentiert. "Wir erleben derzeit eine Renaissance der Haushaltsplaner", hat Kathrin Wirtz vom Beratungsdienst "Geld und Haushalt" des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) in Berlin festgestellt. Bei den Budgetexperten gibt es sie mittlerweile nicht nur auf Papier, sondern auch webbasiert. "Wir beobachten: Die Leute wollen es wissen. Wir hatten steigende Auflagen im vergangenen Jahr."

Fixe und variable Kosten trennen

Auch über die Verbraucherzentralen seien die Planungshilfen erhältlich, selbst eine Ausgabe mit ökologischem Schwerpunkt - einen Planer für den nachhaltigen Haushalt - gebe es mittlerweile. Das deutet bereits an: "Den einen Spar-Tipp gibt es nicht. Das, was dem Einzelnen wichtig ist, ist sehr unterschiedlich", sagt Wirtz. Wer sparen will, müsse zunächst die monatlichen Fixkosten von den variablen Posten trennen. "Fix sind zum Beispiel die Miete, eine Darlehensrate und Versicherungsbeiträge, Abonnements und Mitgliedsbeiträge. Und sie machen unseren Analysen nach rund zwei Drittel des monatlichen Budgets aus", erläutert die Finanzexpertin.

Nur ein Drittel des Einkommens frei verfügbar

Das bedeutet im Umkehrschluss: "Sie können nur über ein Drittel ihres Einkommens frei verfügen", ergänzt Wirtz. "Aber an die Energienebenkosten zum Beispiel kann ich ran." Grundsätzlich zählt sie Wohnen, Ernährung, Kommunikation und Verkehr zu den eher veränderbaren Ausgabenpunkten - also Hausrat, Reparaturen, Nahrungsmittel, Genussmittel, Restaurantbesuche, Bekleidung, Kino und Theater, Benzin, Geschenke und Haustiere. Diese Liste zeigt: Allzu viele Ausgaben, die ohne große Einschränkungen zu verringern sind, gibt es nicht. Aber vorhandene Möglichkeiten sollten genutzt werden.

Bankverkehr und Versicherungen

Andrea Hoffmann von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig schätzt die Haftpflichtversicherung als essenziell ein. Eine Rechtsschutz- oder Glasbruchversicherung müsse das dagegen nicht sein. "Und auch bei den notwendigen Policen kann ich sparen - durch Anbietervergleich und -wechsel." Wer bereit ist, bestimmte Bedingungen in Kauf zu nehmen - etwa die Online-Verwaltung -, könne auch die Gebühren für das Girokonto auf Null drücken.

Lebensmittel

Auch wenn die Eltern ihren Kindern einbläuen, am Essen solle nicht gespart werden, birgt das Einkaufsverhalten vieler Menschen doch großes Einsparpotenzial. "Einen Einkaufszettel zu schreiben hilft wirklich sehr - man tätigt weniger unnütze Einkäufe", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Er rät, bei den Grundnahrungsmitteln genau hinzusehen. "Wasser kann ich wirklich unbedenklich beim Discounter kaufen. Da gibt es keinen großen Qualitätsunterschied. Und grundsätzlich ist das Trinkwasser in Deutschland so gut untersucht, dass ich es auch aus der Leitung trinken kann." Das sei natürlich am günstigsten.

Discounter oder Marke

Auch Weißmehl, Zucker, Pasta und Reis seien beim Discounter nicht schlechter. Und die Handelsmarken der übrigen Supermärkte stünden den stark beworbenen Marken in nichts nach. "Das sind Standardprodukte, die einer starken Kontrolle unterliegen", erläutert Valet. Dasselbe gelte für Süßigkeiten. Auch bei der Milch seien die Qualitätsunterschiede "nicht elementar". Beim Joghurt aber rät er zur Auswahl: Handelsmarken seien ebenso gut wie andere. Den "probiotischen Joghurt" aber könne man sich sparen - ein normaler Joghurt habe ebenso gute Auswirkungen auf die Darmflora.

Beim Brot oder Fleisch lohnt sparen nicht

Beim Brot dagegen lohnt es sich seiner Einschätzung nach, einen Euro mehr auszugeben. Und wer bei Fleisch, Obst und Gemüse Frische und Qualität will, bekomme sie zu Cent-Preisen in aller Regel nicht. Wurst und Käse müssten allerdings an der Supermarkt-Theke nicht besser sein - auch diese Ware kommt, ebenso wie die verpackte, vom Großhandel. Der Unterschied bestehe darin, ob der Markt eine eigene Fleischerei hat, sagt Valet. Andernfalls sei die Ware aus der Kühltheke nicht unbedingt schlechter - Präsentation und Bedienung machten den Unterschied.

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