Sie sind hier: Home > Finanzen >

Teure Pflegeheime müssen nicht besser sein

Pflege  

Teure Pflegeheime müssen nicht besser sein

07.08.2009, 10:17 Uhr | jdc, AFP, t-online.de

Teure Pflege muss nicht unbedingt besser sein (Quelle: dpa)Teure Pflege muss nicht unbedingt besser sein (Quelle: dpa) Teure Pflegeheime sind nicht zwangsläufig besser als günstige Anbieter. Das liegt unter anderem an mangelndem Wettbewerb zwischen den Heimen. Dies ist ein Ergebnis des neuen "Pflegeheim Rating Reports", den das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Berlin vorstellte.

Ratgeber -
Ratgeber -
Wahltarife 2009 - Gesetzliche Krankenkassen vergleichen

Ostdeutsche Pflegeheime günstiger

Zwar sind dem Bericht zufolge teurere Heime baulich besser ausgestattet und bieten auch eine bessere soziale Betreuung. Bei der Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit, der Sondenernährung oder der Versorgung von Demenzkranken schnitten sie jedoch nicht nachweisbar besser ab als günstige Anbieter. Auch regional seien die Preisunterschiede enorm. Besonders teuer seien Heime unter anderem in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, während sie in Ostdeutschland und Niedersachsen günstig sind.


Erhöhte Insolvenzgefahr für jedes siebte Heim

Im Vergleich zum Jahr 2007 hat sich die wirtschaftliche Lage der Pflegeheime kaum verändert. Für jedes siebte der insgesamt rund 11.000 Heime besteht demnach eine erhöhte Insolvenzgefahr, 72 Prozent befinden sich finanziell im grünen Bereich. Bis 2011 rechnen die Experten wegen der Finanzkrise und der sinkenden Auslastung mit einer leichten Verschlechterung der Lage. Langfristig sei aber eine stabile Situation zu erwarten. Risiken sieht der Report allerdings in einem hohen Mindestlohn für Pflegekräfte und dem damit verbundenen Kostenanstieg sowie im Preisdruck durch einen stärkeren Wettbewerb.

Fokussierung auf Patientengruppen

Nach Ansicht der RWI-Experten sollten sich Heime künftig stärker auf die Bedürfnisse bestimmter Patientengruppen einstellen. Je nach Budget des Pflegebedürftigen seien beispielsweise Standard- und Premiumpakete mit Zusatzleistungen denkbar.

Ab Juli Schulnoten für Pflegeheime

Künftig gelten für alle Pflegeheime neue Qualitätsprüfungen. Ab Juli sollen die ersten Heime mit Schulnoten bewertet werden. Darauf hatten sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Heimträger geeinigt. Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) sollen dann jedes Heim jährlich unangemeldet kontrollieren und dabei einen Katalog von 82 Einzelpunkten abfragen. Am Ende steht eine Gesamtnote, die sich an das Schulnotensystem anlehnt.

Kritik am Schulnotensystem

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) kritisierte das Verfahren als "sehr mangelhaft". Die tatsächliche Pflegequalität von Heimen werde verschleiert, weil aus Einzelnoten für vier Teilbereiche eine Durchschnittsnote ermittelt werde, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montagsausgabe). "So entsteht keine echte Transparenz."

Bundesgesundheitsministerium verteidigt Noten

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums wies die Kritik zurück. Eine gute Versorgung mit Essen und Trinken zum Beispiel könne auf keinen Fall eine schlechte Pflegequalität aufheben, weil diese "viel stärker gewichtet wird", sagte sie vor Journalisten in Berlin. Laut Ministerium sollen die Erfahrungen mit den Prüfkriterien bis Ende 2010 außerdem wissenschaftlich ausgewertet werden und dann in das Bewertungssystem einfließen.

Schnelle Erstorientierung durch die Schulnoten

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, betonte, die Pflegenoten ermöglichten eine schnelle Erstorientierung. Durch die 82 Einzelkriterien sei dann auch eine differenzierte Bewertung möglich. "So viel Transparenz, wie wir jetzt bekommen, gab es in diesem Bereich noch nie", betonte Lanz.


Weitere Themen:
Soziales - Pflegeheim-TÜV bleibt in der Kritik
Sozialversicherung - Pflegeversicherung bald doppelt so teuer?
Rente - Pflegekasse zahlt unter Umständen keine Rentenbeiträge

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
New Collection - Daisies & Stripes
bei TOM TAILOR
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal