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Steuerbetrüger Zumwinkel lässt sich Zeit

Steuerbetrüger  

Steuerschuld: Zumwinkel lässt sich Zeit

28.08.2009, 02:46 Uhr | Financial Times Deutschland

Ex-Post-Chef und Steuersünder Klaus Zumwinkel (Foto: imago)Ex-Post-Chef und Steuersünder Klaus Zumwinkel (Foto: imago) Das Landgericht Bochum wartet immer noch auf eine Million Euro vom früheren Post-Chef. Doch der lässt sich Zeit - und das Geld für sich arbeiten.

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Zumwinkel: Ganz großes Kino

And the Oscar goes to ... Klaus Zumwinkel. Bravo! Beste Hauptrolle in dem Gerichtsepos um hinterzogene Steuermillionen. Schauspielerisch eine Meisterleistung. Ganz großes Kino eben. Die Silberlocke akkurat gescheitelt, milchige Augen hinter goldgerahmtem, geschliffenem Glas, die Stimme dünn, fast gebrechlich.

Frei verfügbares Kapital? Nein!

An diesem 26. Januar 2009 legt der Ex-Post-Chef im Saal C 240 des Bochumer Landgerichts sein Geständnis ab: "Das war der größte Fehler meines Lebens. Zu diesem Fehler stehe ich." Dramaturgische Pause. "Ich will hier reinen Tisch machen." Absolut glaubwürdig. Wie es mit seinen Vermögensverhältnissen aussehe, will der Richter wissen. Immerhin richtet sich danach eine mögliche Strafe. Acht Millionen Euro in Aktien und Anlagen. Fünf Millionen Euro die Burg am Gardasee, zählt Zumwinkel auf. Alles? Ach ja: "Ein Motorboot auf dem Gardasee. Ein Audi und so 'n Geländeauto von BMW." Frei verfügbares Kapital? Nein!

Zahlung bis zum 31. Dezember 2009

Als der Richter am Ende des Prozesses das Strafmaß verkündet, zwei Jahre auf Bewährung und eine Auflage von einer Million Euro, räumt er dem Mann im Büßergewand eine verhältnismäßig lange Frist bis zum 31. Dezember 2009 ein, um das Geld zu zahlen. Immerhin ist das Vermögen langfristig angelegt, muss er annehmen. Dem Gericht obliegt es, je nach Leistungsfähigkeit des Verurteilten den Zeitraum der Zahlung festzulegen.

20 Millionen Euro Pension auf einen Schlag

Was der Richter zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Zumwinkel hatte sich bereits seine Pensionsansprüche bei der Post auszahlen lassen. Auf einen Schlag. Schlappe 20 Millionen Euro. Die Liquidität dürfte also gegeben gewesen sein. Am Mittwoch bestätigte die Post nochmals auf Anfrage, dass Zumwinkels Pensionsansprüche "im vergangenen Jahr vertragsgemäß vollständig ausbezahlt" wurden. Also vor dem Prozess. Wie war das noch mal? "Ich will hier reinen Tisch machen."

22.500 Euro Postbank-Zinsen

Ein gewisser Geiz wurde Zumwinkel ja bereits des Öfteren nachgesagt. Dass er aber jetzt die fällige Strafe so lange herauszögert, um noch ein paar Zinsen einzustreichen, ist schon verwunderlich. Hätte er die eine Million zu den gängigen Konditionen bei der Postbank aufs Sparbuch gelegt, wäre er gerade mal 22.500 Euro reicher geworden.

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