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Geldanlage: Unterschrift unter Beratungsprotokoll birgt Risiken

Anlageberatung  

Experten: Bank-Beratungsprotokoll nicht unterschreiben

06.01.2010, 09:27 Uhr | APD, dpa-tmn, dpa-tmn, dapd, t-online.de

Bankberatung: Seit 1. Januar ist ein Beratungsprotokoll vorgeschrieben (Foto: Archiv)Bankberatung: Seit 1. Januar ist ein Beratungsprotokoll vorgeschrieben (Foto: Archiv) Für Bankkunden gelten seit dem 1. Januar neue Regeln bei der Geldanlage. So sind die Berater gesetzlich verpflichtet, den Kunden vor dem Abschluss eines Vertrages ein umfangreiches Protokoll des Beratungsgesprächs mit allen wichtigen Details auszuhändigen. Auf diese Weise sollen Anleger besser vor Falschberatung geschützt werden. Verbraucherschützer bezweifeln jedoch, ob sich die Anlageberatung durch die neuen Vorschriften verbessert. Sylvia Beckerle, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, rät sogar dazu das Beratungsprotokoll nicht zu unterschreiben.

Unterschrift könnte zum Bumerang werden

Laut Beckerle sei nur der Bankmitarbeiter zur Unterschrift gesetzlich verpflichtet, nicht aber der Kunde. Sie warnt davor, dass durch eine Unterschrift das Protokoll für Anleger "zum Bumerang werden" könnte: "Dadurch kehrt sich die Sache um. Man würde anerkennen, dass der Wortlaut des Protokolls richtig ist." Das sei besonders problematisch, wenn Kunden das Protokoll nicht genau durchlesen. Überdies sei noch fraglich, was passiert, wenn der Bankmitarbeiter das Beratungsprotokoll nicht unterschreibt. Es werde im Einzelfall zu sehen sein, ob sich der Kunde dann trotzdem auf das Protokoll berufen kann, zum Beispiel wenn er von einem Anlagevertrag zurücktreten will. Denn laut Gesetz sei es in diesem Fall ungültig.

Berater könnten Protokollpflicht umgehen

Andere Experten befürchten, dass einige Berater die Protokollpflicht umgehen könnten, indem sie den Kundenkontakt nicht als Beratungs-, sondern als Vermittlungsgespräch verbuchen. Denn bei einer Vermittlung müssen sie nicht sicherstellen, dass ein Produkt zum Kunden passt. "Aufgeklärte Bankkunden können die Falle leicht umgehen, indem sie genau aufpassen, was sie unterschreiben", sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest. Ein Beratungsgespräch komme nämlich schon dann zustande, wenn der Kunde bei der Bank nach einem bestimmten Produkte frage. "Nur wenn er vertrauensselig unterschreibt, dass er 'auf eigenen Wunsch' ein Produkt erwerben möchte, ist die Bank als Vermittlerin aus der Protokollpflicht entlassen", betont Tenhagen.

Banken befürchten Formalisierung durch Protokoll

Die Kreditinstitute halten selbst nicht viel vom Beratungsprotokoll. So bemängelt der Deutsche Sparkassen und Giroverband (DSGV), dass es lediglich zu einer "extremen Formalisierung der Kundengespräche" führt. Qualitative Verbesserungen bei der Beratung würden die neuen Vorschriften nicht bringen, heißt es hier.

Protokoll erwähnt Erfahrung des Kunden mit Finanzprodukten

Dabei will der Gesetzgeber mit dem neuen Protokoll den Kunden besser vor Falschberatung seitens der Banken schützen. Genannt werden muss darin unter anderem der Anlass der Beratung und auf wessen Initiative es zustande kam sowie die Gesprächsdauer, da sie einen Hinweis auf die Qualität der Beratung geben kann. Hinzu kommen Angaben zu den persönlichen Verhältnissen des Kunden. Dazu zählen seine Erfahrungen mit Wertpapieren, Kenntnisse des Finanzmarktes sowie seine finanziellen Verhältnisse.

Anlageziele des Kunden wichtig

Ein wichtiger Punkt sind die Anlageziele des Kunden. Will er beispielsweise eine sichere Anlage, gleichzeitig aber eine hohe Rendite, muss sich das aus dem Protokoll ergeben. Und der Berater muss alle im Gesprächsverlauf genannten Empfehlungen nennen und begründen, warum die ausgewählten Produkte für den Kunden empfehlenswert sind. Dazu zählt auch die Angabe der Produkte, die im Gesprächsverlauf wieder verworfen wurden.

Besondere Vorschriften für Telefonberatung

Besondere Vorschriften gelten für telefonische Beratungen, die immerhin 70 Prozent der jährlich acht Millionen Kundenberatungen der bei Banken und Sparkassen ausmachen. Hier muss dem Kunden das Protokoll umgehend per Post zugesandt werden. Auf ausdrücklichen Kundenwunsch kann der Geschäftsabschluss auch vor dem Erhalt erfolgen. Für den Fall, dass das Protokoll fehlerhaft ist, muss dem Kunden aber ein Rücktrittsrecht innerhalb einer Woche nach dem Erhalt einräumen.

Verlängerte Verjährung bei Falschberatung

Seit dem 1. Januar gilt zudem eine verlängerte Verjährungsfrist bei Falschberatungen. Statt der bisherigen Verjährung nach drei Jahren beginnt die Frist erst zum Abschluss des Jahres, in dem der Kunde von dem Beratungsfehler erfährt. Allerdings sind spätestens zehn Jahre nach der Falschberatung alle Ansprüche verfallen. Die neuen Vorschriften gelten nicht nur für Banken und Sparkassen, sondern auch für Finanzdienstleister und alle Anlageberater, die gewerbsmäßig Empfehlungen zu Aktien, Zertifikaten oder anderen Wertpapieren abgeben. Ein einheitliches gestaltetes Formular für das Protokoll wird es übrigens nicht geben. Die Institute gestalten die Formulare jeweils selbst.

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