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Falschgeld: Geldfälscher drucken auch auf Klopapier

Devisen  

Geldfälscher drucken auch auf Klopapier

19.07.2010, 15:09 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

Falschgeld: Geldfälscher drucken auch auf Klopapier. Zahl der beschlagnahmten 'Blüten' erneut gestiegen

Zahl der beschlagnahmten 'Blüten' erneut gestiegen

Es ist eine besondere Blüte gewesen, die eine Dame aus Leipzig im Februar von ihrem Geburtstagsblumenstrauß pflückte: Ein falscher 50-Euroschein, gedruckt auf Toilettenpapier. Schon das Einstecken in die Hosentasche überstand die Blüte nicht unbeschadet, und schließlich brachte die Dame den zerfransten Schein zur Leipziger Bundesbankfiliale. Dort wollte sie ihn als beschädigt melden und Ersatz haben - was freilich nicht funktionierte. Die Notenbank kassierte den Schein ein. Wer die Klopapier-Note druckte, blieb unklar.

Die Blüte aus dem Blumenstrauß ist nur eine von vielen - wenn auch eine sehr ungewöhnliche. 33.654 gefälschte Banknoten wurden im ersten Halbjahr 2010 deutschlandweit aus dem Zahlungsverkehr gezogen. Das sind 20 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2009, wie die Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Der "falsche Fuffziger" liegt dabei mit einem Anteil von fast zwei Dritteln erneut an der Spitze.

Kein Grund zur Panik

Die Zahl der in Deutschland registrierten Blüten steigt seit Anfang 2008 wieder merklich. Die Rekordwerte aus den Jahren 2004 und 2005, als bis zu 45.000 Fälschungen einkassiert worden waren, liegen aber noch weit entfernt. Die Gründe für den Anstieg seien unklar, wie der Leiter des Zentralbereichs Bargeld bei der Bundesbank, Helmut Rittgen, sagt. Mehr Fälschungen auf dem Markt, mehr Ermittlungserfolg der Polizei oder schlicht Zufall, das seien denkbare Erklärungen.

Grund zur Panik müsse niemand haben, betont Rittgen. Auf 10.000 Einwohner kämen in Deutschland pro Jahr acht Fälschungen. "Wir stehen in Deutschland deutlich besser da als der Schnitt, denn im Euroraum kommen pro Jahr 23 Fälschungen auf 10.000 Einwohner. Jede Fälschung ist eine zu viel, aber man muss das relativ sehen", sagt der Bargeldexperte.

Schaden beläuft sich auf 1,9 Millionen Euro

Wie klein das Problem noch ist, zeigen auch die absoluten Zahlen: Der in Deutschland durch Falschgeld verursachte Schaden belief sich von Januar bis Ende Juni auf 1,9 Millionen Euro. "Das ist der Betrag, der in erster Linie im Handel als Schaden anfällt", erklärt Rittgen. Denn eines ist klar: Wird eine Blüte beim Bezahlen entdeckt, muss sie ersatzlos einkassiert werden - der Besitzer hat den Schaden.

"Einen verantwortlichen Umgang mit Bargeld müssen wir von jedem Nutzer erwarten", sagt der Leiter des Nationalen Analysezentrums bei der Bundesbank, Rainer Elm. "Wer zum Beispiel einen Joghurt kauft, schaut ja auch auf das Haltbarkeitsdatum. Oder bei Erdbeeren schaut man, ob sie nicht eingedrückt sind. So aufmerksam und vorsichtig muss man mit Bargeld auch umgehen." Am besten sei es, stets mindestens zwei Sicherheitsmerkmale der Scheine zu prüfen.

"Das ist ein steter Wettlauf"

So hätte die Dame aus Leipzig die Klopapier-Blüte auf Anhieb als Fälschung erkennen können, meint Elm und präsentiert ein weiteres plumpes Exemplar: Ende 2009 wollte jemand an einer Tankstelle in Melsungen nahe Kassel mit einem Quittungsbeleg der Sparkasse Kassel bezahlen, auf den beidseitig das 50-Euromotiv gedruckt war. Doch der Tankwart war aufmerksam: Die Quittung schimmerte durch.

Im Grund sei der Großteil der Blüten leicht zu entlarven, sagt Rittgen. Doch gerade wenn hektisch am Kiosk eine Zeitung gekauft wird oder bei schlechten Lichtverhältnissen Geld den Besitzer wechselt, können die Arbeiten professioneller Geldfälscher ziemlich echt wirken. "Das ist ein steter Wettlauf", sagt der Fachmann. Dennoch hole die Gegenseite nicht wirklich auf. "Qualitativ gab es bei den Fälschungen in den vergangenen Jahren keine großen Verbesserungen."

Neue Euro-Scheine geplant

Elm zufolge kommt die Masse der Fälschungen derzeit aus Südeuropa. "Eine wachsende Verbreitergruppe registrieren wir zudem aus dem baltischen Raum. Das war in den Jahren 2004 und 2005 schon einmal der Fall." In Summe seien es etwa zwei Dutzend Fälscherringe, deren Blüten kursieren. Neuheiten seien selten, sagt Elm. "Seit Mitte vergangenen Jahres ist eine neue Fälschung im Umlauf, ein Fünfziger. Sie könnte aus Deutschland kommen und tauchte anfangs vor allem im norddeutschen Raum auf."

Dass die Fälscher überwiegend vom Rand der Eurozone stammen, sieht Elm nicht als Problem. Auch eine Erweiterung des Verbreitungsgebietes der Gemeinschaftswährung - im Januar wird Estland 2011 die Nummer 17 im Euro-Club werden - hält er nicht für problematisch. "Das ist eher ein Vorteil, denn dann geht es in den beitretenden Ländern um die eigene Währung. Dann sind die Gesetze oft viel strenger, die Zusammenarbeit der Ermittler ist enger."

Zudem tüftelten die Behörden weiter, versprach Elm. Es sei eine neue Generation Euronoten geplant - mit noch besseren Sicherheitsmerkmalen. Der Zeitplan dafür stehe aber noch nicht. Denkbar wäre, die Scheine mit Hightech-Implantaten, sogenannten RFID- Chips, noch fälschungssicherer zu machen.

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