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Aktienmarkt: Wertpapierdepot als Kostenfalle

Aktienmarkt  

Wertpapierdepot als Kostenfalle

01.02.2011, 16:58 Uhr | dapd, dapd

Aktienmarkt: Wertpapierdepot als Kostenfalle. Verbraucher sollten Vertragsbedingungen des Wertpapierdepots genau studieren (Foto: Archiv)

Verbraucher sollten Vertragsbedingungen des Wertpapierdepots genau studieren (Foto: Archiv)

Wertpapierdepots mit kleinen Aktien- und Fondsbeständen können schnell zur Kostenfalle werden. Viele Bankkunden zahlen nämlich überdurchschnittlich hohe Depot- und Kaufgebühren und schmälern dadurch ihre Rendite. Durch einen Depotwechsel können Anleger oft mehrere hundert Euro jährlich einsparen. "Die Sparmöglichkeiten beginnen beim Wegfall der laufenden Depotgebühr und gehen bis zu ermäßigten Ausgabeaufschlägen für Investmentfonds und niedrigen Transaktionsgebühren für Börsengeschäfte", erklärt Holger Handstein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ).

Hohes Sparpotenzial

Wie hoch das Einsparpotenzial ist, zeigt ein Vergleich des Finanzportals FMH. Als Beispiel wurde hier ein durchschnittliches Depotvolumen von 40.000 Euro zugrunde gelegt, bei vier Wertpapierkäufen pro Quartal mit einem durchschnittlichen Volumen von 3.000 Euro. Bei der günstigsten Depotbank fallen dafür Gesamtkosten von 126,40 Euro jährlich an, bei der teuersten sind es 296 Euro. In diesem Vergleich wurden allerdings nur die Angebote der günstigsten Anbieter berücksichtigt, zahlreiche Kunden dürften daher noch deutlich mehr zahlen.

"Das günstigste Angebot ist aber nicht unbedingt für jeden Anleger passend", sagt Karin Baur vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest. Verschiedene Angebote seien nämlich nicht bei jeder Bank verfügbar. Dazu zählten beispielsweise Rabatte auf den Ausgabeaufschlag bei Fonds und Sparplänen, der Handel mit Indexfonds oder der Fondshandel über die Börse. Kunden sollten deshalb vor einem Wechsel erfragen, was die Bank ihnen bietet. Wer bereit sei, seine Depotgeschäfte online oder per Telefon zu führen, für den seien Direktbanken nach wie vor erste Wahl, sagt Baur.

Depotwechsel mit Tücken

Der Depotwechsel ist für die Kunden immer kostenlos. Zur Depoteröffnung muss lediglich ein Formular ausgefüllt und der Wechsel beantragt werden. Das ist sowohl bei der alten als auch bei der neuen Bank möglich.

Allerdings hat der Wechsel auch einige Tücken. Denn wie lange der Übertrag von Wertpapieren von einem Depot zum anderen dauern darf, ist gesetzlich nicht geregelt. "In der Regel sollte der Übertrag innerhalb eines Monats vollzogen sein. Kunden sollten allerdings bedenken, dass sie keine Käufe und Verkäufe tätigen können, so lange der Übertrag nicht beendet ist", sagt VZ-Experte Handstein.

Außerdem können nur ganze Fondsanteile übertragen werden, um Bruchstücke aus Sparplänen muss sich der Kunde kümmern. Darüber hinaus wird das alte Depot nicht automatisch gelöscht, nur weil es leer ist. Auch dies muss der Kunde selbst veranlassen, ansonsten zahlt er unter Umständen weiterhin die Depotgebühr. Einige Banken bieten jedoch einen "Umzugsservice" an und nehmen den Kunden einen Großteil der Arbeit ab.

Das Finanzamt wird informiert

Steuerliche Nachteile drohen nicht, solange Wertpapiere oder das gesamte Depot lediglich von einer Bank zur anderen übertragen werden und im eigenen Besitz bleiben. Denn mit den Wertpapieren werden auch Anschaffungsdatum und Kaufkurs übermittelt. Der Übertrag von einem Depot zum anderen wird steuerlich nicht als Verkauf gewertet. Anders sieht es aus, wenn der Wechsel auf das Depot eines Ehepartners oder ein gemeinsam geführtes Depot übertragen wird. Zwar gilt auch dies nicht als Verkauf, allerdings meldet die alte Bank den Wechsel an das Finanzamt.

Der Übertrag an das Depot eines Dritten gilt nur dann nicht als Verkauf, wenn er eindeutig als Schenkung deklariert ist. Auch hier erfolgt eine Meldung an das Finanzamt. Erfolgt keine Schenkung, wird der Übertrag als Verkauf gewertet. Wer die Wertpapiere vor dem 1. Januar 2009 erworben hat, zahlt in keinem Fall Abgeltungssteuer. Im Depot des neuen Besitzers gelten die Papiere aber nicht mehr als steuerfreie Altbestände. Und wurden die Wertpapiere 2009 oder später gekauft, muss der bisherige Eigentümer sofort Steuern auf eventuelle Kursgewinne zahlen.

Beim Übertrag von Wertpapieren auf ein eigenes Depot überträgt, können Anleger auch die Verlust-Verrechnungstöpfe für die Abgeltungssteuer und für ausländische Quellensteuer mitnehmen. "Wenn das Depot komplett geschlossen wird, ist das sinnvoll. Dafür muss der Kunde der Bank aber ausdrücklich einen Auftrag erteilen", betont Handstein.

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