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Liechtenstein: Vom Steuerparadies zum ehrbaren Finanzplatz

Geldanlage  

Vom Steuerparadies zum ehrbaren Finanzplatz: Liechtenstein erfindet sich neu

31.03.2011, 15:17 Uhr | dpa, t-online.de, dpa

Liechtenstein: Vom Steuerparadies zum ehrbaren Finanzplatz. Liechtenstein will zum transparenten Finanzplatz werden (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Liechtenstein will zum transparenten Finanzplatz werden (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Vom Steuerparadies oder Hort des schmutzigen Geldes zum ehrenwerten Finanzplatz mit null Toleranz gegenüber kriminellen Machenschaften. So will sich das Fürstentum Liechtenstein neu erfinden. Nach Ansicht des Fürstenhauses und der Regierung ist das schon fast gelungen.

Von der Tiefgarage ungesehen in ein diskretes Hinterzimmer bei der Bank zu Vermögensgesprächen - das geht in Vaduz noch immer. Doch die Gespräche im Zentrum der Hauptstadt des Fürstentums Liechtenstein sollten sich nun um ehrbare Geldanlagen drehen, die kein Licht der Öffentlichkeit zu scheuen brauchen.

Spätestens seit Ex-Postchef Klaus Zumwinkel als Steuersünder entlarvt von der Polizei und vor Kameras aus seinem Haus abgeholt wurde, wusste jeder Deutsche, dass es an der Südostflanke Deutschlands, eingebettet zwischen der Schweiz und Österreich, einen Geldschrank mit unbekanntem Milliardeninhalt gab. Ist er nun geknackt und steht offen - oder ist das Geld nur in viele andere, kleinere Safes gewandert?

Repräsentant der jetzt 36.000 Liechtensteiner ist Fürst Hans Adam II.. Der 66-jährige Fürst, mit einem Vermögen von etwa sieben Milliarden Franken (5,4 Milliarden Euro) wohl auch der reichste Liechtensteiner, befindet sich aber schon im Ruhestand. Die Amtsgeschäfte führt seine Durchlaucht Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, so sein offizieller Titel. Und er tut dies weitgehend modern und weltgewandt.

Liechtenstein: Kleinstaat mit kurzen Wegen

Allerdings läuft im "Ländle" nichts gegen das Fürstenhaus, Kritiker sprechen sogar von einem Demokratiedefizit mitten in Europa. Aber das sind wirklich nur wenige. Auch wenn das 25-köpfige Parlament, das mitten in Vaduz an der Fußgängerzone in einem markanten Spitzdachgebäude untergebracht ist, das sich wiederum symbolhaft unterhalb des Schlosses an den Hang schmiegt, kaum ohne das Herrscherhaus oben agieren kann.

Im nahe gelegen Regierungsgebäude führt sei 2009 Klaus Tschütscher die Amtsgeschäfte - er und der Erbprinz gelten als die Motoren des neuen Liechtenstein. "Liechtenstein ist ein Kleinstaat mit kurzen Wegen", zählt Tschütscher die Vorteile auf. "Einer meiner Vorgänger hat einmal gesagt: Bevor andere Staaten ein Problem erkennen, haben wir es bereits gelöst." Ohne die rasche Rechts- und Amtshilfe von Liechtenstein hätten verschiedene Skandale in Europa nicht aufgedeckt werden können, gibt sich der Regierungschef selbstbewusst. Man stehe nun auf soliden Rechtsgrundlagen und erfülle alle Vorgaben zur Offenlegung der Kapitalanlagen - sauberer gehe es nicht, heißt es in Regierungskreisen weiter.

Erste Privatbank der neuen Ära

Zeichen der neuen Zeit könnte auch eine Bankengründung in Liechtenstein sein. Die Lamda Privatbank ist die 16. Liechtensteiner Bank, aber die erste, die "in der Ära der Weißgeldpolitik" ihre Geschäfte gestartet hat. Chef ist der Schweizer Bankier Maurizio Genoni, der sich mit acht Anlage-, Finanz- und Bankprofis in Vaduz niedergelassen hat. "Liechtenstein hat sich finanzpolitisch rasch neu positioniert", sagt Genoni. Es gewährleiste zudem Zuverlässigkeit und Sicherheit. "Das Land hat bewiesen, dass es sich gut an das internationale dynamische Umfeld anpassen kann." Der Finanzplatz entwickele sich in eine Richtung, "die für unser Institut und unsere Kunden nur Vorteile offeriert", so Genoni.

Akzeptanz als transparenter Finanzplatz braucht Zeit

Kritischer sieht dies allerdings der Geschäftsführer der Liechtensteiner Treuhändervereinigung, Clemens Laternser, die noch immer trotz einiger Verluste 390 Mitglieder zählt. Die Regierung Liechtensteins habe sich zum Ziel gesetzt, "einen international anerkannten und angesehenen Finanzplatz zu etablieren", sagte er leicht reserviert. Das unterstütze seine Vereinigung, auch dass der Weg dorthin "vermehrte Transparenz und eine verstärkte Sensibilität in Missbrauchsfragen" erfordere. Ein kritischer Punkt für die Marktteilnehmer sei allerdings das Tempo dieser Transformation. "Ein zu forsches Vorgehen birgt viele Gefahren, darunter auch die Gefahr der Abwanderung der Kunden", warnt Laternser.

Tatsächlich dürfte es nicht einfach sein, den Ruf los zu werden, ein geheimnisumwittertes Schlupfloch für Steuerhinterzieher und Despoten gewesen zu sein, die ihr Geld am Volk vorbei im Ausland für schlechte Zeiten horten. Laternser weiß das wie viele seiner Kollegen, die nicht immer eine reine Weste trugen. "Es braucht offenbar auch seine Zeit, um Liechtenstein als angesehenen Finanzplatz akzeptieren zu können", sagte der Geschäftsführer. Er kann nicht umhin darauf zu verweisen, "dass wir allerdings international ein Regelungsgefälle zwischen einzelnen Staaten" feststellen. Es stellt sich somit die Frage, ob die OECD-Standards wirklich für alle gleichermaßen gelten.

"Briefkastenfirmen aus dem Vokabular streichen"

Tschütscher bekräftigt für das Fürstentum, dass die rechtlichen Grundlagen zur Bekämpfung der Geldwäsche in Liechtenstein nun höchste Standards erfüllten und keine Lücken hätten. Und wo sind die einst 80.000 Briefkästen geblieben, also die Proforma-Niederlassungen von Firmen aus steuerlichen Gründen? Im total revidierten Steuergesetz gebe es seit dem 1. Januar keinen Platz mehr für solche sogenannten Sitzgesellschaften. "Damit können wir den Ausdruck Briefkastenfirmen aus dem Vokabular streichen", meint der Regierungschef.

Die Zukunftsaufgabe heißt nun "Reputation verbessern". "Unsere Vision ist es, als angesehener, nachhaltig agierender und stabiler Finanzplatz wahrgenommen zu werden", erklärt Adolf Real, Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbandes. Diese neue Strategie wurde vom Bankenverband erarbeitet und mit der Finanzbranche abgestimmt. Der Verband will für eine anspruchsvolle, international ausgerichtete Kundschaft maßgeschneiderte Produkte und Spitzendienstleistungen anbieten.

Banken melden Neugeldzuflüsse

Und es wird nicht mehr "Schwarzgeld", sondern "Weißgeld" sein, das ins Land fließen soll. "Es ist unbestritten, dass sich unser Finanzplatz in einer Transformationsphase befindet", begegnet Tschütscher kritischen Stimmen, die Einkommensverluste beklagen. "Uns ist bewusst, dass einige Veränderungen auch schmerzhaft sind." Die Transformation sei ein jahrelanger Prozess, Zielvorgabe ist etwa 2015. "Es geht gemeinsam darum, den Schutz der Privatsphäre, zu der wir ohne Wenn und Aber stehen, in einem veränderten Umfeld neu zu definieren." Und alle Banken meldeten nun Neugeldzuflüsse, so der Regierungschef.

Zudem hat Liechtenstein Abkommen zur Steuerinformation mit 19 Ländern und vier Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. In der Vereinbarung mit Großbritannien wird Steuersündern erlaubt, sich bis 2015 straffrei zu kaufen, wenn sie sich offenbaren. Ab dann können britische Anleger nur noch versteuerte Gelder in Liechtenstein anlegen. Mit Deutschland wird noch über eine Abgeltungssteuer verhandelt. Das durch Datenindiskretionen noch nicht entdeckte Geld würde versteuert und ohne Namensnennung an Deutschland abgeführt.

Treuhändergeschäft trocknet aus

Laternser weiß aber auch, dass frühere Geschäfte, etwa die für Vermittler und Gründer lukrative Einrichtung von Stiftungen, fast zum Erliegen gekommen sind. Die Zeiten seien vorläufig vorbei, als Stiftungen noch ein Massengeschäft gewesen seien, sagt Laternser - rund 20 000 seien bereits gelöscht worden. Viele Treuhänder aus Vaduz arbeiten bereits in Asien - das zieht Geld ab. "Wenn die Kunden nicht mehr zu uns kommen können, dann gehen wir eben zu ihnen. Asien ist der Wachstumsmarkt für Finanzprodukte", sagte er dem "Volksblatt".

Zwar hat auch die Fürstenbank LGT ihr Treuhandgeschäft verkauft - es lohnt sich nicht mehr. Doch die größte Bank in Liechtenstein hat die Folgen der Steueraffäre nach Angaben von Geschäftsführer Prinz Max von und zu Liechtenstein weitgehend überwunden. Der Zufluss neuen Geldes kletterte wieder auf 3,1 Milliarden Franken im vergangenen Jahr, und damit wurde ein großer Teil der milliardenschweren Vermögensabflüsse wegen der Steueraffäre kompensiert. Aber auch die LGT ist am asiatischen Markt stark aktiv.

Schweiz als größter Konkurrent

Eine der großen Sorgen im Fürstentum ist, das die benachbarte Schweiz ertragsreiche Geschäfte aus Liechtenstein abzieht, weil dort angeblich noch nicht so konsequent die Regeln eingehalten werden. Zwischenzeitlich war es gelungen, dem großen Bruder Schweiz, mit dem Liechtenstein über eine Währungsunion verbunden ist, Sympathien abzujagen. Die Enthüllungsplattform Wikileaks verbreitete dazu kürzlich Dokumente des früheren - für beide Länder zuständigen - US-Botschafters Peter Coneway.

Die Schweiz sei "eine frustrierende Alpendemokratie", schrieb der Botschafter nach Washington. Das Fürstentum dagegen ein Musterschüler, berichtet die "Neue Zürcher Zeitung". Allerdings stammen diese Aussagen aus dem Jahr 2006, zwei Jahre, bevor in Liechtenstein die Steueraffäre auch um Zumwinkel hochkochte. Das Fürstentum war gezwungen, eine besonders scharfe Steuervereinbarung mit den USA zu schließen - was es auch schnell tat.

Geht man durch Vaduz oder durchfährt man die insgesamt nur 160 Quadratkilometer von "FL", wie das Nationalitätskennzeichen lautet, einer Fläche etwas größer als Bonn, fällt der immer noch vorhandene und nun wieder steigende Reichtum kaum auf. Zwar haben die Grundstückspreise trotz Krise mittlerweile selbst für Vaduz astronomische Höhen erreicht und viele Liechtensteiner, vor allem junge Familien müssen ins benachbarte Ausland ziehen. Die Quadratmeterpreise in Vaduz haben bereits Zürich-Niveau erreicht. Doch das Wohlstandglitzern der dortigen Bahnhofstraße sucht man in Vaduz vergeblich.

Man sieht weitaus weniger Luxusautos als in Düsseldorf, auch die getragenen Pelze fallen nicht ins Gewicht. Im "Ländle" bleibt man diskret. Der Besitzer eines Hotels in der Innenstadt kann auch nicht feststellen, dass die Zahl der Kunden wegen der Umwälzungen zurückgegangen ist. "Wer hierher kam, um seine nicht ganz sauberen finanziellen Geschäfte zu regeln, fuhr sofort wieder weg."

Aus der Tiefgarage in Vaduz bis zur Grenze nach Österreich oder der Schweiz sind es nur wenige, zumeist unbewachte Kilometer. Beobachter verweisen darauf, dass auch die deutschen Spitzel, die früher angeblich auf eigene Faust deutsche Limousinen fotografiert und die Kennzeichen der Steuerfahndung angeboten haben, nun ebenfalls verschwunden sind. Und Daten-CDs sind auch schon länger nicht mehr angeboten worden. Die Fürstenfamilie oben auf dem Schlossberg ist wohl zufrieden.

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