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Uli-Hoeneß-Debatte bei "Günther Jauch": Lehrstück über Steuern

Bei Günther Jauch macht sich Dieter Kürten für Uli Hoeneß stark

22.04.2013, 09:19 Uhr | t-online.de - Christina Rath

Uli-Hoeneß-Debatte bei "Günther Jauch": Lehrstück über Steuern. Dieter Kürten stellte sich bei Günther Jauch hinter Uli Hoeneß (Quelle: imago/Müller-Stauffenberg)

Dieter Kürten stellte sich bei Günther Jauch hinter Uli Hoeneß (Quelle: imago/Müller-Stauffenberg)

Die Nachricht von der Selbstanzeige des Bayern-München-Präsidenten Uli Hoeneß (61) wegen Steuerhinterziehung hat eine heiße öffentliche Debatte ausgelöst. "Der Fall des Uli Hoeneß – vom Saubermann zum Steuersünder?" verdrängte deshalb auch kurzfristig das eigentlich geplante Thema des ARD-Polittalks "Günther Jauch". Die eilig zusammengetrommelten Gäste tappten über weite Strecken im Dunkeln – dennoch hat Jauch eine anständige Sendung zustandegebracht. Dieter Kürten machte sich dabei als Verteidiger des hart kritisierten Hoeneß stark: "Hoeneß ist ein Kämpfer, der Junge geht da durch."

Von den Vorwürfen "erschüttert"

Als er von Hoeneß' Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung erfuhr, war der ehemalige Leiter des "ZDF-Sport-Studios" "erschüttert, sehr überrascht und ein bisschen traurig", hat Dieter Kürten gleich zu Beginn bekannt und damit die Grundstimmung der Sendung geliefert. Alle Talkteilnehmer – mit Ausnahme des "Focus"-Chefredakteurs Jörg Quoos, dessen Blatt den Skandal aufdeckte - waren überrascht von den Vorwürfen gegen den Präsidenten von Bayern München.

Niemand hatte ihm, der sich so häufig als Moralapostel der Nation aufspielte, solche Steuerstraftaten zugetraut, keiner weiß Details. Die Runde bei Jauch befand sich offenbar in einer Art Schockstarre, die jegliche Angriffslust hemmte. Und so beherrschten Fragen und Spekulationen weite Strecken der Sendung.

Genaue Zahlen kennt niemand

Drei Millionen Euro Steuern und Zinsen soll Hoeneß im Zuge seiner Selbstanzeige im Januar bereits zurückgezahlt haben, worauf man auf einen Gewinn von sechs Millionen Euro schließen könnte. Genaue Zahlen weiß jedoch niemand, eine "einigermaßen erhebliche" Summe wird Jörg Quoos zufolge vermutet. Ob Hoeneß durch seine Selbstanzeige einer Strafe entgehen kann, kann jetzt noch niemand beantworten, das muss die Justiz klären.

Spannend zu hören für das Publikum: Jauch gab sofort bekannt, als die "Süddeutsche Zeitung" während des Talks berichtete, Hoeneß habe um das Jahr 2000 vom ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus ein Darlehen in Höhe von zehn bis 15 Millionen Euro bekommen, an der Börse spekuliert und ein Konto bei der Schweizer Bank Vontobel AG eingerichtet.

Auf dem habe der Bayern-Präsident Millionen Euro gelagert, allerdings habe es sich dabei nicht um Schwarzgeld gehandelt, sondern um versteuertes Geld. Hoeneß habe jedoch nicht die auf die Summe fällige Kapitalertragsteuer an den deutschen Fiskus gezahlt.

Kubicki plaudert aus dem Nähkästchen

Doch ein Erklärstück über Sinn und Folgen einer solchen Maßnahme erhellte weiter die Zusammenhänge. Viele sachliche Infos erhielten die Zuschauer von den Steuerexperten in der Runde: Ungewohnt unpolemisch gab sich der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, der als Anwalt für Steuerstrafrecht auch Steuersünder berät.

Norbert Walter-Borjans, NRW-Finanzminister der SPD, mied unaufgeregt und angenehm zurückhaltend jegliche parteipolitsche Häme, sagte aber klar, Hoeneß habe sich „am Gemeinwesen versündigt“ und warf ihm Selbstgerechtigkeit vor. Ein wenig unwirsch gab sich der frühere Steuerfahnder Dieter Ondracek. Er bescheinigte Hoeneß eine Zockermentalität und erinnerte daran, dass Steuerhinterziehung Diebstahl ist.

Enthüller gibt Informanten nicht preis

Alles erscheint nun in einem anderen Licht, meinte Fußballfan Oliver Pocher zurecht, hatte aber sonst in der Sendung nicht viel zu sagen. Auch Enthüller Quoos redete nicht viel, und schon gar nicht über seinen Informanten – auch wenn Jauch versuchte, ihn - ein wenig platt - dazu zu drängen.

Ein wenig rührend war anzusehen, wie Dieter Kürten sich immer wieder vor Hoeneß stellte, dessen Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft pries und seine Vergehen auf falsche Berater zu schieben suchte.

Lehrstück zur Finanzjustiz

Am Ende wusste der Zuschauer zwar nicht, wie es mit Uli Hoeneß und Bayern München weitergeht, aber einiges mehr über Finanzjustiz und das Vorgehen der Steuerbehörden. Und zum Beispiel auch, dass Nordrhein-Westfalen durch den Kauf von Steuer-CDS nach Walter-Borjans Angaben 400 Millionen Euro verdient hat.

Der, der mehr hätte sagen können, ist der abwesende Uli Hoeneß selbst. Am Schluss lud Jauch ihn in seine Sendung ein, damit er sich erklären könne - das folgerichtige Ende einer Diskussion, in der sich sowieso alle einig waren.

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