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Beratung offline, Kauf online: "Showrooming" ärgert Einzelhandel

Beratung offline, Kauf online: "Showrooming" ärgert Einzelhandel

26.06.2013, 15:52 Uhr | dpa, t-online.de

Beratung offline, Kauf online: "Showrooming" ärgert Einzelhandel. "Showrooming" macht dem Einzelhandel vor allem in der Sparte Elektronik zu schaffen (Quelle: Reuters)

"Showrooming" macht dem Einzelhandel vor allem in der Sparte Elektronik zu schaffen (Quelle: Reuters)

Ein Smartphone und die passende App, mehr braucht es nicht, um für interessante Artikel in Geschäften sofort Vergleichspreise im Internet zu finden. Dieses Vorgehen aber ärgert den Einzelhandel, erst recht, wenn die späteren Online-Käufer sich im Laden eine kostenlose Beratung holen. "Showrooming" nennen Marktforscher das Phänomen - verärgerte Ladenbesitzer sprechen dagegen von "Beratungsklau". Es gibt aber auch Stimmen, die im neuen Online-Verhalten Chancen sehen.

Beraten lassen im Laden, kaufen im Netz - das haben vier von fünf Internetnutzern zumindest einmal schon gemacht, ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens SMP. TNS Infratest kommt auf zwei Drittel der Handy- und Smartphone-Nutzer. Oft entscheiden sie sich im Netz dann für ein Angebot der Konkurrenz.

Australische Händlerin nimmt jetzt Eintritt

"Natürlich ist das für einen stationären Händler keine schöne Situation", sagt Stefan Hertel, Sprecher des Handelsverbands Deutschland. "Er investiert in sein gut ausgebildetes Personal, und am Ende kauft der Kunde woanders." Eine australische Ladenbesitzerin hat als Reaktion bereits einen Eintrittspreis eingeführt für Kunden, die nach dem Besuch nichts kaufen.

Besonders betroffen sind Elektronikanbieter wie Media-Markt, Saturn und Conrad, deren Angebote vom Fernseher bis zur Festplatte oft auch bei anderen Händlern erhältlich sind. Modehändler mit eigenen Marken wie H&M oder C&A trifft der "Beratungsklau" laut SMP dagegen weniger - ihr Angebot ist anderswo kaum zu haben.

Es geht auch in die andere Richtung

"Showrooming" reduziere Einzelhandelsgeschäfte zu verlustbringenden Vitrinen, heißt es bei TNS. Die Marktforscher sprechen jedoch vom Fluch und vom Segen zugleich. Bei der Media-Saturn Holding in Ingolstadt bleibt man daher gelassen. "Wir haben umgekehrt viele Kunden, die sich vorab online informieren und die dann im Laden kaufen", sagt eine Sprecherin. "Der Kunde wird immer hybrider."

Das bestätigt auch eine Untersuchung des E-Commerce Center Köln (ECC). Vor jedem dritten Kauf im stationären Handel hat der Kunde demnach in Online-Shops gestöbert - umgekehrt war es nur jeder neunte. Media Markt und Saturn versuchten deshalb, Verbraucher auf allen Kanälen anzusprechen: mit stationären Läden und im Internet.

Onlineshop ist nicht für alle Läden die Lösung

Gerade kleine Händler dürften aber Schwierigkeiten haben, einen Online-Shop aufzubauen. Und ohne weiteres sind die Kunden auch damit nicht zu halten, meint der österreichische Computerhändler Damian Izdebski. Produktauswahl und Preise müssten sich online und offline gleichen, der Preis müsse darüber hinaus mit der Konkurrenz zumindest mithalten können, schreibt Izdebski in seinem Blog. "Auch bei uns wandern Kunden in den Onlineshop ab, aber zumindest in den eigenen."

Auch der Handelsverband betont eher die Chancen. "Es ist keine Einbahnstraße", sagt Sprecher Hertel. "Wir sehen es nicht so, dass der stationäre unter dem Online-Handel leidet." Mit gut verknüpften Angeboten auf beiden Kanälen ließen sich zusätzliche Kunden locken. Hertel verweist darauf, dass inzwischen Händler, die im Netz gestartet waren, auch feste Läden eröffnen: sei es Notebooksbilliger.de oder Zalando.

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